19.07.2010 · Das Beispiel Ungarn steht für den typischen Fall, dass nach einem Machtwechsel die Neigung der neuen Regierenden zunimmt, sich vom Sparkurs der Vorgänger zu distanzieren. Es ist wichtig, dass IWF und EU einen solchen Kurs nicht tolerieren.
Von Gerald BraunbergerHohe Staatsschulden und Wettbewerbsschwäche entstehen in einem Land nicht über Nacht. Sie sind in der Regel das Ergebnis eines jahrelangen oder gar jahrzehntelangen Fehlverhaltens. Die Sanierung eines herabgewirtschafteten Landes kann daher nicht über Nacht geschehen, sondern erfordert einen langen Atem von der Bevölkerung, der Politik und den Kreditgebern.
Das Beispiel Ungarn steht für den typischen Fall, dass nach einem Machtwechsel die Neigung der neuen Regierenden zunimmt, sich vom Sparkurs der Vorgänger zu distanzieren. Es ist wichtig, dass der Internationale Währungsfonds und die Europäische Union einen solchen Kurs weder tolerieren noch gar unterstützen. Eine harte Haltung ist auch wichtig für die Sanierung der südeuropäischen Volkswirtschaften.
Besonders Griechenland, aber auch andere Südländer haben Schritte eingeleitet, um den Zustand ihrer Staatsfinanzen zu verbessern. Diese Politik darf nicht vorzeitig abgebrochen werden. Es kann sogar sein, dass sie in dem einen oder anderen Land verschärft werden muss. Tröstlich ist, dass die jüngere Wirtschaftsgeschichte nicht nur Fehlschläge kennt, sondern auch gelungene Sanierungen.
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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