15.12.2004 · Aus alten Tagen stammen die 48.000 Wohnungen im Ruhrgebiet, die Thyssen-Krupp jetzt für 2,1 Milliarden Euro verkauft hat. Die Börse freut's, schließlich konzentriert sich der Konzern aufs Kerngeschäft.
Thyssen-Krupp hat seine Wohnimmobilien schneller als erwartet verkauft und dabei 2,1 Milliarden Euro eingenommen. Der Immobilienverkauf sei die größte Transaktion seit der Fusion von Thyssen und Krupp im Jahr 1999, teilte der Konzern am Mittwoch in Düsseldorf mit.
Die Börse honorierte die Trennung vom nicht zu den Kernaktivitäten gehörenden Wohnungsgeschäft mit einem Kurssprung: Bis zum Nachmittag führte die Aktie mit einem Plus von 2,5 Prozent auf rund 16,20 Euro die Gewinnerliste im Deutschen Aktienindex an.
Abbau des einst hohen Schuldenbergs
Die Wohnimmobiliengruppe geht an ein Konsortium aus den Immobilienfonds der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley und der nordrhein-westfälischen Immobiliengruppe Corpus, die wiederum mehrheitlich den Stadtsparkassen Köln, Düsseldorf und Frankfurt gehört. Thyssen-Krupp Wohnimmobilien bewirtschaftet mit 370 Mitarbeitern rund 48.000 Wohnungen im Ruhrgebiet. Die meisten wurden im frühen 20. Jahrhundert errichtet, als vor allem Krupp in großem Stil Werkswohnungen nahe der damaligen Stahlstandorte bauen ließ.
Vorstandschef Ekkehard Schulz hatte noch Anfang Dezember erklärt, das Management sei mit einer Reihe von Interessenten noch in ersten Gesprächen. Die Immobilien standen zunächst nicht auf der Verkaufsliste, durch die sich Thyssen-Krupp das nötige Kapital zum Abbau des einst hohen Schuldenbergs und für den Zukauf strategisch wichtiger Unternehmen beschaffen will. Die Schulden verringerte der Konzern in seinem Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2003/04 auf 2,8 Milliarden Euro von 4,2 Milliarden ein Jahr zuvor.
„Chance auf akzeptables Kredit-Rating“
Thyssen-Krupp hat nach Angaben eines Konzernsprechers seit der Fusion Unternehmen mit einem Umsatz von 5,35 Milliarden Euro verkauft. Dem stehen Zukäufe in den Kerngeschäften Stahl, Autozulieferung und Aufzüge im Umsatzvolumen von 5,6 Milliarden Euro gegenüber.
„Dies ist ein großer Schritt für Thyssen", kommentierte Eggert Kuls, Analyst beim Bankhaus M.M. Warburg. „Sie bringen ihre Nettoverschuldung mit diesem Verkauf nahe Null und das erhöht ihre Chance, wieder ein akzeptables Kredit-Rating zu bekommen.“
Verkaufsliste wird zügiger abgearbeitet
Die Rating-Agentur Standard & Poors's (S&P) hatte vor zwei Wochen eine bessere Bonitätsbewertung für den Konzern in Aussicht gestellt, der derzeit mit dem so genannten „Ramschstatus“ eingestuft ist. Dieses schlechte Rating hatte S&P vor fast zwei Jahren wegen der hohen Schulden, besonders aber wegen hoher Pensionsverpflichtungen von Thyssen-Krupp erteilt. Je besser die Bonitätsbewertung eines Unternehmens ausfällt, um so günstiger kann es sich in der Regel bei Banken oder am Kapitalmarkt refinanzieren.
Nach der Veräußerung des IT-Dienstleisters Triaton an den US-Technologiekonzern Hewlett Packard im Februar war der Verkaufsprozeß von nicht mehr zum Thyssen-Krupp-Kerngeschäft zählenden Beteiligungen ins Stocken geraten. Im August hatte Finanzvorstand Stefan Kirsten dann eine zügigere Abarbeitung der vor anderthalb Jahren erstellten Verkaufsliste angekündigt. Seither konnte Thyssen-Krupp unter anderem das Fahrzeugguß-Geschäft, den Bereich Edelstahlprofile und sein Gebäudemanagement abstoßen. Als nächstes steht in der Sparte Autozulieferung der Verkauf des Federn-Geschäfts an.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,29 $ | −0,52% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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