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Veröffentlicht: 15.03.2017, 23:29 Uhr

Niederlande-Wahl Absturz einer Volkspartei

Unter ihrem glücklosen Spitzenkandidaten Lodewijk Asscher fallen die Sozialdemokraten auf ein Viertel ihrer bisherigen Mandate zurück. Es ist ein historischer Absturz.

von , Amsterdam
© AFP Glückloser Spitzenkandidat: Lodewijk Asscher
 
Sozialdemokraten in der Niederlande-Wahl: Absturz einer Volkspartei

Die Halle auf dem alten Industriegelände in Amsterdam ist in rotes Licht getaucht. „Zusammen nach vorne“ wirbt die sozialdemokratische Partei PvdA hier auf der Wahlparty am Mittwochabend. Aber die „Party“ wird zur – wenn auch lauten – Trauerfeier. Denn die sozialdemokratische PvdA, Juniorpartner in der Koalition mit der marktliberalen VVD von Ministerpräsident Mark Rutte, hat bei der Parlamentswahl in den Niederlanden einen historischen Absturz erlebt.

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Nach den Prognosen des Abends kommt die Partei auf ganze neun der 150 Sitze in der Zweiten Kammer und sackt damit auf ein Viertel ihrer bisherigen Mandate. Bei der Wahl 2012 hatte die Partei mit dem damaligen Spitzenkandidaten Diederik Samsom 38 Sitze geholt, von denen zuletzt in der Fraktion wegen dreier Abtrünniger noch 35 übrig waren. Auch vor der damaligen Wahl hatte die Partei lange schlechte Umfragewerte gehabt, aber Samsom gelang eine spektakuläre Aufholjagd. Dem aktuellen Spitzenkandidaten Lodewijk Asscher gelang sie diesmal nicht.

„Eine dicke Niederlage“

Führende Parteipolitiker machen in der alten Industriehalle keinen Hehl aus ihrer enormen Enttäuschung. Der Parteivorsitzende Hans Spekman spricht von einer „dicken Niederlage“, Spitzenkandidat Asscher versucht am späten Abend, seinen Leuten Mut zu machen: „Die Sozialdemokratie wird zurückkommen, und der Aufbau beginnt heute.“

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Das Wahlergebnis aus dem Jahr 2012 hatte eine Zweier-Koalition ermöglicht, was nicht selbstverständlich ist in dem Land mit den vielen kleinen bis mittelgroßen Parteien. Die VVD mit ihrem etwas größeren Stimmenanteil und die PvdA taten sich zusammen. Ruttes VVD aber setzte in der Wirtschaftskrise harte Sparmaßnahmen durch. Dass die PvdA sie mittrug, nahmen ihr viele Anhänger übel. Im Dezember wählten die Parteimitglieder Samsom ab, schickten stattdessen Asscher ins Rennen.

Asscher rückt nun wieder mehr den Arbeitnehmer in den Blick. Aber der neue Spitzenkandidat hat – anders als in Deutschland Martin Schulz – die Stimmung nicht wenden können. Auch verschärfte Asscher zuletzt den Ton, wenn es um die mangelnde Anpassung von Ausländern oder deren Nachkommen geht. Das machen allerdings auch die Spitzenpolitiker anderer Parteien, in offensichtlicher Reaktion auf den Druck des Einwanderungs- und Islamgegners Geert Wilders. 

45330773 © EPA Vergrößern Lange Gesichter am Wahlabend bei der PvdA

Asscher lässt öffentlich nicht dasselbe Charisma erkennen wie einige seiner Rivalen und auch nicht wie sein Amtsvorgänger Samsom; in den Radio- und Fernsehauftritten der vergangenen Wochen wirkte er eher blass. Bei der Abschlussdebatte am Dienstag Abend in Den Haag wurde er von Sozialistenführer Emile Roemer attackiert, obwohl der gleichzeitig für ein Bündnis beider Parteien warb. Denn auch Roemer wirft der PvdA den Sparkurs der vergangenen Jahre vor. Asscher parierte das damit, dass die PvdA 2012 von den Wählern nun einmal nicht genug Stimmen für die Führungsrolle in der Koalition bekommen habe. Doch habe man verhindert, dass die VVD sonst noch härter eingeschnitten hätte.

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