15.03.2002 · Viele Menschen reden mit ihrem Computer. Inzwischen ist die Technik auch so weit, dass die Maschine gesprochene Sätze verstehen und sogar sinnvoll beantworten kann.
Von Tobias Steininger, HannoverMobile Dienste per Handy - E-Mails, Nachrichten, Routenplaner und so weiter - sind Thema Nummer Eins auf der Cebit. Dennoch ersetzt kein noch so großes Handy-Display das gesprochene Wort: Viele Menschen rufen lieber die teure Service-Nummer einer Telefonauskunft an, anstatt per PC, PDA oder Wap-Handy im Internet nach dem Eintrag zu suchen.
Dies erschließt ein enorm großes Anwendungsgebiet für den so genannten „Voice Commerce“: das Geschäft mit dem freundlichen Fräulein im Computer. Auf der Cebit präsentiert die Firma Clarity das angeblich „menschlichste Computer-Sprachdialogsystem der Welt“. Am Telefon spricht beispielsweise die Stimme von Verona Feldbusch und geht auf die Fragen des Anrufers mehr oder weniger sinnvoll ein - vom Original fast nicht zu unterscheiden, behauptet Clarity.
Früher waren Sprachdialogsysteme auf eine starre Menüstruktur und wenige Steuerkommandos wie „Ja“ und „Nein“ beschränkt. Seit Mitte der Neunziger hat sich daher die Steuerung mit DTMF-Tonwahl durchgesetzt („Drücken Sie jetzt die Eins, wenn Sie...“).
Freundlich und immer erreichbar
Inzwischen können die nahezu in Vergessenheit geratenen Dialogsysteme aber sogar unabhängig vom Sprecher dessen Worte verstehen und den Satzinhalt analysieren - damit versteht der Computer inzwischen selbst Sätze wie „Ich möchte gerne Pizza Nummer 14 mit extra Käse und ohne Paprika“. Zudem ist der Computer stets freundlich, nuschelt nicht und ist 24 Stunden am Tag erreichbar.
Job-Killer Spracherkennungssoftware
„Diese Systeme werden vor allem dort eingesetzt, wo es sich um dynamischen Content handelt, zum Beispiel zum Abruf von Börsenkursen“, so Christoph Pfeiffer, der Clarity-Vorstandsvorsitzende auf der Cebit. Dennoch müssen Call-Center-Mitarbeiter noch nicht um ihre Jobs fürchten; die absolute Anzahl an Arbeitsplätzen werde steigen, so Pfeiffer weiter, denn der Boom beim Voice Commerce schaffe auch viele neue Stellen. „Dadurch, dass zahlreiche neue Dienste ins Leben gerufen werden, benötigt man auch menschliche Mitarbeiter, die die Fragen beantworten können, welche für den Computer zu komplex sind.“ Clarity erwartet alleine in diesem Jahr die Installation von 13.000 neuen Sprachdialogsystemen in Deutschland - und damit auch viele neue Arbeitsplätze.
Telefonauskunft und Pizza-Lieferdienst
Nicht nur die Spracheingabe, auch die Sprachausgabe ist inzwischen fast auf menschlichem Niveau. Nachdem die gesprochenen Wörter von Hand in die einzelnen Phoneme zerlegt wurden, setzt der Computer aus diesen kleinsten Laut-Einheiten wieder beliebige neue Wörter zusammen. Schon kann beispielsweise Verona Feldbusch am Telefon durch das Warensortiment eines Kaufhauses führen und individuell auf den Anrufer eingehen.
Wahrscheinlich wird Voice Commerce, oder genauer gesagt die zugrunde liegende Spracherkennung und -synthese, der Trend einer der kommenden Cebits. Nämlich dann, wenn die Technik so weit ausgereift und auch die Endgeräte so leistungsstark sind, dass man dem Handy oder PDA in normaler Sprache Befehle erteilen und Informationen abrufen kann. Wenn man zum Beispiel zum Organizer-Handy sagt, „ruf' mal den Geschäftskunden an, mit dem ich gestern Abend Essen war“ - und das Handy nach kurzer Rückfrage zu wählen beginnt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,29 $ | −0,52% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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