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Software-Weckruf : Wem gehört unser digitaler Zwilling?

Rechenzentren rund um den Globus beherbergen mittlerweile gigantische Datenmengen. Bild: Google

Es ist ein neuer Kampf von David gegen Goliath: Wie behalten wir die Kontrolle über unsere digitale Identität? Ein deutscher Unternehmer spricht eine drastische Warnung aus vor Amazon & Co. – und macht einen Vorschlag.

          Die Anleger an der Börse bewerten einen Dollar Umsatz, den der Onlinehändler Amazon macht, mit rund 3,50 Dollar. Für den Einzelhandelskonzern Wal-Mart hingegen, der noch immer zahlreiche Läden betreibt, sind es nur rund 68 Cent. Ein Dollar Umsatz wird für Amazon also als fast fünfmal so wertvoll angesehen wie für Wal-Mart. Und das, obwohl Umsatz, Gewinn und Marge von Wal-Mart noch immer deutlich höher sind. Das ist ein Paradoxon. Einerseits.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Andererseits löst sich das Paradoxon schnell auf – und das hat mit dem Wert der Daten zu tun: Amazon hat viel mehr Daten seiner Kunden und setzt diese ganz anders ein als Wal-Mart. Und dass auch der Aktienkurs des Softwarekonzerns Microsoft seit einiger Zeit wieder ordentlich steigt, hängt ebenfalls damit zusammen, dass das Unternehmen nicht mehr nur Programme verkauft, sondern dass es den Wert der Daten erkannt hat und hebt, zunehmend sogar mit der Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI). Für die Aktionäre ist das erfreulich.

          Peter Ganten

          Für die Kunden und Nutzer aber ergeben sich daraus erhebliche Konsequenzen. Und über die sollte aus der Sicht deutscher Lobbyisten für freie Software (Open Source) intensiver diskutiert werden. Der deutsche IT-Unternehmer Peter Ganten zum Beispiel hat dazu jüngst einen Vortrag vor den Kunden und Partnern seines Unternehmens mit dem Namen Univention gehalten, der mehr ist als nur die üblichen Gedanken eines kleinen deutschen IT-Mittelständlers auf einer kleinen Versammlung. Ganten war an der Gründung der Open Source Business Alliance beteiligt, deren Vorsitz er seit dem Jahr 2011 innehat. In dieser Funktion setzt er sich für die Verbreitung des Open-Source-Gedankens und den Einsatz freier Software in Wirtschaft und Verwaltung ein.

          Wertvolle Schlüsse mit Künstlicher Intelligenz

          Dazu muss man wissen, dass die Plattformen der großen Cloud-Anbieter wie Amazon, Apple, Google oder Microsoft aus Daten, Prozessen und schlauen Algorithmen bestehen. Diese Welt aber „gehört“ allein den entsprechenden Anbietern, die daraus für sie wertvolle Schlüsse ziehen, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so scheint. Das jedenfalls ist die These von Ganten. Er erläutert das an dem Beispiel einer Datei der Tabellenkalkulation Excel: „Zwar können sie eine einmal zu Microsoft oder Google hochgeladene Datei auch wieder herunterladen, aber für die KI-Algorithmen ist die Datei selbst gar nicht so interessant. Viel interessanter kann es sein, wer die Daten wann und an welchem Ort angeschaut oder bearbeitet hat, welche Formeln dabei eingegeben wurden und in welcher Geschwindigkeit oder wem die Datei freigegeben wurden und welche Kontakte diese Personen neuerdings auf dem Kontaktnetzwerk Linkedin haben.“

          Microsoft-Chef Satya Nadella

          Und selbst wenn diese Informationen irgendwie herunterladbar wären: Die Algorithmen, mit denen sie ausgewertet werden, und die Logiken, die auf Basis solcher Auswertungen Prozesse in Gang setzen, seien nicht verfügbar, klagt Ganten. Das bedeute: Selbst, wenn eine Organisation auf alle von ihren Mitgliedern in solchen Systemen generierten Daten frei zugreifen könnte, sie könnte die Algorithmen und Prozesse, mit denen diese genutzt werden, nicht prüfen, nicht verstehen und auch nicht ändern.

          Ganten nennt solche Plattformen deswegen KI-Silos, also Silos Künstlicher Intelligenz. Anwender könnten nur das damit tun, was vom Anbieter vorgesehen sei. Und das könne sich immer mal ändern. Denn als Ersatz für die Möglichkeit zum direkten Zugriff auf Daten, Prozesse und Algorithmen stellten die KI-Silos sogenannte APIs („Application Programming Interface“), also Schnittstellen für Programmierer zur Verfügung. Damit könnten weitere Daten hochgeladen und ausgewählte Informationen oder Analyseergebnisse abgefragt werden. „APIs sind an und für sich eine gute Sache, denn sie geben Programmieren eine verlässliche Schnittstelle“, räumt Ganten ein. Das Problem sei aber, dass längst nicht alle APIs dieser Silos verlässlich verfügbar seien.

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