Internationale Sportartikelfirmen wie adidas und Nike nutzen Großereignisse wie die Fußball-WM gerne zur Präsentation. Dabei werden die Stars der Branche mit Millionen-Honoraren für Werbespots verpflichtet.
Ihre Profite machen die Konzerne jedoch zum Teil auf Kosten ihrer Beschäftigten in der dritten Welt. Deshalb kämpfen Organisationen wie die „Kampagne für Saubere Kleidung" (CCC), dahinter stehen 250 Organisationen in zehn Ländern, für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der weltweiten Sportswear-Industrie.
Erzwungene Überstunden
Sonia Lara Campos, eine Arbeiterin aus El Salvador, schildert die Bedingungen so: Die Lungen junger Arbeiterinnen werden innerhalb von drei Jahren durch das Einatmen von Flusen ruiniert. Sie selbst habe als Näherin monatelang ihr Kind nicht sehen können, weil sie zu Überstunden gezwungen wurde, 16 Stunden Arbeit pro Tag waren keine Seltenheit.
Die indonesische Näherin Ngadinah Bintu Abu Mawardi war im vergangenen Jahr wegen gewerkschaftlicher Arbeit für 24 Tage inhaftiert worden. Sie kritisierte weiterhin Feiertagsarbeit, den Mangel an Sicherheitshinweisen und Handgreiflichkeiten durch Vorgesetzte.
„Kampagne für Saubere Kleidung"
Bisher haben sich für das Gros der Sportswear-Arbeiterinnen in den Ländern des Südens und Ostens die Arbeitsbedingungen nicht wesentlich gebessert. Änderungen gab es nur in Einzelfällen, aber nur weil sich aktiver Widerstand vor Ort mit internationaler Unterstützung bildete.
Als wichtiges Mittel zur Bekämpfung dieser Missstände bezeichnet Maik Pflaum, Sprecher der „Kampagne für Saubere Kleidung", aufklärende Öffentlichkeitsarbeit. Wenn Konzerne wie beispielsweise adidas etwa 700 Millionen Euro jährlich für Werbung ausgeben, fürchten sie nichts mehr als negative Publicity.
Lässt die Debatte nach, lassen die Nachbesserungen nach
„Jetzt kommt da plötzlich eine Kampagne und sagt. Bei euch ist nicht alles Gold was glänzt, lasst uns die Medaille herumdrehen und nachschauen, wie sind denn die Arbeitsbedingungen“, sagt Pflaum: „Diese Unternehmen verkaufen sich nur über das Image und das haben wir schon angekratzt und wir können das noch stärker ankratzen."
Ähnlich sieht es auch Klaus Werner, Autor des Bestsellers „Schwarzbuch Markenfirmen", in dem die Machenschaften der Weltkonzerne angeprangert werden. „Durch die dauernde Debatte gibt es ein dauerndes Nachbessern in den Konzernen. Das Problem ist nur, sobald die Debatte nachlässt, lassen auch die Nachbesserungen nach."
Acht Kontrolleure für 150 Betriebe
Werner nennt aber auch ein konkretes Beispiel für erfolgreiche Arbeit. Der Schweizer Konzern Migros arbeite aufgrund von viertausend e-mails, die von wütenden Konsumenten geschrieben worden sind, jetzt mit der „Kampagne für Saubere Kleidung" zusammen, um nachhaltige Verbesserungen zu erreichen.
Die großen Konzerne adidas und Nike wollen keine unabhängige Kontrollen durchführen lassen. Dagegen kündigte Reiner Hengstmann, Leiter Umwelt und Soziales bei Puma, an, ein Pilotprojekt zum unabhängigen Monitoring mit der Kampagne noch in diesem Jahr zu verabreden. Bislang sind für 150 Puma-Zulieferer weltweit lediglich acht Kontrolleure eingesetzt.
Eigener Verhaltenskodex bei adidas
Adidas arbeitet mit anderen Unternehmen, so auch mit der US-Organisation FLA zusammen. Dieser wirft man aber seitens der CCC vor, den Kodex mit den geringsten Anforderungen zu haben. Frank Henke, adidas-Chef der europäischen Abteilung für Soziales und Umwelt, glaubt jedoch, seine Firma tue genug. „Das Unternehmen hat sich 1998 einen Verhaltenskodex auferlegt. In dem sind die wesentlichen Beschäftigungsstandards und Standards zur Arbeitssicherheit, zum Gesundheitsschutz und zum Umweltschutz festgeschrieben. Sie orientieren sich an einschlägigen Konventionen der International Labour Organisation."
Adidas habe aber nicht nur einen Kodex entwickelt, sondern daraufhin auch ein weltweites Team von 30 Experten zusammengestellt. Die überwachen die unabhängigen Zulieferbetriebe des Unternehmen vor Ort.