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Stadt der Zukunft Pannen und Verzögerungen in Masdar City

11.03.2010 ·  Masdar City soll die erste Stadt ohne Emissionen werden. Nun zahlt das Emirat Abu Dhabi den Preis für die Geburtsfehler der Stadt. In den Spitzenpositionen des Projektträgers ist mehr Bewegung als auf der Baustelle. Das Modell ist damit aber noch nicht am Ende.

Von Rainer Hermann, Abu Dhabi
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Das Projekt "Masdar City" - die Vision einer emissionsfreien Stadt in der arabischen Wüste - steckt in einer Krise. Dass Geld auch in einem ölreichen Emirat wie Abu Dhabi nicht grenzenlos zu Verfügung steht, erklärt den Rückschlag nur zum Teil. Im vergangenen Jahr hatte Abu Dhabi an das in Schwierigkeiten geratene Nachbaremirat Dubai noch 26 Milliarden Dollar überwiesen - Geld, das nun nicht mehr ausgegeben werden kann. Lehrgeld zahlt Abu Dhabi aber eher dafür, dass es sich zu ambitionierte Ziele gesteckt hat und nun vor der Wahl steht, Verzögerungen in Kauf zu nehmen oder die Messlatte zu senken.

Als "völlig falsch" dementierte ein Sprecher des Projektträgers Berichte, dass sich das Unternehmen Masdar und das Projekt Masdar City in finanziellen Schwierigkeiten befänden. Das Investitionsvolumen von 22 Milliarden Dollar für die Stadt mit den 50.000 Einwohnern habe sich nicht verändert; es solle aber über sieben Phasen ausgegeben werden. Im Januar hatte Masdar bekanntgegeben, dass Masdar City erst 2020 fertiggestellt werde und nicht, wie zunächst geplant, schon im Jahr 2016. Denn der Masterplan aus dem Jahr 2006 werde gerade überarbeitet; neue Technologien sollen berücksichtigt werden.

Zwei Direktoren gegangen

Für Aufsehen hatte Anfang dieser Woche die Meldung gesorgt, dass zwei Direktoren Masdar verlassen haben. Ihr Abgang sei seit fünf Monaten vorbereitet worden, heißt es von Masdar. So werde Khaled Awad als Chef der Immobilienentwicklung von Masdar durch den Australier Alan Frost ersetzt, der für diese Aufgabe bereits im Oktober 2009 zu Masdar gekommen sei. Auch Ziad Tassabehji verlasse aus privaten Gründen das Unternehmen und werde an der Spitze von Masdar Energie durch den Niederländer Frank Wouters abgelöst, der davor Geschäftsführer der Ecoconcern GmbH in Köln war.

In den Spitzenpositionen ist mehr Bewegung als auf der Baustelle. Im Mai 2009 hatten die Bauarbeiten am Fundament des Hauptquartiers von Masdar begonnen. Zu Beginn des akademischen Jahres 2010/11 soll das Masdar Institute, die Technische Hochschule, bezugsfertig sein. Davon abgesehen hat es auf dem weitläufigen Gelände in der Nähe des Flughafens seit dem Sommer kaum Baufortschritte gegeben. Vor einem halben Jahr haben Bauunternehmen Angebote für den Bau von Büroräumen und Wohnungen abgegeben. Die Aufträge wurden noch immer nicht vergeben. In Kürze folgten neue Ausschreibungen, heißt es bei Masdar. Das Projekt stehe zwar nicht still, befinde sich aber in der Schwebe, kommentieren Unternehmen aus dem Umfeld von Masdar.

Bis endlich die gewünschte Studie kam

Dass es knirscht, hatten viele Unternehmen spätestens Ende 2009 bemerkt, als sie aufgefordert wurden, sich für die noch nicht gebauten Büroräume in Masdar City anzumelden. Offenbar musste Masdar den Nachweis erbringen, dass sich das Projekt kommerziell lohnt. Erinnerungen an die Entstehungszeit von Masdar wurden wach, als Masdar so lange Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben hatte, bis endlich ein Beratungsbüro die gewünschte Studie lieferte und nachwies, dass bereits das Projekt einer emissionsfreien Stadt Gewinn generieren werde.

Die Initiatoren des Projekts wollten nicht warten, bis sie die in Masdar City entwickelten Pioniertechnologien mit Gewinn verkaufen konnten. Bereits Masdar City sollte ein Geschäft sein, was es angesichts der milliardenschweren Vorleistungen aber nicht werden kann. Eine Folge war, dass sich der Projektträger weigerte, die 120 Experten einzustellen, die nach Ansicht der Autoren des Masterplans nötig gewesen wären, um das Projekt Masdar City in Gang zu bringen. Ein Teil der Verzögerungen erklärt sich daraus. Die Projektmanager mussten schließlich mit der Hälfte des Personals beginnen. Um die Verzögerungen aufzuholen, durften sie vorübergehend wieder mehr einstellen, was dann aber auf heftige Kritik stieß, so dass die Zahl rasch wieder halbiert wurde.

Für mehr Aufregung als der Abgang von Awad und Tassabehji hatte die Besetzung von Stellen durch Staatsbürger der Vereinigten Arabischen Emirate Anfang 2009 gesorgt. Der Vorstandsvorsitzende von Masdar, Sultan al Jaber, erklärte, ein Ziel des Projekts sei, die einheimische Bevölkerung und die lokalen Unternehmen zu beschäftigen. Sie seien gegenüber ausländischen Fachkräften und Unternehmen zu bevorzugen.

Pannen haben zu Verzögerungen geführt. Abu Dhabi hat aber auch reichlich politisches Kapital investiert. Nicht zuletzt wegen Masdar City hatte es den Zuschlag für das Hauptquartier der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (Irena) bekommen und sich gegen Bonn durchgesetzt. Zum Stillstand wird das Prestigeprojekt Masdar City daher nicht kommen.

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