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Städteplaner Albert Speer : „Frankfurt ist ein Modell für die Welt“

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Frankfurt in Miniatur: Albert Speer mit dem Modell der Skyline Bild: Kretzer, Michael

Der Städteplaner Albert Speer ist der Mann, dem Frankfurt seine Hochhäuser zu verdanken hat. Ein Gespräch über das Leben am Wasser und die Verdienste der Hausbesetzer in den 70er Jahren.

          Herr Speer, Sie entwickeln Bauprojekte auf der ganzen Welt. Wo würden Sie am liebsten leben?

          Genau da, wo ich seit 1960 zu Hause bin - in Frankfurt.

          Nicht London, nicht Schanghai, München oder Dubai?

          Nein. Von Frankfurt aus bin ich ja schnell überall.

          Was macht Frankfurt lebenswert?

          Die enorme Vielfalt. Die Kleinheit auf der einen und die Internationalität auf der anderen Seite. Da kann keine andere deutsche Stadt mithalten - und auch im Vergleich mit London oder Barcelona schlägt die kleine Metropole sich hervorragend.

          Warum ist der Ruf der Stadt dann so schlecht?

          Ach, das ist er doch nicht mehr, außer bei ein paar zurückgebliebenen Provinzlern.

          Also, die Hamburger rümpfen schon mal die Nase.

          Der Hamburger hat keinen Grund zur Hochnäsigkeit, wirklich nicht. Wenn ich in Asien oder Afrika oder einem arabischen Land unterwegs bin, muss ich mich für Frankfurt nie schämen. Die schätzen Frankfurt nicht weniger als Paris oder London.

          Wenn Sie einem Münchner mit Frankfurt kommen...

          Gut, mit München kann keine Stadt konkurrieren. München ist so schön, dass Sie dort nicht arbeiten können. Aus dem Grund bin ich nach dem Studium aus der Stadt weggegangen.

          In München wäre aus Ihnen kein angesehener Architekt und Städteplaner geworden?

          Es wäre mir schwergefallen. Die Stadt bietet so viel, da ist man ständig abgelenkt. Bis heute behaupte ich, dass ein Münchner weniger arbeitet als der Rest der Republik.

          München hat die Berge, die Seen, den FC Bayern München. Was bietet Frankfurt?

          Seit Jahren haben wir die beste Oper in Deutschland, unser Schauspiel ist zu 95 Prozent ausgebucht, das schafft kaum ein Theater. Die „Zeil“ ist die umsatzstärkste Einkaufszeile der Republik. Das kommt alles nicht von irgendwoher. Dafür gibt es Gründe.

          Und die wären?

          Zunächst einmal profitiert Frankfurt von seiner unvergleichlichen Zentralität in Europa. Hier läuft alles zusammen - von der Bahn, den Autobahnen, der Logistik bis hin zum Flughafen-Drehkreuz. Sogar die Internet-Datenströme laufen in Frankfurt zusammen. Das schafft Arbeitsplätze in Frankfurt und der gesamten Rhein-Main-Region.

          Verdankt Frankfurt das schlicht seiner Lage, oder steckt da eine jahrzehntelange Planung dahinter?

          Das ist zum Teil der Verdienst der Politiker nach dem Zweiten Weltkrieg. Die wollten, dass Frankfurt Berlin als neue Hauptstadt ablöst. Als das scheiterte, weil Adenauer sich mit Bonn durchgesetzt hat, hat man gezielt andere Schwerpunkte gesetzt, hat die Buchmesse nach Frankfurt geholt, den Flughafen, die Banken. Dass Frankfurt damals im amerikanischen Sektor lag und die Amerikaner hier ihr Hauptquartier eingerichtet haben, war sicherlich ein großer Vorteil.

          Sie sagen, Frankfurt sei städtebaulich ein Modell für die Zukunft. Warum?

          Frankfurt ist eine Stadt der kurzen Wege und damit ein Exportmodell für die Städte in der Dritten Welt. Wenn Sie um die Frankfurter Oper herum einen Kreis von einem Kilometer ziehen, finden Sie da alles: Kultur, Geschäfte, gehobene Wohnviertel, aber auch sozialen Wohnungsbau, die Universität, gute Restaurants und viel Grün. Frankfurt ist viel grüner, als man denkt - von den wundervollen Parks, dem botanischen Garten bis zu den Nidda-Auen. Frankfurt weist genau die richtige humane Dichte auf, die eine Stadt lebenswert macht.

          Sie loben Frankfurt für seine Kleinheit, aber kann die Stadt auf Dauer konkurrieren gegen die großen Metropolen?

          Frankfurt ist Teil einer hervorragend funktionierenden, polyzentrischen Region, zu der Darmstadt gehört, Wiesbaden und Offenbach. Das ist eine unglaubliche Kraft, die anderen Städten fehlt. Jede Stadt hier hat ihre eigenen Stärken, in der Kultur, in der Wirtschaft, im politischen Sektor und der Wissenschaft.

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