Der Softwarekonzern Oracle will 9 Dollar je Aktie in bar zur Übernahme der Retek bieten. Retek stellt Software für den Einzelhandel her und arbeitet seit 1986 mit Oracle zusammen. Das Angebot soll am Mittwoch vorgelegt werden, teilte der Softwarekonzern am späten Dienstag mit. Etwa 5,5 Millionen Titel beziehungsweise 10 Prozent des Aktienkapitals habe Oracle in der laufenden Woche bereits erworben. Retek hatte im Februar bereits mit dem deutschen Softwarekonzern SAP eine verbindliche Übernahmevereinbarung getroffen. SAP will 8,50 Dollar je Aktie beziehungsweise insgesamt 496 Millionen Dollar bezahlen.
„Das Anwendungsgeschäft von Oracle in Nordamerika ist größer als das von SAP“ sagte Oracle-CEO Larry Ellison. „Wir wollen unsere Position als Nummer Eins verteidigen“. Die Retek-Kunden nutzten zu 80 Prozent die Infrastruktursoftware von Oracle, sie würden Retek lieber bei Oracle als bei SAP sehen, erklärte das Unternehmen. SAP-Sprecher in den Vereinigten Staaten wollten das konkurrierende Übernahmeangebot nicht kommentieren. Oracle will die Übernahme aus Barmitteln finanzieren.
Retek-Aktie profitiert nachbörslich
Ellison sagte, gerade im Einzelhandelsbereich sei Oracle stärker aufgestellt als SAP. Oracle habe bereits im Oktober vergangenen Jahres mit Retek über eine Fusion gesprochen. Die Verhandlungen seien jedoch langsam verlaufen, da sich der Softwarekonzern auf die Integration der ebenfalls übernommenen Peoplesoft habe konzentrieren müssen. Es sei den Oracle-Managern nicht bekannt gewesen, daß Retek auch mit SAP verhandelt hatte. Im nachbörslichen Handel reagierten die Retek-Titel mit einem Aufschlag von 16 Prozent auf 10 Dollar. Beobachter sagten, die Investoren rechneten wohl mit noch höheren Preisen als den gebotenen 9 Dollar je Aktie.
Retek erzielte 2004 einen Umsatz von 174,6 Millionen Dollar und wird durch das Oracle-Gebot mit 515 Millionen Dollar bewertet. Ellison sagte, er habe mit dem Retek-CEO Marty Leestma gesprochen und glaube, daß das Retek-Management das Angebot positiv aufnehme. „Ich glaube, am Retek-Hauptsitz sind sie jetzt ziemlich glücklich“, sagte er. Die Fusionsvereinbarung von Retek mit SAP sehe für den Falle des Scheiterns der vereinbarten Übernahme lediglich eine Entschädigungszahlung von 15 Millionen Dollar vor.
