30.06.2006 · Ein massiver Dopingskandal überschattet die Tour de France und bringt sämtliche Unternehmen im Umfeld des Profiradsports in Erklärungsnöte.
Ein massiver Dopingskandal überschattet die Tour de France und bringt sämtliche Unternehmen im Umfeld des Profiradsports in Erklärungsnöte. Denn wenn an diesem Samstag der Prolog in Straßburg beginnt, dann werden vor laufenden Kameras wieder die Namen der Sponsoren auf den Trikots der Fahrer für ein Millionenpublikum sichtbar sein. Und dieses Mal müssen die Deutsche Telekom, Würth, ARD & Co. einen immensen Imageschaden befürchten.
Marketingfachleute warnen schon vor Negativwerbung, die für alle Beteiligten zum Auftakt der 93. Frankreich-Rundfahrt nicht schlimmer hätte sein können. "Viele reden jetzt vom dreckigen, korrupten Radsport", sagt Dirk Kall, Partner der Unternehmensberatung BBDO Consulting. "Im Moment kann man jedem Sponsor nur raten, die Liaison mit dieser Sportart zu beenden."
So viele deutsche Top-Sponsoren wie nie zuvor
Das ist den betroffenen Unternehmen bislang noch nicht in den Sinn gekommen. Trotz Dopingskandalen engagieren sich bei der Tour de France mit T-Mobile, Gerolsteiner, Würth und erstmals auch Milram so viele deutsche Top-Sponsoren als Namensgeber einer Mannschaft wie nie zuvor. Nach der Suspendierung von Tour-Favorit Jan Ullrich besonders im Blickpunkt: das Team T-Mobile.
Bei der Telekom-Tochtergesellschaft bemüht man sich um Schadensbegrenzung. "Als Zweifel an den Unschuldsbeteuerungen aufkamen, hatten wir keine andere Wahl, als so zu reagieren", begründet Konzernsprecher Philipp Schindera Ullrichs Suspendierung. Er macht keinen Hehl daraus, daß die Affäre am Image des Unternehmens kratzt. Solche Risiken müsse man aber beim Sportsponsoring in Kauf nehmen. Dafür habe man jahrelang von Ullrichs Medienpräsenz profitiert. "Im Moment sehen wir keine Veranlassung, vom Radsport abzurücken. Aber nach der Tour werden wir im nötigen Abstand die Situation analysieren." Die Betonung liegt auf "im Moment". Der Sponsoringvertrag - angeblich 12 Millionen Euro im Jahr - endet 2008.
Ausstiegsklauseln für Sponsoren mittlerweile üblich
Unter massivem Dopingverdacht steht der spanische Rennstall Astana-Würth, bei dem das Künzelsauer Handelsunternehmen Co-Sponsor ist. Der Vertrag läuft zum Jahresende aus. Würth-Marketingleiter Dieter Münch hält an der Unschuldsvermutung fest, sagt aber auch: "Hätten wir vor dem Einstieg in das Sponsoring des Radsports die heutige Entwicklung voraussehen können, wären wir wahrscheinlich nie in diese Sportart als Sponsor eingestiegen." Erst im Fall eines Startverbots für das Astana-Würth-Team würde das Unternehmen sofort aussteigen; ein Schritt, den der spanische Versicherer und vorige Namenssponsor Liberty Seguros sofort nach Bekanntwerden der Dopingermittlungen im Mai vollzogen hat.
Mittlerweile lassen sich alle Sponsoren entsprechende Ausstiegsklauseln für Dopingvergehen in ihre Verträge mit Radsportteams einarbeiten. Das Astana-Würth-Team, für das der Kasache Alexander Vinokourov fährt, war von den Tour-Organisatoren zunächst ausgeschlossen worden, hat aber vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS seine Teilnahme erstritten.
ARD und Eurosport, die das Spektakel in den nächsten Wochen übertragen, ziehen vorerst keine Konsequenzen. Die ARD muß als Mediapartner des T-Mobile-Teams ebenfalls damit rechnen, daß ihr Name beschädigt wird.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,29 $ | −0,52% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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