Das soziale Netzwerk Facebook treibt seine Börsenpläne mit schnellen Schritten voran und verfolgt dabei kühne Ambitionen: Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ peilt das kalifornische Unternehmen seinen Börsengang für das zweite Quartal kommenden Jahres an. Wie es weiter heißt, will Facebook bei seinem Börsendebüt rund 10 Milliarden Dollar einsammeln, so viel wie noch nie ein Unternehmen aus der Internetbranche zuvor. Facebook traut sich zu, von der Börse insgesamt mit 100 Milliarden Dollar bewertet zu werden.
Damit läge die Gesellschaft über der derzeitigen Marktkapitalisierung von Technologiekonzernen wie Amazon, Cisco Systems oder Hewlett-Packard. Facebook erwägt dem Bericht zufolge, den für einen Börsengang notwendigen Prospekt schon in naher Zukunft bei der Aufsichtsbehörde SEC einzureichen, möglicherweise sogar noch bis zum Ende dieses Jahres.
Das Börsendebüt von Facebook wird an den Finanzmärkten mit so viel Spannung erwartet wie kaum ein anderes. Facebook ist seit seiner Gründung im Jahr 2004 zu einem Giganten in der Internetbranche aufgestiegen. Mit mehr als 800 Millionen Mitgliedern auf der ganzen Welt ist Facebook heute das klar dominierende soziale Netzwerk und eine der populärsten Internetseiten überhaupt. Anders als andere Aufsteiger aus der Internetbranche wie die Rabattplattform Groupon oder der Online-Spieleanbieter Zynga, die schon wenige Jahre nach ihrer Gründung an die Börse strebten, hat sich Facebook mit diesem Schritt Zeit gelassen. Der Gründer und Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg hat vielmehr immer wieder durchblicken lassen, dass er einen Börsengang möglichst lange hinauszögern will, um damit verbundene Verpflichtungen wie die Veröffentlichung von Geschäftsergebnissen zu vermeiden. Stattdessen hat Facebook auf außerbörsliche Finanzierungsrunden gesetzt. So sammelte das Unternehmen zu Jahresbeginn in einer von der Bank Goldman Sachs geführten Privatplazierung 1,5 Milliarden Dollar ein.
Seinen bisherigen Widerstand gegen einen Börsengang gibt Zuckerberg wohl unter anderem deshalb auf, weil Facebook ohnehin bald Finanzdaten herausgeben muss. Nach amerikanischem Wertpapierrecht muss ein Unternehmen Ergebnisse veröffentlichen, wenn es mehr als 500 Aktionäre hat. Facebook hat vor einiger Zeit mitgeteilt, dass ein Überschreiten dieser Schwelle für 2011 erwartet wird und daher spätestens im April kommenden Jahres Geschäftszahlen vorgelegt werden sollen.
Die Bewertung von Facebook außerhalb der Börse ist in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen: Als der Softwarekonzern Microsoft 2007 einen Anteil von 1,6 Prozent an Facebook kaufte, wurde das Unternehmen mit 15 Milliarden Dollar bewertet. Danach bremste die Wirtschaftskrise den Aufstieg vorübergehend, und bei einer Finanzierungsrunde 2009 wurden 10 Milliarden Dollar angesetzt. Die Goldman-Privatplazierung zu Beginn dieses Jahres bewertete Facebook mit 50 Milliarden Dollar. Auf außerbörslichen Handelsplattformen wie Secondmarket oder Sharespost sind seither schon Bewertungen bis zu 100 Milliarden Dollar angesetzt worden, im Moment werden Dimensionen um 80 Milliarden Dollar erreicht.
Zuckerberg hält einen Anteil von 24 Prozent an Facebook
Eine Bewertung von 100 Milliarden Dollar würde den erst 27 Jahre alten Zuckerberg zu einem der reichsten Amerikaner machen. Er hält nach Angaben des „Wall Street Journal“ einen Anteil von 24 Prozent an Facebook, der bei der angepeilten Marktkapitalisierung 24 Milliarden Dollar wert wäre.
Damit würde Zuckerberg auf dem Papier reicher als die beiden Gründer des Internetgiganten und Facebook-Wettbewerbers Google, Sergey Brin und Larry Page. Deren Vermögen wurde in der jüngsten Forbes-Liste auf jeweils 16,7 Milliarden Dollar geschätzt. Die angepeilten Dimensionen für das Wall-Street-Debüt von Facebook stellten den Börsengang von Google aus dem Jahr 2004 klar in den Schatten: Google sammelte 1,9 Milliarden Dollar ein, und die Marktkapitalisierung erreichte bei der Premiere 23 Milliarden Dollar. Heute wird Google mit rund 190 Milliarden Dollar bewertet.
Facebook macht den mit Abstand größten Teil seiner Umsätze mit Werbung auf seiner Seite. Das Marktforschungsinstitut Emarketer rechnet damit, dass Facebook in diesem Jahr seinen Umsatz auf 4,3 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt, für 2012 wird ein Umsatz von 5,8 Milliarden Dollar vorhergesagt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unlängst, dass Facebook im ersten Halbjahr 2011 einen Umsatz von 1,6 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von 500 Millionen Dollar erzielt hat.
Trotz seines rasanten Wachstums kämpft Facebook aber auch mit einigen Herausforderungen: Zwar ist Facebook heute für viele Unternehmen ein wichtiges Marketinginstrument. In vielen Fällen nutzen sie die Seite aber als Plattform für kostenlose oder billige Kampagnen, die für Gesprächsstoff und Weiterempfehlungen in der großen Mitgliedergemeinde sorgen. Die von Unternehmen für Facebook bereitgestellten Werbebudgets halten sich somit oft in Grenzen. Facebook sieht sich außerdem härterem Wettbewerb gegenüber: So hat Google in diesem Jahr einen neuen Anlauf zum sozialen Netzwerken mit der Plattform „Google+“ unternommen.