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Kommentar : Spekulation ist nützlich

70 Prozent Steuer für Spekulanten? Das findet der Siemens-Chef gut. Dabei hat die Spekulation einen eigenen Wert.

          Die lange Wunschliste aus der Wirtschaft an die nächste Regierung bereichert Siemens-Chef Joe Kaeser. Er regt an, Unternehmen nach ihrer „gesellschaftlichen Nützlichkeit“ zu besteuern. Die bemisst sich nach seiner Vorstellung an den Arbeitsplätzen. Siemens mit Hunderttausenden Beschäftigten käme gut weg als Nutzenlieferant und Steuerzahler, während der Staat dem „Spekulant mit 20 Angestellten“ aus Kaesers Sicht gerne prohibitive 70 Prozent Spitzensatz abknöpfen darf.

          Seine Worte sind bemerkenswert. Man würde annehmen, dass Kaeser den Wert der Spekulation kennt, die mit riskanten Wetten zur Informationsgewinnung in einer Marktwirtschaft beiträgt und helfen kann, Kapital und Ressourcen besser zu verwenden. Der gesellschaftliche Wert eines Unternehmens hängt auch nicht an der Zahl der Köpfe, er liegt im Erfindungsreichtum, im Hervorbringen von Produkten und Diensten, für die es eine Nachfrage gibt.

          Private Zahlungsbereitschaft ist ein objektives Indiz für die Nützlichkeit eines Unternehmen. Von der Innovations- und Ertragskraft des Wettbewerbs bliebe nicht viel, maßte der Staat sich an, über den Nutzen der Unternehmen zu urteilen und diesen ins Steuerkalkül zu ziehen.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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