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Stammzellunternehmen Vielversprechend, aber heikel

15.03.2007 ·  Darf ein Unternehmen mit Nabelschnurblut Geld verdienen? Der Börsengang des Leipziger Stammzellunternehmens Vita 34 lenkt den Blick auf eine ethisch umstrittene Branche.

Von Judith Lembke
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Der für den 27. März geplante Börsengang des Leipziger Stammzellunternehmens Vita 34, das im stark regulierten Prime Standard der Frankfurter Börse notiert werden soll, lenkt den Blick auf die ethisch umstrittene Branche.

Vita 34 ist mit 66 Prozent Marktanteil die größte Bank für Nabelschnurblut im deutschsprachigen Raum. Das Unternehmen bietet jungen Eltern an, das Nabelschnurblut ihres Kindes, das besonders reich an Stammzellen ist, zu entnehmen, aufzubereiten und einzulagern. Sollte wegen einer Krankheit eine Stammzellentransplantation nötig sein, könnten die Ärzte dann auf körpereigene Stammzellen zurückgreifen, die laut Eberhard Lampeter, Immunologe und Mitgründer von Vita 34, bei bestimmten Krankheitsbildern von Vorteil sein könnten.

Allerdings ist die Stammzellenforschung noch nicht so weit fortgeschritten, dass sich genaue Aussagen darüber treffen lassen, welche Therapiemöglichkeiten das eingelagerte Blut in Zukunft eröffnen wird. Bislang ist erst ein Fall bekannt, in dem einem amerikanischen Jungen, der an Leukämie erkrankt war, körpereigene Stammzellen aus Nabelschnurblut transplantiert wurden, das bei der amerikanischen Tochtergesellschaft von Vita 34 eingelagert worden war.

30 Euro Lagergebühr im Jahr

Das Leipziger Unternehmen wurde vor zehn Jahren gegründet und hat mittlerweile das Nabelschnurblut von 40.000 Säuglingen eingelagert. „Unser Wachstumspotential ist enorm. Denn bislang nutzen weniger als 2 Prozent der Eltern in Deutschland das Angebot einer Nabelschnurbank“, sagt Lampeter. In Taiwan ließen hingegen 9 Prozent und in Südkorea sogar 15 Prozent der Eltern das Nabelschnurblut einlagern. „Wir halten 4 bis 5 Prozent in Deutschland für realistisch“, so Lampeter.

In Zukunft wolle sich Vita 34 vor allem auf den westdeutschen Markt konzentrieren, wo das Unternehmen bislang noch recht schwach im Geschäft ist. Man plane eine Marketing- und Vertriebsoffensive und wolle vor allem Ärzte und Hebammen stärker auf das Angebot aufmerksam machen.

Für seinen Service verlangt Vita 34 eine einmalige Zahlung von 1.990 Euro sowie eine zusätzliche Lagergebühr von 30 Euro im Jahr. Vita 34 ist seit fünf Jahren profitabel. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen, das etwa 80 Mitarbeiter beschäftigt, rund 12 Millionen Euro umgesetzt. Das Betriebsergebnis betrug 496.000 Euro.

Mesoblast konzentriert sich auf adulte Stammzellen

„Die Stammzellenforschung ist sehr vielversprechend“, sagt Christian Lach vom Biotech-Beteiligungsunternehmen BB Biotech. Allerdings sei die Technologie noch in einem sehr frühen Stadium, so dass die Erfolgschancen noch nicht absehbar seien. Die meisten Investoren bevorzugen Unternehmen, die mit Stammzellen aus Nabelschnurblut oder mit adulten Stammzellen arbeiten, also solchen, die aus Fettgewebe oder auch Knochenmark gewonnen werden. Die embryonalen Stammzellen gelten hingegen als heikel, weil die Forschung mit ihnen umstritten ist.

Ein Unternehmen, das sich auf die Erforschung adulter Stammzellen konzentriert, ist die australische Biotechnologiefirma Mesoblast. Das Unternehmen aus Melbourne, das seit Dezember 2004 an der australischen Börse gelistet ist, hat sich zum Ziel gesetzt, durch Stammzelltransplantationen Knochen- und Knorpelverletzungen zu heilen.

Dahinter steckt die Idee, besonders effektive adulte Stammzellen zu finden, sie zu vermehren und dann einem Patienten zu transplantieren, der zum Beispiel einen schweren Knochenbruch erlitten hat, damit sie die zerstörten Zellen ersetzen. Die Technologie ist allogen, das heißt, der Spender und Empfänger der Stammzellen sind verschiedene Personen. Im Moment befindet sich die am weitesten fortgeschrittene Technologie in der klinischen Phase II. „Wir hoffen, dass wir 2010 mit unserer Technologie auf den Markt gehen können“, sagt der Vorstandsvorsitzende von Mesoblast, Michael Spooner. Er schätzt, dass das Unternehmen, das eine Marktkapitalisierung von 200 amerikanischen Dollar hat und dessen Anteilseigner vor allem institutionelle Investoren sind, bis dahin noch 16 Millionen Dollar benötigen wird.

Stem Cell Therapeutics: Medikament in der Entwicklung

Einen eher klassischen Ansatz verfolgt das kanadische Unternehmen Stem Cell Therapeutics. „Wir versuchen, die körpereigenen Stammzellen zu aktivieren, damit sie zerstörtes Gewebe ersetzen“, sagt der Vizepräsident des Unternehmens aus Calgary. Stem Cell Therapeutics hat herausgefunden, dass ein Fruchtbarkeitshormon und ein Medikament gegen Anämie zusätzlich zu ihren ursprünglichen Indikationen auch die Eigenschaft besitzen, diesen Regenerationsprozess anzustoßen.

„Die Entwicklung eines Medikaments ist für große Pharmaunternehmen und Investoren leichter nachzuvollziehen als die klassische Stammzellforschung - das ist unser Vorteil“, sagt Vizepräsident Brett Schoenekess. Das amerikanische Militär sei sehr an ihrer Forschung interessiert, die unter anderem darauf zielt, bei einem Gehirntrauma zerstörtes Gewebe zu regenerieren, berichtet Schoenekess.

Mit dem Medikament, das sich momentan in der klinischen Phase II befindet, hofft er im Jahr 2012 oder 2013 auf den Markt gehen zu können. Es soll zunächst vor allem Patienten mit Herzinfarkt und Gehirnverletzungen dienen. Multiple Sklerose und Schizophrenie könnten jedoch weitere Indikationen sein.

Quelle: F.A.Z., 15.03.2007, Nr. 63 / Seite 17
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