28.05.2010 · Früher oder später werden die Schuldenberge dazu führen, dass die Bildungsausgaben unter die Lupe genommen werden. Welche Ausgaben heben das Bildungsniveau wirklich? In der Schule zu sparen ist schwer, bleibt die Hochschule.
Von Lisa BeckerFür die Vorteile besserer Bildung muss man nicht groß werben. Studien belegen, dass Bildung nicht nur berufliche, sondern auch private Zufriedenheit fördert. Außerdem steigt mit dem Bildungsniveau eines Landes der wirtschaftliche Wohlstand. Gleichzeitig wissen die Deutschen seit „Pisa“, dass ihr Bildungsniveau, verglichen mit anderen Industrieländern, nur mittelmäßig ist. Auch zeigen die Statistiken, dass hierzulande weniger für Bildung ausgegeben wird als im Durchschnitt der OECD-Länder. All dies lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Der deutsche Staat muss mehr für Bildung ausgeben.
Dass sich viele Bürger dieser Forderung anschließen, zeigt der Protest gegen die Aussage des scheidenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, der Bildungsbereich dürfe vom Sparen nicht ausgenommen werden. Und doch werden die immens hohen Schuldenberge dazu führen, dass auch die Bildungsausgaben unter die Lupe genommen werden. Darin kann eine Chance liegen, wenn eine Debatte darüber angestoßen würde, welche Ausgaben Bildung wirklich fördern und welche nicht.
Dass diese Diskussion bisher zu undifferenziert geführt wird, zeigt das Beispiel der frühkindlichen Bildung. Hier wird nicht genügend zwischen Familien-, Frauen- und Bildungspolitik unterschieden. Wenn der Staat Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren subventioniert, dann kann das die Erwerbstätigkeit von Eltern, meistens Frauen, fördern. Es könnte außerdem Menschen dazu bewegen, mehr Kinder zu bekommen. Außerdem kann es der Bildung kleiner Kinder dienen. Viele Menschen unterstützen diese sympathischen Ziele. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass Geld für staatliche Ausgaben nicht vom Himmel fällt, sondern an anderer Stelle fehlt, zum Beispiel für private Investitionen. Die öffentliche Investition muss sich deshalb richtig lohnen.
Hebt der Krippenbesuch das Bildungsniveau?
Doch muss die Allgemeinheit wirklich Eltern die Betreuung der Kleinsten finanzieren, wenn sie das für die kurze Zeit bis zum Kindergarten auch selbst könnten? Und werden mehr Krippenplätze die Geburten signifikant steigen lassen? Demographieforscher bezweifeln das. Bleibt die Frage, ob der Krippenbesuch das Bildungsniveau hebt. Immer wieder ist zu hören, dass Bildungseffekte umso größer sind, je früher Bildung beginnt. Der Nobelpreisträger James Heckman wird gerne mit dieser Aussage zitiert. Doch wird dabei meistens eines übersehen: Dieser Effekt gilt nur für Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern; dann ist er allerdings sehr stark. Für Kinder aus bildungsnahen Mittelschichtfamilien ist bisher keine Wirkung nachgewiesen worden. Deshalb fordert auch Heckman, dass die Mittelschicht für die vorschulische Bildung zahlen soll. Mit kostenfreien Kindergartenjahren beschreitet die Politik freilich den entgegengesetzten Weg.
Für die frühe Förderung von Kindern aus sozial schwachen Familien reicht Geld alleine allerdings nicht. Untersuchungen zeigen, dass es für ihren Bildungserfolg unerlässlich ist, dass die Einrichtungen mit den Eltern in engen Kontakt kommen und diese dazu bewegen, sich für die Bildung ihrer Kinder einzusetzen.
Sparmöglichkeiten im Schulbereich sind gering
Wird die frühe Förderung versäumt, dann wird es im Laufe der Jahre immer schwerer, sozial schwache Kinder auf den Pfad guter Bildung zu bringen. Es wird geschätzt, dass rund ein Fünftel der jungen Menschen für den Arbeitsmarkt nicht brauchbar ist – eine menschliche Katastrophe und eine große Belastung für die Sozialkassen. Doch selbst in der Hauptschule kann lernunwilligen Schülern noch ein Ausweg gewiesen werden. Das ist wiederum weniger eine Frage des Geldes, sondern des pädagogischen Konzeptes. So zeigen erfolgreiche Hauptschulen, dass man den Berufs- und Ausbildungswunsch wecken kann. Das gelingt, indem die Schüler regelmäßig, möglichst wöchentlich, Praktika absolvieren oder indem sie auch in der Berufsschule lernen.
Insgesamt sind die Sparmöglichkeiten im Schulbereich aber gering. Ganz im Gegenteil: Eine bessere Betreuungsrelation von Lehrern und Schülern scheint geboten. Das könnte jedoch an der Lehrerknappheit scheitern. Zumindest könnte man aber motiviertere junge Leute für den Schuldienst gewinnen, wenn nicht mehr nach Dienstjahren, sondern nach Leistung bezahlt würde; die gesamte Vergütungssumme stiege dadurch nicht.
Ein Studium ist eine private Investition
Den Hochschulen könnte man finanziell sogar etwas Luft verschaffen, ohne dass dies auf Kosten der Bildung ginge. Dazu müsste sich endlich die Erkenntnis durchsetzen, dass ein Studium eine private Investition ist und Gebühren gerechtfertigt sind.
Eigentlich wollten Bund und Länder im Juni verbindlich beschließen, die Ausgaben für Bildung und Forschung auf zehn Prozent des Bruttosozialprodukts zu erhöhen; mit Blick auf ihre überstrapazierten Etats bremsen die Länder nun. Sie müssen neu gewichten, was Vorrang hat. Wenn dies dazu führt, dass öffentliches Geld stärker als bisher dort ausgegeben wird, wo wirklich etwas für Bildung gewonnen wird, hätte sich die Debatte gelohnt.
Frau Becker - Einspruch wegen Widerspruch...
Udo Austermann (Waage69)
- 27.05.2010, 20:54 Uhr
Ein Student investiert doch schon
Marc Bärenz (kharos)
- 28.05.2010, 03:01 Uhr
@Udo Austermann (Waage69)
Andreas Neubert (Citizen_Kane)
- 28.05.2010, 13:58 Uhr
Dann könnten wir ja vielleicht auch
Wolfgang Müller (muellerw2)
- 28.05.2010, 14:52 Uhr
Teure Samenkörner der Bildung in der Wüste verstreuen
norbert doerre (ndoerre)
- 28.05.2010, 15:47 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,29 $ | −0,52% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?