18.11.2004 · Unter dem Arbeitstitel „1. FC Deutschland 06“ wollen Politik und Wirtschaft für den Standort Deutschland werben. Den Vorwurf der Wahlhilfe für Rot-Grün weist Industriepräsident Rogowski zurück.
Unter dem Arbeitstitel "1. FC Deutschland 06" wollen Politik und Wirtschaft im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft gemeinsam für den Standort Deutschland werben.
Den Vorwurf der Wahlhilfe für Rot-Grün weist Industriepräsident Michael Rogowski zurück. Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) koordiniert die Kampagne.
Noch vor dem Anpfiff ist die Partie schon ins Gerede gekommen. Stört Sie das?
Wir sollten im Moment den Ball flach halten. Noch sind wir im Trainingslager, nicht auf dem Platz. Wir stehen noch ganz am Anfang von Überlegungen, wie wir das Großereignis Fußball-WM zum Anlaß nehmen können, zwei Ziele zu erreichen: ein positives Bild von Deutschland nach außen zu transportieren und zugleich eine positive Stimmung im Land zu befördern.
Aber Sie laufen mit rot-grünem Trikot auf das Spielfeld? Wozu brauchen Sie die Regierung?
Wir haben schon vor geraumer Zeit festgestellt, daß die Regierung am gleichen Thema arbeitet und daß es auch in vielen Bundesländern ähnliche Projekte mit der gleichen Zielrichtung gibt. Eine solche Bündelung der Interessen ist nicht nur im Interesse von Politik und Wirtschaft, sondern der Gesellschaft. Um es in der Fußballsprache zu sagen: Es wäre doch Wahnsinn, wenn jeder seinen eigenen Ball durch die Gegend kickt. So schießt man den Ball nicht ins richtige Tor.
Dennoch wird Ihnen vorgehalten, die Imagekampagne sei eine Steilvorlage für die Bundesregierung.
Ein solches Standort-Marketing ist eine nationale Aufgabe. Kann man Klinsmann Wahlkampfhilfe vorwerfen, wenn unsere Mannschaft 2006 gewinnt? Wir werden nie ganz verhindern können, daß bei den Leuten ein solcher Eindruck entsteht. Unsere Aufgabe als Wirtschaft ist es, die Kampagne so zu strukturieren und gestalten, daß sie Neutralität garantiert und nicht als Wahlkampfhilfe für Rot-Grün erscheint. Das ist übrigens auch das Anliegen der Bundesregierung. Wir überlegen auch deshalb, eine neutrale Persönlichkeit als Schirmherrn zu finden.
Fühlen sich Union und FDP, denen der BDI ja traditionell nähersteht als Rot-Grün, nicht politisch gefoult?
Wir stehen niemandem per se näher, sondern wir stehen für gute Wirtschaftspolitik. Übrigens habe ich Kritik bisher nur den Zeitungen entnommen. Und Frau Merkel wurde von mir über die Kampagne informiert. Es darf doch nicht so weit kommen, daß am Schluß gar kein Spiel zustande kommt nur wegen kleinkarierten Fouls.
Sie setzen auf Teamgeist?
Ja, natürlich. Es geht doch darum, unserem Land und damit auch unseren Unternehmen zu dienen. Entscheidend wird sein, was uns inhaltlich gelingt. Wir brauchen eine zentrale Botschaft. Diese muß international tauglich sein und zugleich etwas typisch Deutsches transportieren.
Und das wäre?
Wir brauchen ein positives, herzliches Image - und etwas, das mit dem Thema Innovation in Verbindung gebracht wird. Nur zu demonstrieren, daß Deutschland eine perfekte WM organisieren kann, reicht nicht.
Ist die Verbindung mit dem Thema Fußball glücklich, wenn man an die jüngsten Leistungen unserer Nationalmannschaft denkt?
Die WM ist der Anlaß, weil die Welt auf unser Land blickt. Aber transportieren müssen wir etwas anderes. Außerdem wollen wir unsere Botschaften ja auch schon 2005, ein Jahr vor der WM, senden. Und wir hoffen, daß die Kampagne sich so etabliert, daß sie auch nach der WM noch weiterläuft.
Reicht das angestrebte Budget von 20 Millionen Euro aus?
Das weiß ich noch nicht. Ich habe die Hoffnung, daß unsere Initiative als Magnet wirkt und mancher Unternehmer erkennt, daß er hier sein Interesse mit dem Interesse des Landes verbinden kann.
Wird sich der BDI als Verband auch beteiligen?
Wer A sagt, muß auch Alimente sagen - nein, Scherz beiseite: Wir müssen schon aufpassen, daß wir als Verband nicht zu tief hineingezogen werden. Die Umsetzung wird in den Händen einer eigenständigen Organisation liegen, die die Interessen der Geldgeber vertritt. Darin kann der BDI auch eine Rolle spielen. Und wenn die Wirtschaft das wünscht, werden wir auch als eine Art Teamchef fungieren.
Verführt vom Applaus auf der VIP-Tribüne, ruht sich der Kanzler auf den Erfolgen der ersten Legislatur-Halbzeit aus. Kann er es sich leisten, den Rest der Partie auf Halten zu spielen?
Wir befinden uns jetzt im Jahr 2004, die Agenda heißt 2010. Von daher sind wir noch mitten in der ersten Halbzeit. Wenn wir den Menschen nichts vormachen wollen, müssen wir ihnen sagen: Wir haben allenfalls ein Viertel oder ein Drittel der Reformanstrengungen hinter uns, was die klassischen Felder Arbeitsmarkt, Steuern, Sozialversicherungen betrifft. Bei Zukunftsthemen wie Bildung und Innovation stehen wir noch ganz am Anfang.
Hat Rot-Grün genug Kondition für eine zweite Halbzeit?
Ich hoffe, daß der Kanzler seine Mannschaft weiter vorantreibt. Aber die Gefahr ist groß, daß die Wahlkämpfe dominieren und das Ausheben der Schützengräben in Vorbereitung auf die Wahl 2006 beginnt. Die Agenda 2010 steht für den Beginn eines Reformprozesses. Wir sollten in diesem Prozeß nicht erschlaffen. Das Spiel dauert bekanntlich 90 Minuten - und ob es eine Verlängerung geben wird, weiß man vorher nicht.
Sollen Kinderlose einen „Solidarzuschlag" zahlen?
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.927,80 | +0,18% |
| Nasdaq 100 | 2.578,21 | −0,54% |
| S&P500 | 1.358,04 | +1,10% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3159 | +0,23% |
| Rohöl Brent Crude | 119,10 $ | −0,79% |
| Gold | 1.713,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 138,34 € | −0,27% |