14.08.2009 · Der größte deutsche Stahlkonzern hat in den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres einen Verlust von knapp einer Milliarde Euro eingefahren. ThyssenKrupp sieht aber Anzeichen für eine Verbesserung der Lage - der Aktienkurs steigt.
Die Wirtschaftskrise hat Deutschlands größten Stahlhersteller ThyssenKrupp im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (30. September) noch tiefer als erwartet in die roten Zahlen gerissen. Von April bis September musste das Unternehmen einen Nettoverlust von 630 Millionen Euro hinnehmen, wie der Dax-Konzern am Freitag in Düsseldorf mitteilte. Das war noch einmal deutlich schlechter als von Januar bis März, vor einem Jahr hatte ThyssenKrupp einen Überschuss von 613 Millionen Euro erzielt. Analysten hatten mit einem niedrigeren Verlust gerechnet.
Stahlindustrie in der schwersten Krise seit Jahrzehnten
Ungeachtet des Milliardenverlusts haben die Anleger am Freitag ThyssenKrupp-Aktien gekauft und den Kurs damit um bis zu 4,5 Prozent auf 23,70 Euro in die Höhe getrieben. Vorbörslich hatten die Titel noch deutlich verloren. Auf den ersten Blick hatten Händler die Zahlen als schlecht bewertet.
Die Commerzbank-Analysten stellten aber fest, der Verlust (EBT) im dritten Quartal liege nur leicht unter ihren Schätzungen, das EBT vor Abschreibungen sei sogar etwas besser als ihre und die Erwartungen des Marktes. Auch die Senkung des Ausblicks hätten sie erwartet. „Die Restrukturierungsstory ist immer noch intakt“, erklärten die Analysten und bestätigten ihre Kaufempfehlung. Auch die Analysten von Societe Generale schrieben in einem Kommentar, die Ergebnisse seien besser als sie aussähen.
Die Stahlindustrie ist nach einem jahrelangem Boom wegen der Flaute bei wichtigen Abnehmern wie Automobil-, Bauindustrie und Maschinenbau in die schwerste Krise seit Jahrzehnten gerutscht. Weltmarktführer ArcelorMittal hatte kürzlich erklärt, im ersten Halbjahr sei die Talsohle wohl erreicht worden, eine grundsätzliche Verbesserung der Lage werde aber nur langsam einsetzen. Am Donnerstag hatten der deutsche Branchenzweite Salzgitter und der Stahlhändler Klöckner & Co erklärt, im laufenden Geschäftsjahr mit Verlusten zu rechnen.
ThyssenKrupp teilte mit, erst gegen Ende des Berichtszeitraums seien erste Anzeichen einer Stabilisierung zu erkennen gewesen. Dies führte der Konzern vor allem darauf zurück, dass die Lager der Kunden inzwischen leer seien. In der Industriegütersparte hinterließ die Rezession vor allem im Automobilzulieferbereich, im zivilen Schiffbau und bei Komponenten für den Baumaschinenbereich tiefe Spuren in der ThyssenKrupp-Bilanz. Dagegen blieb das Geschäft mit Fahrstühlen, im Anlagenbau und bei Großwälzlagern für den Energiesektor relativ robust.
Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Drittel auf 9,3 Milliarden Euro zurück. Das war weniger als von Analysten erwartet. Im Vorquartal hatten die Erlöse bei 9,9 Milliarden Euro gelegen. Der Auftragseingang sank um 44 Prozent. Der Vorsteuerverlust erhöhte sich auf 772 Millionen Euro, nach einem Minus von 455 von Januar bis März.
Kosten sollen sinken
Für das Ende September zu Ende gehende Geschäftsjahr äußerte sich das Unternehmenschef Ekkehard Schulz noch einmal pessimistischer. Der Vorstand erwarte nun einen Verlust vor Steuern und Sonderposten - dazu zählen Restrukturierungs- und Projektkosten sowie Wertberichtigungen der Vorräte - in „höherer dreistelliger Millionen-Euro-Größe“. Bislang hatte der Konzern einen bereinigten Vorsteuerverlust in mittlerer bis hoher dreistelliger Millionenhöhe in Aussicht gestellt. Erhebliche Belastungen erwartet der Konzern aus den bei der Zielmarke ausgeklammerten Sonderposten, vor allem durch Wertberichtigungen und die gestiegenen Projektkosten für die neuen Werke in Brasilien und den Vereinigten Staaten.
Der Konzern hat wegen der Krise einen umfassenden Umbau eingeleitet. Allein dadurch will der Vorstand künftig pro Jahr 500 Millionen Euro sparen. Insgesamt sollen die Kosten in den kommenden 15 Monaten dauerhaft um eine Milliarde Euro sinken. Auf betriebsbedingte Kündigungen will ThyssenKrupp verzichten. Ende Juli war es dem Unternehmen gelungen, sich finanziell Luft zu verschaffen und Anteile seines noch im Aufbau befindlichen Stahlwerks in Brasilien an den Rohstoffkonzern Vale für knapp eine Milliarde Euro zu verkaufen. Die Kosten für den Neubau waren zuletzt aus dem Ruder gelaufen. Statt der ursprünglich kalkulierten 3 Milliarden Euro rechnet der Konzern inzwischen mit Kosten von 4,5 Milliarden Euro.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.401,85 | +1,82% |
| Dow Jones | 12.607,60 | +1,23% |
| EUR/USD | 1,2541 | 0,00% |
| Rohöl Brent Crude | 107,57 $ | +0,29% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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