16.01.2003 · Die Beschaffung von Kapital wird zunehmend schwieriger. Insbesondere Start-ups suchen derzeit neue Wege zur Erschließung von Finanzierungsquellen.
Von Andreas RamsDie Eigenkapitalfinanzierung durch externe Kapitalgeber leidet zum einen unter den momentan eher geringen Chancen auf erfolgreiche Börsengänge (Exits) und zum anderen unter den von Investoren vielfach zu verkraftenden Wertberichtigungen auf bestehende Investments. Die zur Zeit laufenden Vorbereitungen der Banken zur Einhaltung der erwarteten Neuregelungen für die Kreditvergabe (Basel II-Abkommen) erschweren die externe Finanzierung zusätzlich.
Die geplante Erhöhung der Anforderungen für die Kreditvergabe, führt - verstärkt durch die eigenen Ertragsprobleme der Banken - in Teilsegmenten bereits heute zu einer Kreditverteuerung und -verknappung. Die Unternehmen stehen nun vor der Aufgabe, in diesem veränderten Umfeld nach neuen Wegen der Finanzierung zu suchen, um ihre anstehenden Investitionen realisieren zu können.
Lebenszyklus-Stadium bestimmt Finanzierungsmöglichkeiten
Inwieweit ein einzelnes Unternehmen von den erschwerten Finanzierungsbedingungen betroffen ist, hängt insbesondere davon ab, in welchem Stadium des Lebenszykluses es sich befindet. Bei Start-ups ist zwischen Unternehmen, die gerade erst die Gründungsphase (Seed-Phase) durchlaufen haben, und denjenigen, die sich bereits im Übergang zur Expansionsphase befinden und über marktfähige Produkte und Kundenumsätze verfügen, zu unterscheiden.
Effizienzsteigerung steht in der Seed-Phase auf der Tagesordnung
In der Gründungsphase sind die Unternehmen in erster Linie auf die Mittel der Gründer, öffentliche Fördermittel sowie externe Eigenkapitalgeber angewiesen. Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre sind diese Quellen meist bereits stark ausgeschöpft, so dass die Suche nach neuen Finanzierungswegen ansteht. Eine Innenfinanzierung bietet sich hier jedoch nur sehr begrenzt an. So kann beispielsweise bei Vermögensumschichtungen teilweise auf Leasing zurückgegriffen werden. Von größerer Bedeutung ist jedoch die Ausschöpfung von Rationalisierungspotenzialen mit dem Ziel, die vorhandenen Finanzmittel noch besser auszunutzen. In Einzelfällen lassen sich durch die Gründung von Joint Ventures erhebliche Einsparungen realisieren. Diese führen zu einer effizienteren Nutzung der Ressourcen und zur der Teilung der oft unvermeidlichen Anlaufverluste.
Der Start-up-Unternehmer sollte jedoch vor allem eine schnelle Realisierung von tragfähigen Marktumsätzen anstreben und damit sowohl seinen Unternehmenszweck erreichen als auch seine Finanzierungsprobleme lösen. Ist der Erfolg absehbar, steht neuen externen Finanzierungsrunden und dem damit verbundenen Einstieg in die Expansionsfinanzierung meist nichts mehr im Wege. Um den Kapitalgebern das Geschäftsmodell qualitativ und quantitativ treffend und überzeugend zu vermitteln zu können, sollte der Start-up-Unternehmer in jedem Fall über einen aktuellen und professionellen Geschäftsplan verfügen.
Expansionsphase eröffnet vielfältige Finanzierungen
Den Unternehmen, die sich bereits im Übergang zur Expansionsphase befinden, bieten sich vielfältigere Möglichkeiten zur Optimierung ihrer Innenfinanzierung. Sofern bereits Gewinne erwirtschaftet werden, können diese in die Finanzierung des weiteren Wachstums fließen. Wenn das Unternehmen bereits über stabile Kundenforderungen verfügt, bietet sich das Factoring an. In jedem Fall sollten die Rationalisierungspotenziale des Unternehmens auch hier vollständig ausgenutzt werden. Diese legen Mittel für die Finanzierung des weiteren Wachstums frei und erhöhen gleichzeitig die Attraktivität des Unternehmens für externe Kapitalgeber.
Hat sich das junge Unternehmen bereits hinreichend stabilisiert und in seinem Markt gefestigt, werden sich auch externe Investoren einfinden. Als interessante Mischung von Eigen- und Fremdkapital könnte dann Mezzanine-Kapital in Betracht kommen. Typische Ausgestaltungsformen von Mezzanine-Finanzierungen sind Nachrangdarlehen, Gesellschafterdarlehen, Stille Beteiligungen, Genussscheine und Wandel-/Optionsanleihen. Insbesondere Going Public-Anleihen werden für diejenigen Unternehmen interessant, die bis zu einer neuen Belebung des IPO-Marktes eine günstige Zwischenfinanzierung suchen. In allen Fällen wird es auch hier darauf ankommen, dass das Geschäftsmodell stimmt und in einem professionellen Geschäftsplan investorengerecht aufbereitet wird.
Investoren profitieren
Die Instrumente der Finanzierung an sich haben sich nur wenig verändert. Jedoch hat der Übergang von der Euphorie zum derzeitigen Pessimismus den Weg zur Finanzierung gerade für junge Unternehmen deutlich steiniger gemacht. Für Investoren haben sich die Bedingungen jedoch um einiges verbessert - wenn dies auch noch nicht alle so wahrnehmen. Sie können heute zu niedrigeren Einstiegskursen, in besser vorbereitete Unternehmen und in weniger hektische und damit vielfach erfolgreichere Märkte investieren. Auf mittlere Sicht sollten schließlich auch wieder bessere Bedingungen für einen Exit an der Börse zu erwarten sein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,29 $ | −0,52% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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