03.08.2005 · Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas-Salomon will den Konkurrenten Reebok übernehmen und so seine Position auf dem amerikanischen Markt stärken. Der Preis betrage rund 3,1 Milliarden Euro.
Der Sportartikelhersteller Adidas-Salomon kauft den amerikanischen Konkurrenten Reebok. Damit verstärkt Adidas auf einen Schlag die Position amerikanischen Markt und rückt näher zum Weltmarktführer Nike auf. Eine solche Chance gibt es nur einmal im Leben“, sagte Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer am Mittwoch bei der Vorstellung seines Milliardengeschäfts, bei dem kein größerer Stellenabbau geplant ist. Adidas solle auf in Amerika schneller als bisher wachsen, kündigte Hainer an. „Unser Ehrgeiz war es schon immer, zu expandieren“, sagte er. Zwar habe Adidas schon heute eine gute Position in den Vereinigten Staaten. „Durch die Übernahme wird sich unser US-Umsatz jedoch auf 3,1 Milliarden Euro mehr als verdoppeln“, prognostizierte Hainer.
Den Kaufpreis gab der deutsche Konzern am Mittwoch mit 3,1 Milliarden Euro an. Adidas erwirbt alle ausstehenden Reebok-Aktien für 59 Dollar je Anteil in bar. Dies bedeutet einen Aufschlag von 34,2 Prozent auf den Schlußkurs vom Dienstag. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aktionäre von Reebok sowie der Freigabe durch die Kartellbehörden. Sie soll im ersten Halbjahr 2006 abgeschlossen werden. Die Börse reagiert erst zurückhaltend, dann begeistert auf die Adidas-Offerte: Gebot für Reebok schickt Adidas-Aktie auf Berg- und Talfahrt. Der Vorstandsvorsitzende von Reebok, Paul Fireman, werde das Unternehmen weiter leiten. Auch die Unternehmenszentrale von Reebok in Canton, Massachusetts, soll nicht mit der Amerika-Zentrale von Adidas in Portland, Oregon, zusammengelegt werden.
Die größte Übernahme seit Salomon
Für Adidas ist es die größte Übernahme, seit das Unternehmen 1998 Salomon kaufte. Mit der Akquisition von Reebok kommt Adidas auf 28 Prozent vom weltweiten Sportschuhmarkt, der ein Volumen von 11,5 Milliarden Dollar hat. Außerdem holt Adidas gegenüber Nike auf, die einen Marktanteil von 31 Prozent hat. Nicht zu verachten ist auch das Bekleidungsgeschäft von Reebok, das Lizenzen zur Ausstattung der National Football League und der National Basketball Association in Amerika umfaßt. Bei Adidas war der Umsatz in Nordamerika in den letzten 24 Monaten um durchschnittlich 23 Prozent gesunken.
Adidas wird außerdem eine bessere Verhandlungsposition und mehr Regalplatz bei Einzelhändlern wie Foot Locker Inc. erhalten, erwartet John Horan, Herausgeber des Branchenbriefs Sporting Goods Intelligence in Glen Mills. Des weiteren wird der für seine drei Streifen bekannte Sportartikelhersteller den Vorsprung gegenüber Puma ausbauen, die ebenfalls in Herzogenaurach ansässig ist.
Aktienkurs dreht deutlich nach oben
Der Aktienkurs von Adidas kletterte sieben Prozent auf 158,06 Euro. Reebok schnellten in Deutschland 34,8 Prozent auf 47,70 Euro hoch. Merrill Lnych hatte bei der Transaktion Adidas-Salomon beraten, CSFB stand Reebok zur Seite, ist in der Erklärung zu lesen. Die Übernahme soll im ersten Halbjahr 2006 perfekt sein.
Zum Börsenstart erschieen Adidas-Aktien noch als größter Verlierer im Dax, mit einem Minus von vier Prozent. Nach Einschätzung von Jörg Frey, Analyst bei Sal. Oppenheim, ergibt die Reebok-Übernahme wenig Sinn. „Wir sind skeptisch, weil wir diesen Schritt vor allem von der regionalen Ergänzung in den USA getrieben sehen und ansonsten wenig Synergien erwarten“, sagte er. Commerzbank-Analyst Gavin Finlayson sagte, durch den Zusammenschluß werde Adidas zwar größer, laufe jedoch Gefahr, sich durch den Zusammenschluß mit Reebok in Amerika selbst Marktanteile wegzunehmen. Auch Fairesearch-Analyst Hans-Peter Wodniok hält die Transaktion für wenig sinnvoll. Adidas habe mit größeren Akquisitionen wie zuletzt Salomon bisher wenig Erfolg gehabt.
Im letzten Jahr hatte Adidas einen Marktanteil von 8,9 Prozent am 8,9 Milliarden Dollar schweren amerikanischen Großhandelsmarkt bei Sportschuhen, berichtet Sporting Goodds Intelligence. Reebok kam auf zwölf Prozent und Nike auf 36 Prozent. Adidas-Rebok kommen zusammen auf einen Umsatz von etwa 11,7 Milliarden Dollar, verglichen mit 13,7 Milliarden Dollar für Nike.
Wettbewerb mit Nike wird härter
Der Wettbewerb zwischen Adidas und Nike auf dem Fußballrasen wird auch vor der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland härter (siehe: Fußball: Adidas gegen Nike beim Confederations Cup). Im letzten Jahr verkaufte Adidas 6 Millionen Roteiro-Fußbälle und eine Million Paar Predator Pulse Schuhe. Im September sollen Artikel für die Fußballweltmeisterschaft, darunter ein Ball und Trikots, in die Läden kommen.
Während Adidas nationale Mannschaften in Deutschland, Frankreich, Argentinien und Griechenland sponsert, unterstützt Nike Portugal, den Halbfinalisten in der European Championship im letzten Jahr, und den fünfmaligen Weltmeister Brasilien.
Im zweiten Quartel hat Adidas die Analystenprognosen übertroffen. Der Konzerngewinn sei um 33 Prozent auf 94 Millionen Euro gesteigert worden, der Umsatz sei von April bis Juni um acht Prozent auf 1,516 Milliarden Euro gestiegen - angetrieben von der Nachfrage nach Produkten wie ClimaCool-Bekleidung, T-Mac Sneakers und Golfausrüstung von TaylorMade.
Reebok meldete im letzten Monat eine Gewinnsteigerung von 71 Prozent im zweiten Quartal, wozu auch die Erfolge in China und Indien beitrugen. Die Übernahme durch Adidas dürfte auch das Nachfolgeproblem bei Reebok lösen. Der 61jährige Gründer und Vorstandsvorsitzen e Paul Fireman will sich wohl zurückziehen.
Adidas-Salomon ist der größte Sportartikelproduzent in Europa. Das Unternehmen hatte im Mai bekannt gegeben, sich von seiner Wintersport-Sparte Salomon zu trennen (siehe: Adidas verkauft Salomon). Im kommenden Jahr soll das Unternehmen wieder in Adidas AG umbenannt werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,29 $ | −0,52% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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