20.01.2009 · In der Währungsunion laufen die Risikoprämien auseinander. Spanien oder Griechenland müssen für ihre Anleihen immer mehr zahlen. Bisweilen wird gar spekuliert, ob die Währungsunion darüber zerbrechen könnte.
Von Benedikt FehrDie neuerliche Verschärfung der Finanz- und Wirtschaftskrise lässt die Anleger vorsichtiger agieren. Als Folge haben sich die Risikoprämien für die Staatsanleihen einiger Euro-Länder seit Jahresbeginn drastisch erhöht. Verschiedentlich machen sich daran Spekulationen fest, dass die Währungsunion darüber zerbrechen könnte. Die meisten Fachleute halten diese Überlegungen aber für unsinnig. Ein langfristiger Zinsvergleich zeigt, dass selbst für Länder wie Griechenland, Irland und Italien die Zehnjahresrenditen weiterhin deutlich niedriger sind als vor der Währungsunion.
Die erhöhte Risikosensibilität der Anleger bekam am Dienstag der griechische Staat bei der Emission einer neuen fünfjährigen Anleihe zu spüren. In ersten Marktreaktionen zeichne sich ab, dass dieses Papier mit einer Risikoprämie von ungefähr 325 Basispunkten über einer Bundesanleihe mit gleicher Laufzeit ausgestattet werden müsse, berichtete David Schnautz, ein Anleihefachmann der Commerzbank. Die Risikoprämie, die zuletzt ohnehin stark gestiegen war, habe sich damit um weitere 30 bis 40 Basispunkte erhöht. Ähnlich sind auch die Risikoprämien für Euro-Länder wie Irland, Italien und Spanien zuletzt nach oben geschnellt (siehe Grafik).
Der Finanzierungsbedarf ist drastisch erhöht
Dahinter steht zweierlei: Zum einen bevorzugen die Anleger derzeit Anleihen, die besonders liquide sind, bei denen also große Positionen rasch angelegt und wieder verkauft werden können, ohne dass dies größere Kursbewegungen auslöst. Das sei bei den Papieren des deutschen Staates der Fall, weshalb diese bevorzugt würden und dem Markt als Richtschnur dienten, erläutert Schnautz.
Vor allem aber erhöhen sich die Risikoprämien für einige Euro-Länder, weil die Krise den Finanzierungsbedarf vieler Staaten drastisch erhöht hat. Das nähre Sorgen über die Fähigkeit dieser Länder, sich zu finanzieren, sagt Christoph Rieger von Dresdner Kleinwort. Manche Anleger befürchten sogar, dass es künftig einmal zu Zahlungsausfällen kommen könnte - und halten sich deshalb mit Käufen zurück. Die verringerte Nachfrage lässt die Kurse dieser Anleihen sinken und ihre Renditen steigen.
Die Sorgen der Anleger werden auch von den Ratingagenturen geteilt. So hat Standard & Poor's (S & P) die Kreditwürdigkeit Spaniens am Montag von der Höchstnote „AAA“ um eine Stufe auf „AA+“ heruntergesetzt; auch diese Note, vergibt die Agentur nur, wenn sie die Ausfallwahrscheinlichkeit als sehr gering einschätzt. In der vorigen Woche war bereits die Bonität Griechenlands von „A“ auf „A-“ gesenkt worden. Auch die Bonitätsnoten von Irland und Portugal werden von den Agenturen auf Herabstufung überprüft. Viele Anleger seien der Ansicht, dass unter allen Euro-Ländern der deutsche Staat noch der sicherste Schuldner sein dürfte, sagt Schnautz; auch deshalb würden Bundesanleihen bevorzugt.
Anleger erwerben eher Papiere mit kürzerer Restlaufzeit
Die starke Nachfrage nach Bundesanleihen hat deren Kurse so stark nach oben getrieben, dass die Rendite des Zehnjahrespapiers unlängst auf einen historischen Tiefstand von 2,89 Prozent gefallen ist. Dem steht der Anstieg der Risikoaufschläge gegenüber: In der Addition sind die Zinsen für Länder wie Griechenland, Italien und Irland zuletzt zwar gestiegen. Doch liegen sie weiterhin deutlich unter dem Niveau vor Beginn der Währungsunion. Angesichts der erhöhten Risikoprämien gingen viele Staaten dazu über, sich verstärkt durch Ausgabe von Papieren mit drei-, sechs- oder zwölfmonatiger Laufzeit zu finanzieren, berichtet Schnautz; wegen der geringeren Laufzeit seien Anleger eher bereit, solche Papiere zu erwerben.
Spekulationen über das Ausscheiden einzelner Euro-Länder aus der Währungsunion halten die meisten Fachleute für abwegig. Die politischen und volkswirtschaftlichen Kosten seien prohibitiv, heißt es in einschlägigen Studien. Schon eher denkbar sei, dass ein Euro-Land, das sich nicht mehr über den Markt finanzieren könne, Hilfe von außerhalb erhalte, zum Beispiel vom Internationalen Währungsfonds (IWF), meint Rieger. Hintergrund ist, dass nach den Regeln des Maastricht-Vertrags Mitglieder der Währungsunion einander nicht helfen dürfen. Diese Vorschrift wurde eingeführt, damit nicht einzelne Länder die Budgetdisziplin schleifen lassen. Mark Wall, ein Volkswirt der Deutschen Bank, hält auch eine gemeinsame Hilfsaktion von IWF und EU für möglich.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |