05.02.2004 · Für das Jahr 2004 sehen die Prognosen für den IPO-Markt - in Europa und auch in Deutschland - wieder freundlicher aus. Experten prognostizieren bis zu 150 Börsengänge. Technologiefirmen werden weniger dabei sein.
Von Antje Nietzold, Volker FitznerDie Entwicklungen auf dem europäischen Markt für Börsengänge waren in den vergangenen beiden Jahren durchwachsen: Nachdem bereits das Jahr 2002 nicht an die Erfolge früherer Jahre anknüpfen konnte, war auch das Jahr 2003 von einem angespannten wirtschaftlichen Umfeld geprägt.
Obwohl sich der IPO (initial public offering)-Markt im vergangenen Jahr nach verhaltenem Start in den Anfangsmonaten zum Jahresende noch deutlich belebte, wurden die Ergebnisse des schwachen Jahres 2002 dennoch verfehlt.
2003: IPOs und Emissionsvolumina stark rückläufig
Insgesamt verzeichneten die europäischen Börsen im Jahr 2003 lediglich 143 Neuemissionen. Dagegen wagten im Vorjahr noch 174 Unternehmen den Gang an die Börse. Das Emissionsvolumen fiel von rund 11,5 Milliarden Euro (2002) auf 6,7 Milliarden Euro (2003). Allerdings war in den letzten Monaten des Jahres 2003 eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung erkennbar.
In den ersten drei Monaten in 2003 spiegelte die geringe Anzahl von lediglich 14 IPOs das fehlende Vertrauen der Marktteilnehmer wider. Im ersten Quartal des Vorjahres wagten noch 36 Unternehmen den Gang an Europas Börsen. Eine leichte Belebung des Marktes war im zweiten Quartal 2003 mit 23 Börsengängen erkennbar. Der Vergleich mit den im selben Zeitraum des Vorjahres gezählten 66 Börsengängen belegt jedoch die anhaltende Zurückhaltung der Marktteilnehmer. Im dritten Quartal setzte sich die Erholung des Marktes fort: Es gab 37 Unternehmensnotierungen. Erstmals im letzten Quartal des Jahres 2003 lagen die Börsengänge über den Vorjahreswerten: Insgesamt 69 Unternehmen wagten sich auf das europäische Parkett.
Auch im Hinblick auf das Emissionsvolumen konnten die Börsen die Zahlen des Vorjahres nicht erreichen. Im Jahresverlauf war allerdings eine deutliche Zunahme des Emissionsvolumens zu erkennen. Während im ersten Quartal das Emissionsvolumen lediglich 71 Millionen Euro betrug, wurde im dritten Quartal bereits ein Emissionsvolumen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro erreicht. Im vierten Quartal sank das Volumen leicht auf 2,4 Milliarden Euro. Als größte Neuemissionen des Jahres 2003 konnten der britische Telefonbuchverlag Yell Group (1,6 Milliarden Euro), die Bank Austria Creditanstalt (958 Millionen Euro) sowie der indische Minenbetreiber Vedanta Resources (730 Millionen Euro) plaziert werden.
London und Euronext trotzten der Flaute
Betrachtet man den gesamten europäischen Markt, herrscht an den meisten Börsenplätzen weiterhin eine starke Zurückhaltung. Insgesamt lag die Anzahl der Neuemissionen im Jahr 2003 an allen europäischen Börsenplätzen außer London unter den Vorjahreswerten. London bleibt wie auch schon im vergangenen Jahr der aktivste Börsenplatz mit 94 Neuemissionen: Rund zwei Drittel aller Unternehmen wurden in London an die Börse gebracht. Dabei notierte der überwiegende Teil der Börsenneulinge am Alternative Investment Market (AIM). Im europäischen Börsenverbund Euronext lag die Zahl der Börsengänge bei 29. Die Deutsche Börse konnte mit Ausnahme der Plazierung der Hypo Real Estate Holding im Oktober keine Neuemissionen in 2003 verzeichnen. Im Vorjahr lag die Anzahl immerhin noch bei sechs Börsengängen. Die Börsen in Athen, Dublin, Kopenhagen, Helsinki und Luxemburg erlebten im Jahr 2003 keine Neuemission.
Bergbau-Unternehmen stabil
Die Analyse der Branchenzugehörigkeit zeigt, daß sich der Bereich Bergbau im Jahr 2003 mit 17 Neuemissionen stabilisieren konnte. Im Vorjahr zählten jeweils 14 Minenbetreiber zu den Börsenneulingen. Stark rückläufig hingegen waren die Branchen Software & Computer Services und Support Services, Leisure & Hotels sowie Pharma.
Positive Signale für 2004
Für das Jahr 2004 sehen die Prognosen für den IPO-Markt - sowohl in Europa als auch in Deutschland - wieder freundlicher aus. Allerdings ist damit zu rechnen, daß zunächst überwiegend Unternehmen der klassischen Industrien den Weg an die Börse suchen. Technologiefirmen werden dieses Jahr insgesamt eher weniger zu den Börsenneulingen gehören, auch wenn beispielsweise Wacker Siltronic für 2004 einen Börsengang anstrebt.
Medienberichten zufolge zählen unter anderem Hapag-Lloyd, Grohe und Auto Teile Unger (ATU) zu den IPO-Kandidaten in Deutschland. Eine besondere Signalwirkung könnte in der zweiten Jahreshälfte 2004 von der Deutschen Post ausgehen. Für diesen Zeitraum visiert sie die Plazierung von knapp 50 Prozent ihrer Anteile an der Postbank an. Gelingt es ihr, die Anteile erfolgreich zu plazieren, könnte diese Neuemission eine Art „Eisbrecherfunktion“ für weitere Börsengänge in Deutschland übernehmen.
In Europa kommen möglicherweise Électricité de France, Gaz de France, aber auch weitere Anteile der französischen Regierung an Air France oder France Télécom sowie der britische Versicherungsbroker Catlin Group in Frage. Insgesamt prognostizieren Experten rund 100 bis 150 Börsengänge in Europa für das laufende Jahr 2004. Diese Zahlen bieten zwar keinen Anlaß zur Euphorie, aber immerhin Grund zu einem Hoffnungsschimmer.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,29 $ | −0,52% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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