http://www.faz.net/-gqe-7axhb

Spionage-Skandal : Handeln statt Lauschen

Das Freihandelsabkommen sollte nicht abgeblasen werden wegen der Abhöraktion der Amerikaner. Vielmehr wissen die Europäer nun, woran sie sind und können ihre Interessen klar vorantreiben.

          Auf dem beim Obama-Besuch verheißungsvoll ausgemalten baldigen Start der Verhandlungen über ein transatlantisches Freihandelsabkommen liegt nun ein Schatten. Wenn es stimmt, dass der amerikanische Geheimdienst NSA in dem von seinem einstigen Mitarbeiter Snowden behaupteten Umfang europäische Verbündete belauscht hat, fördert dies nicht die vertrauensvolle Zusammenarbeit.

          Ins Positive gewendet, bedeutet es aber auch: Beide Seiten wissen jetzt, woran sie miteinander sind. Den bisweilen blauäugigen Europäern sollte diese Lektion helfen, das Handelsabkommen nüchtern und mit klarem Blick auf ihre Interessen voranzutreiben. Einen Grund, die Verhandlungen aufzuschieben, gibt es nicht.

          Auch sollte der Versuch unterbleiben, Erkenntnisse über die Spionagetätigkeiten als Druckmittel einfließen zu lassen. Das überfrachtet die schwierige Materie und garantiert ein Scheitern. Ein Handelsabkommen ist ein Handelsabkommen. Je schneller und umfassender es darüber gelingt, Märkte zu öffnen, desto besser für den wechselseitigen Wohlstand. Freie Märkte fördern zugleich Transparenz und Demokratie, tendenziell wirken sie also staatlicher Geheimniskrämerei entgegen.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Algen als kulinarische Neuheit Video-Seite öffnen

          Mit dem Meer die Welt ernähren : Algen als kulinarische Neuheit

          Algen stehen in vielen Kulturen schon lange auf dem Speiseplan, obwohl sie den Europäern in dieser Hinsicht noch neu sind, könnten sie in naher Zukunft eine immer größere Rolle spielen, wenn es darum geht die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.

          Topmeldungen

          Gute Arbeitsatmosphäre war gestern:  Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg (rechts) neben seinem Innenminister Thomas Strobl (CDU) im Stuttgarter Plenarsaal.

          Grün-Schwarz im Ländle : Verwelkte Anziehungskraft

          Wenn die Grünen der Juniorpartner einer führungsstarken CDU wären, wäre die Kompromissfindung einfacher. Woran liegt das? Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.