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Start-up Basel II - auch ein Thema für Start-ups?

03.04.2003 ·  Fremdkapital gewinnt auch bei der Finanzierung von jungen Unternehmen an Bedeutung. Durch Basel II müssen bonitätsschwache Start-ups mit steigenden Kosten für die Kreditaufnahme rechnen.

Von Melanie Senczek
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Die Vorschläge zur Neureglung der Mindestkapitalausstattung von Banken (Basel II) werden bislang überwiegend im Zusammenhang mit der Finanzierung von Mittelständlern diskutiert. Die Umsetzung von Basel II wird jedoch auch die Kapitalbeschaffung von Start-ups erheblich verändern.

Ein Grund dafür ist, dass Risikokapitalgeber und Private Equity-Firmen sich derzeit mit Neuinvestitionen stark zurückhalten. Viele Kapitalgeber müssen zunächst die Auswirkungen hoher Abschreibungen in den letzten Monaten "verdauen", bevor sie neue Investitionen vornehmen können. Des Weiteren sind die Exit-Kanäle noch immer verstopft. Zwar ist eine leichte Zunahme bei den Trade Sales, also bei Verkäufen an industrielle Investoren, zu verzeichnen; der Börsengang wird jedoch von vielen Experten frühestens ab 2004 wieder als eine Option zum Ausstieg gesehen. Externes Eigenkapital steht für neu gegründete Unternehmen damit momentan oftmals nicht im gewünschten Umfang zur Verfügung.

Fremdkapital gewinnt an Bedeutung

Daher spielt Fremdkapital auch bei der Finanzierung von jungen Unternehmen zunehmend eine Rolle. Gerade diese Unternehmensgruppe ist von den durch Basel II bedingten Veränderungen betroffen, da Start-up-Investitionen ein höheres Risiko für die Kapitalgeber darstellen.

Nach den bislang geltenden Regelungen sind Kredite an inländische Unternehmen generell zu 100 Prozent als Risikoaktiva der Bank zu behandeln und mit acht Prozent Eigenkapital zu unterlegen. Somit hat bisher jedes Kreditrisiko den gleichen Preis, eine Differenzierung findet nur über die Sicherheiten statt. Gemäß Basel II muss künftig jedoch jeder Kreditnehmer seine Bonität mittels eines Ratings prüfen lassen, denn diese wird für die Höhe der Eigenkapitalunterlegung der Banken ausschlaggebend sein. Da aus einer höheren Eigenkapitalunterlegungspflicht höhere Kosten resultieren, werden die Banken diese je nach ihrer Marktstellung an ihre Kunden weiterreichen. Für bonitätsschwache Unternehmen können die Kosten für die Kreditaufnahme somit steigen, während Unternehmen, deren Bonität als sehr gut eingeschätzt wird, mit sinkenden Finanzierungskosten rechnen dürften.

KMU-Erleichterungen helfen auch Start-ups

Zu Beginn der Basel II-Diskussion bestand die allgemeine Befürchtung, dass diese Neuerungen die Stellung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) erheblich verschlechtern werden, da diese aufgrund ihrer Unternehmensgröße und der grundsätzlich langfristig orientierten Fremdfinanzierung eine höhere Risikostruktur aufweisen. Mittlerweile sehen die Regelungen jedoch zahlreiche Erleichterungen für Kredite an KMU vor, von denen auch Start-ups profitieren können.

Beispielsweise können Banken wählen, ob sie Kleinkredite bis zu einer Höhe von einer Million Euro in das so genannte Retail-Segment einordnen. Eine derartige Einordnung führt zu einer Senkung der Eigenkapitalunterlegung bei den Banken und damit zu einer Entlastung für die Unternehmen, sofern die Erleichterung über die Konditionen an die Kunden weitergereicht wird. Auch lange Kreditlaufzeiten werden nach derzeitigem Stand der Diskussion keine negativen Konsequenzen haben.

Auswirkungen auf Unternehmensbeteiligungen

Weitaus schwerwiegender wirken sich die neuen Regelungen in der derzeitigen Fassung auf bankenfinanzierte Unternehmensbeteiligungen aus. Hier sieht Basel II bislang eine im Vergleich zur Kreditfinanzierung deutlich höhere Eigenkapitalunterlegungspflicht vor - nicht nur bei schlechteren Bonitätseinstufungen. Zwar lassen sich die Finanzierungskosten bei Eigenkapitalfinanzierungen aufgrund der fehlenden fixen Verzinsung nicht direkt mit Krediten vergleichen, es ist aber zu erwarten, dass sich die höheren Eigenkapitalkosten der Banken in höhere Ansprüche an Unternehmensanteile für ein bestimmtes Beteiligungsvolumen niederschlagen werden. Für staatlich geförderte Programme ist eine Sonderregelung zu erwarten, die eine Erhöhung der Eigenkapitalbelastung der Banken innerhalb bestimmter Grenzen ausschließt.

Noch liegt die endgültige Version von Basel II nicht vor. Zahlreiche Banken und Institutionen haben nicht zuletzt aufgrund der Benachteiligung der Beteiligungsfinanzierung Kritik an den neuen Regelungen geübt. Im Mai dieses Jahres soll die abschließende Fassung von Basel II vorgestellt werden; es bleibt abzuwarten in wie weit die Anregungen darin umgesetzt sind.

Fazit

Insgesamt ist jedoch davon auszugehen, dass sich die Rahmenbedingungen einer Bankfinanzierung auch für Start-ups deutlich verschärfen werden. Genauso wie für alteingesessene Mittelständler ist es daher für junge Unternehmen ratsam, sich gründlich mit den aus Basel II resultierenden Veränderungen auseinandersetzen. Diesbezüglich ist insbesondere die detaillierte Vorbereitung auf die Bonitätsüberprüfung, das heißt auf den Rating-Prozess, von Bedeutung. Auch in dieser Hinsicht zahlt sich ein sorgfältig erstellter Business Plan für Start-ups aus, da dieser bereits viele Informationsanforderungen der Banken erfüllt.

Melanie Senczek ist bei der PricewaterhouseCoopers Corporate Finance-Beratung in Köln tätig und berät Mittelständler in Fragen der Unternehmensfinanzierung

E-mail: melanie.senczek@de.pwcglobal.com

www.pwc.com/de

Quelle: @wiz
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