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Sommer-Nachfolge Die Telekom sucht: Erfahrenen Piloten für Schleudersitz

19.07.2002 ·  Sanierer, Techniker, Branchenkenner - was muss der nächste Telekom-Chef können, damit die Märkte wieder Vertrauen fassen?

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Eine reine Zwischenlösung: Nur für sechs Monate soll Helmut Sihler Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom bleiben. In dieser Zeit muss endgültig ein überzeugender Nachfolger für Ron Sommer gefunden werden. Keine leichte Aufgabe, wie die vergeblichen Bemühungen des Bundeskanzlers gezeigt haben. Technikwissen, Branchenkenntnis, Managerfähigkeiten - was muss ein guter Kandidat mitbringen, um das Vertrauen der Märkte und der Kleinaktionäre wieder zurückzugewinnen?

Technisches Know-How wird bei der Neubesetzung nicht den Ausschlag geben, meint Christoph Zeiss von der Personalberatung Heads. Schon Technikspezialist Gerd Tenzer konnte damit nicht punkten und landete vorerst auf dem Vize-Posten. „Wichtiger als Wissen über Leitungen und Knotenpunkte ist ein Gespür dafür, wie sich Kommunikation in Zukunft entwickeln wird“, sagt Zeiss. Visionäre Fähigkeiten sind stets gefragt, wenn das Schiff vom rechten (Aktien-) Kurs abgekommen ist.

Außenwirkung entscheidend

Doch der Kapitän auf der Brücke ist mehr als ein Steuermann, und daher braucht er vor allem eines: die Fähigkeit, mit allen relevanten Personengruppen effektiv zu kommunizieren. Eine Kunst, die Ron Sommer am Schluss nicht mehr beherrschte, meint Zeiss. „Der zukünftige Kandidat muss eine starke positive Außenwirkung besitzen, damit die Kommunikation wieder funktioniert.“ Keine Chance also für Bewerber ohne großes Renommee.

In Frage kommt nach Ansicht des Personalberaters daher nur ein bekannter Vorstand eines Dax-Unternehmens vom Kaliber eines Jürgen Schrempp. Oder aber ein Vorstandsvorsitzender eines anderen Unternehmens der Branche, zum Beispiel der schwedischen Telekom-Gesellschaft Telia. Auch die Konkurrenz könnte den Neuen liefern: Top-Manager von Telecom Italia, British Telecom oder Nokia sollten ihr Telefon für mögliche Headhunter freihalten.

Zeiss selbst würde den Chief Operative Officer und zweiten Mann von Vodafone, Julian Horn-Smith, ins Visier nehmen: „Vodafone hat eine große Fusionsschlacht geschlagen. Ein erwiesenermaßen erfolgreicher Manager könnte die nötige Strahlkraft mitbringen, die die Telekom braucht, um den Märkten wieder zu imponieren.“ Auch Hans-Peter Haslauer von Perit Consulting empfiehlt jemanden aus der ersten oder zweiten Reihe eines europäischen Telekom-Unternehmens. „Das nötige Rückgrat für eine solche Aufgabe hat nur, wer schon durch bestimmte Feuer gegangen ist“, sagt der Personalexperte.

Saniererfähigkeiten erwünscht

Analysten teilen die Argumente der Personalberater. Ein erfolgreicher Manager mit Telekom-Vorgeschichte muss her. „Ideal wäre jemand, der Wachstumserfahrung mitbringt, aber auch schon Fähigkeiten als Sanierer bewiesen hat“, sagt Joeri Sels von der Bank Julius Bär. Seine Empfehlung würde Klaus Esser heißen - wenn da nicht die Sache mit den umstrittenen Abfindungen des Mannesmann-Chefs wäre.

Attraktiv ist der Telekom-Chefsessel allemal, obwohl er sich für Ron Sommer als Schleudersitz entpuppt hat. Das finanzielle Polster garantiert zur Not eine sanfte Landung. „Vor allem aber bietet sich hier eine selten dagewesene Herausforderung: ein ehemaliges Staatsunternehmen in ein Dienstleistungsunternehmen zu überführen, und das mit solcher Publikumswirksamkeit“, meint Christoph Zeiss. „Welch anderer Posten garantiert schon, innerhalb von kürzester Zeit zu den wohl 20 bedeutendsten Persönlichkeiten Deutschlands gezählt zu werden?“

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