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Solarindustrie Die Lichter gehen aus

Eine Woche nach Solon hat der Projektentwickler Solar Millennium Insolvenz angemeldet. Bekannt wurde das Unternehmen durch den Streit mit seinem einstigen Chef Utz Claassen.

© dpa Vergrößern Solaranlage in Kalifornien

Der lange erwartete Ausleseprozess in der deutschen Solarindustrie gewinnt an Fahrt. Der Erlanger Projektentwickler Solar Millennium beantragte am Mittwoch beim Amtsgericht Fürth die Insolvenz. Das Unternehmen begründete den Schritt mit Verzögerungen bei zwei laufenden Transaktionen. In Amerika wurde seit September über den Verkauf der dortigen Projektpipeline verhandelt. In Spanien suchte das Unternehmen nach Investoren, die das geplante Sonnenkraftwerk Ibersol mitfinanzieren sollten. „Beide Transaktionen hätten über den aktuellen Liquiditätsbedarf hinaus Mittel generiert, die die Basis für eine Weiterentwicklung der Gesellschaft gelegt hätten“, hieß es in einer Ad-hoc-Mitteilung. Dies war für die finanzschwache Firma wohl mindestens ein „hätte“ zuviel.


Monatelanger Überlebenskampf

Solar Millennium hatte sich auf den Bau und Betrieb von solarthermischen Kraftwerken spezialisiert. Im Gegensatz zur Photovoltaik erzeugt die Solarthermie aus der zunächst in Wärmeenergie umgewandelten Sonnenstrahlung Strom. Nach eigenem Bekunden erreichten die Erlanger mit ihren Parabolrinnen-Anlagen „eine Spitzenposition im globalen Wettbewerb“. Das Unternehmen rühmte sich, „alle wichtigen Geschäftsfelder entlang der Wertschöpfungskette“ abzudecken, von der Projektentwicklung und -finanzierung über die Technologie bis zum schlüsselfertigen Bau und Betrieb der Anlagen.

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Tatsächlich kämpfte das vermeintliche „Spitzenunternehmen“ schon seit Monaten ums Überleben, so dass der Insolvenzantrag nicht vollkommen überraschend kam. Zuletzt hatte Solar Millennium einen Strategieschwenk vollführt; man wollte auf Photovoltaikprojekte setzen und nicht mehr auf den Bau von Sonnenwärmekraftwerken.


„Beide Projekte sind damit nicht hinfällig“

Darum wollte sich Solar Millennium auch von seinem amerikanischen Vorzeigeprojekt trennen, einem Gigawatt-Sonnenstromkraftwerk im kalifornischen Blythe, das 2013 fertig sein soll. Als Käufer trat der Briloner Projektentwickler Solarhybrid auf. Man habe sich „in weit fortgeschrittenen Verhandlungen“ befunden, hieß es nun von Seiten Solar Millenniums: „Wesentliche Verträge wurden bereits unterzeichnet. Allerdings sind einzelne Bedingungen für die Wirksamkeit der Verträge bislang nicht eingetreten. Höhe und Zeitpunkt der Zahlungsflüsse konnten bis zuletzt nicht verbindlich bestätigt werden.“ Zuvor hatte Solarhybrid bekanntgegeben, dass sich der für dieses Jahr geplante Kauf auf Anfang 2012 verschiebe und nur ein Teil der Projekte erworben werde.

Solar-Millennium-Sprecher Hans Obermeier sagte zu den Konsequenzen der Insolvenz auf die Transaktionen in Amerika und Spanien: „Beide Projekte sind damit nicht hinfällig.“ Inwiefern sie unter einem Insolvenzverwalter abgeschlossen werden können, vermochte er jedoch nicht zu sagen. Von der Insolvenz sind nach Angaben des Sprechers rund 60 Mitarbeiter betroffen.


Aktie kostet weniger 50 Cent

Solar Millennium hatte bei einem Halbjahresumsatz von zuletzt 11 Millionen Euro Verluste geschrieben und unter seiner schwachen Kapitalausstattung gelitten. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen zudem mehr durch Personalien als durch sein eigentliches Geschäft für Schlagzeilen gesorgt. Vor zwei Jahren wurde der umstrittene frühere Chef des Energiekonzerns ENBW, Utz Claassen, als Vorstandvorsitzender angeheuert. Dieser trat das Amt am 1. Januar 2010 an - verließ das Unternehmen aber nach weniger als drei Monaten wieder.

Utz Claassen schreibt Krimi über Strombranche © dpa Vergrößern Nach nur 74 Tagen im Amt des Vorstandschefs warf der frühere ENBW-Manager Utz Claassen im März 2010 das Handtuch bei Solar Millennium

Claassen erklärte damals, die Firma habe ihn bei den Vertragsverhandlungen „bewusst irregeführt“. Seitdem streiten er und Solar Millennium um womöglich fällige Zahlungen an den Manager oder eine Rückzahlung bereits geflossenen Geldes. Im Oktober wiederum legte der erst zum Jahresanfang angetretene Vorstandsvorsitzende Christoph Wolff sein Amt nieder. Der Kurs der Solar-Millennium-Aktie brach nach der Insolvenzankündigung um mehr als 50 Prozent ein. Das Papier notierte bei weniger als 50 Cent. Ende Dezember 2010 hatte die Aktie noch rund 20 Euro gekostet.

Quelle: F.A.Z.

 
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