30.07.2010 · Österreich, die Niederlande und Deutschland mit der besten Entwicklung
svs. FRANKFURT, 30. Juli. Europas Arbeitsmärkte driften in der Krise auseinander. Zwar stagnierte im Juni insgesamt die Arbeitslosenquote im Euroraum mit rund 10 Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat am Freitag in Luxemburg bekanntgab. Doch verbergen sich hinter diesem Durchschnittswert höchst unterschiedliche Entwicklungen. Auf der einen Seite Länder wie Österreich, die Niederlande und Deutschland, die trotz des schwierigen konjunkturellen Umfeldes innerhalb eines Jahres die Erwerbslosigkeit verringerten. Auf der anderen Seite erlebten die baltischen Staaten nach dem Zusammenbruch der dortigen Immobilienmärkte die höchsten Anstiege. Und Spanien meldete mit einer Quote von 20,09 Prozent den höchsten Wert seit 13 Jahren - die Arbeitslosenquote der Jugend (bis 25 Jahre) liegt dort sogar über 40 Prozent.
Auffällig ist, dass es sich bei den Ländern mit einer günstigen Entwicklung um vergleichsweise stark regulierte Arbeitsmärkte handelt. Dort gibt es zudem "automatische Stabilisatoren" wie etwa umfassende Transferleistungen, die Konjunkturschwankungen abfedern, weil sie die private Kaufkraft stützen. In den Niederlanden ist der Kündigungsschutz noch stärker ausgebaut als in Deutschland, Österreich hat nach hiesigem Vorbild auf Kurzarbeit gesetzt. Am Donnerstag hatte die Bundesagentur für Arbeit bekanntgegeben, dass noch immer fast eine halbe Million Menschen Kurzarbeitergeld beziehen (F.A.Z. vom 30. Juli). Laut Eurostat sank die Erwerbslosenquote in Deutschland binnen Jahresfrist von 7,7 auf 7,0 Prozent. Dieser Wert unterscheidet sich etwas von der Quote der Arbeitsagentur, weil er nach einem international standardisierten Verfahren berechnet wird. Die deutsche Behörde zählt arbeitslose Leistungsbezieher. In beiden Statistiken gibt es aber dieselbe sinkende Tendenz.
Anders als in Deutschland und Österreich, wo die Unterbeschäftigung durch Instrumente wie Kurzarbeit oder Arbeitszeitkonten ohne große Entlassungen aufgefangen wurde, hat Dänemark eine rapiden Anstieg der Arbeitslosigkeit erlebt. Der Nachfrageeinbruch schlug sofort auf die Beschäftigungssituation durch. Dänemark hat vor einigen Jahren den Kündigungsschutz weitgehend abgeschafft, im Gegenzug jedoch eines der effektivsten Arbeitsvermittlungssysteme aufgebaut. Bis zum Ausbruch der Krise sank die Arbeitslosenquote auf rund 3 Prozent, das Land erreichte Vollbeschäftigung. Mittlerweile hat sich die Quote jedoch auf 6,6 Prozent mehr als verdoppelt.
Unter den großen Ländern in Europa steht Spanien mit Abstand am schlechtesten da. Wie die spanische Statistikbehörde bekanntgab, stieg die Zahl der Arbeitslosen im zweiten Quartal dieses Jahres um fast 33 000 auf 4,64 Millionen. Damit hat Spanien fast 1,5 Millionen mehr registrierte Arbeitslose als Deutschland - und das bei nur etwas mehr als halb so viel Einwohnern. Laut spanischen Medienberichten gab es aber auch eine positive Botschaft: Erstmals seit Ausbruch entstanden im Saldo mehr Arbeitsplätze, nämlich 83 000. Davon profitierte vor allem die einheimische Bevölkerung: Mehr als 90 Prozent wurden mit Spaniern besetzt, der Rest entfiel auf ausländische Gastarbeiter. Von den registrierten Arbeitsmigranten, viele von ihnen aus Lateinamerika oder Nordafrika, ist fast jeder dritte (30 Prozent) arbeitslos. Die Quote unter Spaniern beträgt rund 18 Prozent.
Besonders schwierig ist die Lage in Spanien für Langzeitarbeitslose und junge Leute. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen (mehr als ein Jahr arbeitslos) stieg im Jahresvergleich um 7,7 Prozent auf mehr als 700 000. Bei den Menschen unter 25 Jahren ist Spanien laut Eurostat mit 40,3 Prozent absolutes Schlusslicht in Europa, vor Estland (39,8 Prozent) und Lettland (39,5 Prozent). Beobachter sprechen in Spanien von einem zweigeteilten Arbeitsmarkt. Während etwa ältere Mitarbeiter im verarbeitenden Gewerbe als unkündbar gelten, finden junge Menschen oft nur befristet Beschäftigung. Viele dieser Arbeitsverträge wurden nach Ausbruch der Krise nicht verlängert.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.666,09 | −1,81% |
| FAZ-INDEX | 1.489,78 | −1,67% |
| TecDAX | 770,42 | −0,36% |
| MDAX | 10.206,50 | −1,45% |
| SDAX | 4.970,60 | −1,00% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.474,57 | −1,89% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 79,92 | −1,71% |
| Dow Jones | 12.890,50 | +0,05% |
| Nasdaq 100 | 2.563,93 | +0,72% |
| S&P500 | 1.351,95 | +0,15% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3178 | −0,79% |
| Rohöl Brent Crude | 116,68 $ | −1,69% |
| Gold | 1.748,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 138,27 € | +0,76% |