08.12.2009 · Elf der Wolkenkratzer in Dubai sind größer als jedes europäische Hochhaus. Nun kriselt es in der Region. Welch eine Hybris, rufen die Kritiker. Doch ein Professor der amerikanischen Universität Harvard sagt: Der Bau New Yorks ist nicht viel anders gewesen.
Von Patrick BernauJetzt werden sie "Zocker" geschimpft, Dubais Stadt- und Projektentwickler und vor allem Sultan Ahmed Bin Sulayem, dessen Staatsgesellschaft Dubai World kürzlich ihre Gläubiger um eine Stundung der Schulden bitten musste.
Bin Sulayem selbst sagte: "Wir entscheiden schnell und gehen die Risiken ein, die wir kennen." Aber offenbar unterschätzte er sie doch. Das höchste Haus der Erde sollte von Dubais Boden in den Himmel wachsen, bereits jetzt sind gleich elf der Wolkenkratzer im Emirat größer als jedes europäische Hochhaus.
Und riesige Palmeninseln im Meer sollten weiteren Wohnraum für Reiche schaffen. Das sei doch vorher klar gewesen, dass diese Hybris ein böses Ende nehmen muss, rufen die Kritiker.
„Großartige Städte wurden von großen Zockern gebaut“
Einer allerdings nimmt den Sultan in Schutz: Edward Glaeser, Professor an der Universität Harvard. Er ist einer der angesehensten Wirtschaftsgeographen der Welt. "Großartige Städte wurden schon seit langem von großen Zockern gebaut", schreibt Glaeser in einem Blogeintrag im Internet. Was der Emir gemacht habe, seien nur ganz normale Schritte auf dem Weg zu einer Metropole von Weltrang gewesen.
Schon in New York ging es ähnlich zu. Viele Wolkenkratzer dieser Stadt entstanden in einer Zeit des irrationalen Überschwangs: Fünf der zehn höchsten Gebäude New Yorks wurden in den 20er Jahren geplant und mitten in der Weltwirtschaftskrise der 30er fertiggestellt: das Chrysler Building, das Rockefeller-Hochhaus und vor allem das Empire State Building.
„Empty State Building“ spöttelten die New Yorker
Vor allem Letzteres wurde zur falschen Zeit fertig - im April 1931, mitten in der Großen Depression. Bald wurde das Empire State Building im Volksmund "Empty State Building" genannt. Erst nach 20 Jahren wurde das Hochhaus profitabel.
Deshalb habe auch Dubai noch eine Chance, meint Glaeser. "Dubai kann eines Tages zum verbindenden Element zwischen dem Westen, dem Nahen Osten und Indien werden."
Zwar habe Dubai im Moment viel mehr Immobilien, als seine aktuelle Bedeutung rechtfertigen würde, darum bleibe der Ansturm erst einmal aus. Aber: "Selbst wenn die Immobilienpreise in Dubai weiter sinken, bleibt der Anreiz groß, die Häuser zu füllen. Wenn sie genutzt werden, wird Dubai überleben - und mit ihm der Traum des Scheichs von einer großen Metropole."
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| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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