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Widerspruchslösung : SPD begrüßt Spahn-Vorstoß zur Organspende

  • Aktualisiert am

SPD-Vize-Fraktionschef Karl Lauterbach Bild: dpa

Gesundheitsminister Spahn will die Widerspruchslösung bei der Organspende zum Normalfall machen. Die SPD reagiert erfreut – scharfe Kritik kommt hingegen von Theologen und Bischöfen.

          SPD-Vize-Fraktionschef Karl Lauterbach hat den Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für eine Widerspruchslösung bei der Organspende begrüßt. „Ich bin ein klarer Befürworter der Widerspruchslösung“, sagte Lauterbach der Rheinischen Post. Es sei eine Schande, dass zurzeit so viele Menschen unnötig litten, weil keine Organe für sie vorhanden seien. Die niedrige Zahl von Organspendern in Deutschland nannte der SPD-Politiker eine „medizinische Tragödie“.

          Spahn hatte der „Bild“-Zeitung gesagt, seiner Meinung nach sollte künftig jeder automatisch ein Spender sein, so lange er oder seine Angehörigen nicht ausdrücklich widersprechen. Nur mit der Widerspruchslösung könne die Organspende zum Normalfall werden. In Deutschland gilt bislang die sogenannte Entscheidungslösung, so dass eine Entnahme nur möglich ist, wenn eine Zustimmung vorliegt. Einen eigenen Gesetzentwurf werde er dazu allerdings nicht in den Bundestag einbringen, sagte Spahn: „Diese Diskussion sollten wir im Bundestag führen. Dort gehört das Thema hin.“

          Die Widerspruchslösung stelle zwar einen Eingriff des Staates in die Freiheit des Einzelnen dar, räumte Spahn ein. Doch seien alle bisherigen Versuche der Politik, die stark zurückgehende Zahl der Organspender wieder zu erhöhen, ohne Erfolg geblieben. „Deshalb brauchen wir eine breite gesellschaftliche Debatte über die Widerspruchslösung“, sagte Spahn.

          Was ist die Widerspruchslösung, was die erweiterte Entscheidungslösung? Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Organspende.

          Organabgabepflicht statt Organspende?

          Auch die Deutsche Krankenhaus-Gesellschaft, in der die Krankenhausträger in Deutschland organisiert sind, lobte seinen Vorstoß. „Ich persönlich befürworte die Widerspruchslösung, weil sie dazu führen wird, dass sich die Menschen frühzeitig gemeinsam mit ihren Angehörigen mit der Entscheidung für oder gegen die Organspende auseinandersetzen“, sagte ihr Präsident, Gerald Gaß. “Die heutige Situation, in der vielfach die Angehörigen mit dieser Frage erst konfrontiert werden, wenn der Patient unheilbar erkrankt oder bereits hirntot ist, ist für viele eine Überforderung.“ Das Problem könne nicht von den Krankenhäusern allein gelöst werden.

          Die Kanzlerin äußerte sich zurückhaltend zu dem Thema. Sie finde es richtig, dass eine solche Debatte im Bundestag geführt werde, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Daran werde sich Merkel mit Interesse beteiligen, fügte er hinzu, ohne Angaben zur Position der Kanzlerin zu machen. Er verwies darauf, dass Merkel mehrfach für Organspenden geworben und niedrige Zahlen beklagt habe.

          Scharfe Kritik äußerte hingegen der Vorsitzende des Deutschen Ehtikrats, Peter Dabrock. „Die bisherige Organspende trägt den Charakter von Freiwilligkeit und von wohltätiger Solidarität mit Schwerkranken“, sagte der evangelische Theologe. „Jetzt werden Verpflichtung und Abgabe in den Mittelpunkt gestellt. Eine solche Regelung machte den menschlichen Körper zu einem Objekt staatlicher Sozialpflichtigkeit.“ Es wäre ehrlich, dann von Organabgabepflicht statt von Organspende zu sprechen. Die bisher als selbstverständlich erachtete Integrität des Körpers würde in Frage gestellt.

          Kritik der Bischofskonferenz

          Ähnlich äußerte sich die Deutsche Bischofskonferenz. Eine Organspende sei ein Akt von hohem moralischen Wert und eine besondere Form des Zeugnisses der Nächstenliebe über den Tod hinaus, sagte ein Sprecher. Die bestehende Entscheidungslösung gewährleiste die Möglichkeit einer freien und informierten Entscheidung und respektiere das Selbstbestimmungsrecht.

          Der Sprecher betonte, die Bischöfe befürworteten Maßnahmen, um die Abläufe in der Transplantationsmedizin zu verbessern, etwa mit Blick auf mehr Kompetenzen für die Transplantationsbeauftragten und eine bessere Finanzierung für die beteiligten Krankenhäuser. „Eine Grundsatzdebatte über die Systemfrage einschließlich der Widerspruchslösung sollte dabei nicht an erster Stelle stehen“, sagte er. Zudem zeige der Blick auf andere Länder, dass alleine die Umstellung auf die Widerspruchslösung nicht dazu führe, dass mehr Organe für Transplantationen zur Verfügung stehen.

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