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Standpunkt: Jens Weidmann Was steckt hinter den Target2-Salden?

Bundesbankpräsident Weidmann meldet sich in der Targetdebatte zu Wort. Der Schlüssel zur Lösung der Schuldenkrise liege nicht bei den Notenbanken, schreibt er in einem Gastbeitrag für die F.A.Z.

© REUTERS Vergrößern Jens Weidmann

Derzeit wird unter dem Schlagwort Target2 der Beitrag des Eurosystems zur Eindämmung der Staatsschuldenkrise kritisch hinterfragt. Doch was steckt hinter diesem schillernden Begriff, der von vielen mit zusätzlichen Risiken für den Steuerzahler gleichgesetzt wird?

Target2 ist sozusagen das Leitungsnetz, in dem Liquidität im Euroraum zirkuliert. Mit diesem Zahlungssystem wird in der Währungsunion grenzüberschreitend Zentralbankgeld zwischen den nationalen Notenbanken übertragen. Diese Liquidität entsteht in den einzelnen Ländern insbesondere über die Refinanzierungsgeschäfte der nationalen Notenbanken mit den Geschäftsbanken. Die Übertragung wird ausgelöst, wenn aus einem Land Zentralbankgeld in ein anderes Land überwiesen wird. Dabei entstehen Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB), die als eine Art Clearingstelle fungiert. Bei der überweisenden Notenbank entsteht eine Verbindlichkeit - ein negativer Target2-Saldo. Die empfangende Notenbank erhält eine Forderung - hier entsteht ein positiver Target2-Saldo. Wäre die Geldpolitik im Euroraum bei der EZB zentralisiert, gäbe es zwar keine Target2-Salden, dies würde aber für sich genommen noch nichts an den Risiken aus der Liquiditätsbereitstellung ändern.

In der Zeit vor der Finanzkrise waren diese Salden weitgehend ausgeglichen. Von den nationalen Notenbanken wurde den Banken über Refinanzierungsgeschäfte im Wesentlichen Liquidität für die Mindestreserve und das umlaufende Bargeld zur Verfügung gestellt. Grenzüberschreitender Finanzierungsbedarf der Banken wurde in der Regel durch private Kapitalströme befriedigt, durch Interbankenkredite zum Beispiel. Seit Ausbruch der Finanzkrise, vor allem aber durch die Staatsschuldenkrise, schwand in einigen Ländern das Vertrauen in die Staatsfinanzen und in die jeweiligen Bankensysteme. Private Refinanzierungsquellen, einschließlich des Interbankenmarktes, wurden weniger ergiebig, erschienen zu teuer oder versiegten nahezu ganz. Um den Liquiditätsbedarf abzudecken, der beispielsweise aus Warenkäufen oder Kapitalabflüssen resultierte, wurden verstärkt Mittel beim Eurosystem aufgenommen. Das ist möglich, weil das Eurosystem seit Ausbruch der Finanzkrise seine Liquiditätsbereitstellung sukzessiv ausgeweitet hat: Liquidität wurde gegen Sicherheiten in unbegrenztem Umfang (Vollzuteilung), zu einem niedrigen Zins und zu deutlich längeren Laufzeiten bereitgestellt. Außerdem wurden die Anforderungen an die geforderten Sicherheiten, unter anderem Ratingschwellen, spürbar abgesenkt.

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Die Rolle der Liquiditätsbereitstellung hat sich damit deutlich verändert: Es wird nicht mehr nur das erforderliche Minimum an Zentralbankgeld bereitgestellt, sondern das Eurosystem ersetzt in größerem Maße den Interbankenmarkt und andere grenzüberschreitende Kapitalströme.

Das Gesamtvolumen der Refinanzierungsgeschäfte hat von rund 460 Milliarden Euro unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise auf nunmehr über 1100 Milliarden Euro zugenommen, die mittlere Laufzeit ist von wenigen Wochen auf fast drei Jahre gestiegen. Zugleich ist der Anteil der Peripherieländer am Refinanzierungsvolumen von einem Sechstel auf rund zwei Drittel gestiegen. Durch den anhaltenden Nettoabfluss von Liquidität aus den Peripherieländern haben diese Target2-Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als 750 Milliarden Euro aufgebaut.

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Veröffentlicht: 12.03.2012, 17:30 Uhr

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