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Software Microsoft stellt neues Office-Paket vor

20.10.2003 ·  Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft steht vor einer seiner wichtigsten Produkteinführungen der vergangenen Jahre. An diesem Dienstag wird die neue Version des Büro-Softwarepakets Office vorgestellt.

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Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft steht vor einer seiner wichtigsten Produkteinführungen der vergangenen Jahre. Am morgigen Dienstag wird das Unternehmen die neue Version seines Büro-Softwarepakets Office vorstellen. Das Paket "Office System 2003" ist die Weiterentwicklung der letzten Version "Office XP", die vor mehr als zwei Jahren auf den Markt gekommen ist. Der Microsoft-Konzern hofft vor allem darauf, daß Unternehmenskunden ihre bisherigen Versionen von Office aufrüsten.

Office ist hinter dem Betriebssystem das zweitwichtigste Produkt von Microsoft - und gleichzeitig die Software mit dem zweithöchsten Umsatz in der Welt. Im Geschäftsjahr 2002/2003 (30. Juni) trug die Sparte "Information Worker", die fast ausschließlich aus Office besteht, 29 Prozent zum Gesamtumsatz des Unternehmens bei. Die Programme sind außerdem hochprofitabel: Microsoft verlangt knapp 500 Dollar für die in Unternehmen eingesetzte "Professional"-Variante von Office - auch bei der neuen Version. Das Softwarepaket besteht vor allem aus den Bereichen Textverarbeitung mit dem Programm Word, Tabellenkalkulation (Excel), Präsentation (Powerpoint) und Organisations- und E-Mail-Software (Outlook).

Office 2003 arbeitet mit XML

Microsoft-Chairman Bill Gates wird anläßlich der Einführung der neuen Software am Dienstag in New York wahrscheinlich ausführen, welche Produktivitätsfortschritte die neue Version in Unternehmen erlaubt. Er wird das neue Paket als eine ganze Familie integrierter Anwendungen sowohl für den einzelnen Arbeitsplatz (Client) als auch für Netzwerkrechner (Server) präsentieren, daher auch der Name "Office System". Um sämtliche neuen Office-Anwendungen nutzen zu können, müssen Unternehmen auch ihre Server nachrüsten. Die grundsätzliche Idee des neuen Office-Pakets ist es, die Zusammenarbeit von Mitarbeitern zu erleichtern. Zu den wichtigsten Neuerungen in diesem Zusammenhang gehört, daß Office 2003 mit der Programmiersprache XML (Extensible Markup Language) arbeitet. XML erlaubt einen verbesserten Austausch von Informationen zwischen verschiedenen Programmen.

Neu: Infopath und One-Note

Zwei neue Programme im Office-Sortiment sind Infopath und One-Note. Infopath ermöglicht einen schnelleren Zugang zu Informationen im Unternehmen. One-Note ist ein Programm zur Verwaltung und Bearbeitung von Notizen auch über unterschiedliche Geräte hinweg. Eine weitere Neuerung ist eine Art Informationsschutzsystem. Damit können Mitarbeiter, wenn sie ein sensibles Dokument oder eine E-Mail erstellen, die Nutzung dieser Daten im Unternehmen begrenzen.

Die Veränderungen bei den traditionellen Office-Komponenten Word, Excel und Powerpoint gegenüber der letzten Version halten sich in Grenzen. Die meisten neuen Anwendungen gibt es bei Outlook. So hat die neue Version verbesserte Filtermöglichkeiten, mit der zum Beispiel unerwünschte Werbe-E-Mails (Spam) abgeblockt werden können. Outlook-Nutzer können eine Liste von Absendern anlegen, deren E-Mails sie entgegennehmen wollen. E-Mails können außerdem nach einer Vielzahl von Kriterien sortiert werden.

Microsoft hat mit Office derzeit einen Marktanteil von deutlich mehr als 90 Prozent. Die einzigen beiden nennenswerten Wettbewerber sind der eigentlich auf Server spezialisierte Konzern Sun Microsystems und sein Softwarepaket "Star Office" sowie das Unternehmen Corel mit "Word Perfect". Beide Produkte sind deutlich billiger als die Microsoft-Software. Der Konkurrent Sun hat erst vor wenigen Wochen eine neue Version seines eigenen Star-Office-Pakets vorgestellt.

Zwar meinen Experten, die eigentliche Herausforderung für Microsoft sei nicht der Wettbewerb, sondern die Anstrengung, die Kunden zum Aufrüsten ihrer alten Office-Versionen zu bewegen. Auf der anderen Seite muß Microsoft mit seinem bislang ebenfalls marktdominierenden Betriebssystem Windows gerade erfahren, daß die Bereitschaft steigt, auf billigere Versionen umzusteigen. Das prominenteste Beispiel hierfür war in diesem Jahr die Entscheidung der Stadt München, ihre kommunalen Rechner künftig nicht mehr mit Windows, sondern mit dem lizenzgebührenfreien Programm Linux auszustatten. Dies war um so bemerkenswerter, weil es nicht nur für die Server, sondern auch für die Arbeitsplatzrechner der Stadt galt.

Neuer Overture-Vertrag

Für seinen defizitären Online-Dienst MSN hat Microsoft eine auslaufende Vereinbarung mit der Internet-Gesellschaft Overture erneuert. Overture ist ein Spezialist für bezahlte Internetsuchen, also Textanzeigen, die bei Suchabfragen in den Ergebnislisten als sogenannte Sponsoren-Links auftauchen. Vor wenigen Tagen ist Overture vom MSN-Rivalen Yahoo übernommen worden. Aufgrund dieser Übernahme gab es Zweifel daran, ob Microsoft an seiner Zusammenarbeit mit Overture festhält. Die Kooperation sollte zum Jahresende auslaufen und wird nun in den Vereinigten Staaten und Großbritannien bis zum Juni 2003 fortgesetzt. Bezahlte Internetsuchen sind das dynamischste Gebiet in der Online-Werbung und haben maßgeblich zum stürmischen Wachstum von Yahoo im vergangenen Quartal beigetragen. Microsoft hat in diesem Jahr angekündigt, in die Entwicklung einer eigenen Internet-Suchmaschine zu investieren. (lid.)

Quelle: lid., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2003, Nr. 243 / Seite 15
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