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Software Microsoft-Zahlen schüren Zweifel am künftigen Wachstum

23.01.2004 ·  Der größte Softwarekonzern der Welt hat mit seinen Zahlen für die vergangenen drei Monate die Erwartungen deutlich übertroffen und mit seinem Quartalsbericht dennoch für eine große Enttäuschung gesorgt.

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Der größte Softwarekonzern der Welt hat mit seinen Zahlen für die vergangenen drei Monate die Erwartungen deutlich übertroffen und mit seinem Quartalsbericht dennoch für eine große Enttäuschung gesorgt. Zum zweiten Mal in Folge lag das Geschäft mit langfristigen Lizenzverträgen unter den Erwartungen.

Die Aktie von Microsoft gab nach Veröffentlichung der Zahlen leicht nach. Das Papier hat sich in den vergangenen zwölf Monaten mit einem Plus von 10 Prozent deutlich schlechter entwickelt als der Gesamtmarkt. Der Dämpfer im Quartalsbericht kam vom sogenannten noch nicht eingenommenen Umsatz.

Umsatz mit Büro-Software Office geht zurück

Wie viele andere Softwareunternehmen verbucht auch Microsoft die Umsätze auf langfristigen Lizenzverträgen stückweise über ihre Laufzeit hinweg und gibt dann in seinen Bilanzen diejenigen Umsätze an, die künftig aus solchen Verträgen erwartet, jedoch noch nicht verbucht sind. Diese Position fiel innerhalb von drei Monaten um rund 400 Millionen Dollar auf 7,85 Milliarden Dollar. Microsoft hatte hier bislang ein Minus von 250 bis 300 Millionen Dollar vorhergesagt. Der Rückgang betraf fast ausschließlich die Sparte mit der Büro-Software Office. Im Vorquartal war der noch nicht eingenommene Umsatz schon um 768 Millionen Dollar geschrumpft. Nach Ansicht von Analysten ist das künftige Umsatzwachstum des Unternehmens gefährdet, wenn dieser Trend nicht umgekehrt werden kann.

Für den Rückgang haben Analysten mehrere Interpretationen. So könnte sich ihrer Ansicht nach hierin Sicherheitsbedenken von Kunden wegen der vielen Attacken auf Software von Microsoft widerspiegeln. Als weiterer möglicher Grund wird der härtere Wettbewerb mit der lizenzgebührenfreien Software Linux genannt. Zudem sei es allgemein noch immer schwierig, Unternehmen zum Installieren neuer Software zu bewegen. Microsoft-Finanzvorstand John Connors nannte als einen Grund, daß viele Kunden im abgelaufenen Quartal Software direkt gekauft und stattdessen keine mehrjährigen Lizenzverträge abgeschlossen hätten.

Nettogewinn um 17 Prozent eingebrochen

Dafür spricht, daß der Umsatz von Microsoft im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2003/2004 (30. Juni) die Erwartungen deutlich übertroffen hat. Der Umsatz stieg in diesem Zeitraum um 19 Prozent auf 10,15 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 9,74 Milliarden Dollar gerechnet. Connors räumte aber ein, daß der Umsatz im Geschäftsjahr 2004/2005 weniger stark wachsen werde als im laufenden Berichtszeitraum. Der noch nicht eingenommene Umsatz wird nach Angaben von Connors im laufenden Quartal um weitere 400 Millionen Dollar sinken und dafür im Quartal danach wieder um 400 Millionen Dollar steigen.

Der Nettogewinn von Microsoft ging im Berichtszeitraum um 17 Prozent auf 1,55 Milliarden Dollar zurück. Der Gewinn wurde insbesondere durch Aufwendungen im Zusammenhang mit Aktienoptionen in Höhe von 2,17 Milliarden Dollar gedrückt. Im Vorjahr lagen diese Aufwendungen bei 709 Millionen Dollar. Der Anstieg bei dieser Position hat vor allem mit Kosten für ein Programm zu tun, das es Mitarbeitern von Microsoft erlaubt, Aktienoptionen zu verkaufen.

Aktienoptionsplan geändert

Microsoft hat im vergangenen Jahr die Politik für aktienbasierte Gehaltsbestandteile geändert. Das Unternehmen gibt seinen Mitarbeitern nun keine Optionen mehr, sondern tatsächliche Aktien. Gehaltene Optionen können Mitarbeiter an die Investmentbank J.P. Morgan verkaufen. Ohne die optionsbezogenen Aufwendungen hätte Microsoft einen Gewinn je Aktie von 34 Cent und damit 4 Cent mehr als von Analysten erwartet ausgewiesen.

Die drei größten Sparten von Microsoft - Windows-Betriebssysteme, Server-Software und die Office-Sparte - haben im vergangenen Quartal deutlich zweistellige Umsatzzuwächse erzielt. Rückläufig war das Geschäft von Microsoft im Unterhaltungsbereich. Hier sank der Umsatz um fast 5 Prozent auf 1,27 Milliarden Dollar. Zu dieser Sparte gehört unter anderem die Spielkonsole Xbox. Microsoft hat im abgelaufenen Quartal nach eigenen Angaben weniger Xbox-Konsolen verkauft, dafür legte der Umsatz mit Software für die Xbox deutlich zu. Der Internetdienst MSN steigerte den Umsatz um 19 Prozent auf 546 Millionen Dollar. Gewinne für die einzelnen Sparten gibt Microsoft nicht bekannt.

Für den Rest des Geschäftsjahres hat Microsoft seine Prognosen erhöht. So soll der Umsatz im Gesamtjahr 35,6 bis 35,9 Milliarden Dollar erreichen. Bislang hatte Microsoft 34,8 bis 35,3 Milliarden Dollar vorhergesagt. Für das Ergebnis je Aktie ohne Berücksichtigung der optionsbezogenen Aufwendungen liegt die Prognose bei 82 bis 83 Cent.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, lid.
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