28.06.2007 · Der gescheiterte Versuch des Eon-Konzerns, den führenden spanischen Stromversorger Endesa zu kaufen, zeigt: Die spanische Regierung setzt alle Hebel in Bewegung, wenn sie eine unliebsame Übernahme verhindern will. Vor allem auf dem Energiemarkt favorisieren Politiker die Bildung nationaler Champions.
Der vergebliche Versuch des Eon-Konzerns, den führenden spanischen Stromversorger Endesa zu kaufen, hinterließ in Düsseldorf hohe Frustration – und die Erkenntnis, dass die spanische Regierung alle Hebel in Bewegung setzt, wenn sie eine unliebsame Übernahme verhindern will. Dieser Wille wurde von Anfang an deutlich. Vor allem auf dem als strategisch angesehenen Energiemarkt favorisieren die spanischen Politiker beider Lager die Bildung nationaler Champions.
Gesetzliche Möglichkeiten Eon abzublocken hatte die Regierung in Madrid zunächst allerdings nicht. Deshalb zog sie andere Register. So erweiterte sie die Kompetenzen der Nationalen Energiekommission zu einer nationalen Wettbewerbsbehörde, die – im Widerspruch zu den Regeln der Europäischen Union – Eon harte Auflagen erteilte. Zudem erschwerten der Regierung nahestehende Gerichte den Zugang zu Endesa. Trotz Geleitschutz aus Brüssel warf Eon schließlich das Handtuch.
Spezialregeln für den Energiemarkt
Dass inzwischen der italienische Enel-Konzern gemeinsam mit dem spanischen Baukonzern Acciona vor der Endesa-Übernahme steht, ist eine eigentümliche Wendung. Gegen diese Transaktion hätte die spanische Regierung sogar ein Gesetz auffahren können: Speziell auf dem Energiemarkt dürfen ausländische Interessenten höchstens drei Prozent der Stimmrechte eines spanischen Unternehmens erwerben, wenn ihr dominierender Aktionär – wie bei Enel – der Staat ist. Damit sollte ursprünglich verhindert werden, dass ein zuvor privatisierter Konzern wieder unter staatlichen Einfluss gerät. Allerdings darf die Regierung Ausnahmen zulassen. Dies hat sie im Fall Enel-Endesa getan, ohne es öffentlich zu begründen.
Der Kampf um Endesa war der erste Versuch eines Ausländers überhaupt, ein spanisches Großunternehmen zu erwerben – mit der ernüchternden Erfahrung, dass Spanien im Zweifel europäische Spielregeln nicht anerkennt, auch wenn es mit Ausnahme des Energiemarktes keine protektionistischen Regeln gibt. Mit Spannung verfolgen Beobachter, ob sich Spanien in anderen Branchen stärker zurückhalten wird. Ein Prüfstein ist die anstehende Übernahme der Fluglinie Iberia etwa durch Lufthansa oder British Airways.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,29 $ | −0,52% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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