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Smartphones Nokia glaubt an sich - und die Börse auch

26.01.2012 ·  Erste Zahlen vom Hoffnungsträger: Nokia hat im vergangenen Quartal eine Million Lumia-Smartphones verkauft. Das ist zwar nichts im Vergleich zum iPhone, doch die Finnen sind zufrieden.

Von Thiemo Heeg
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© Reuters Nokia-Smartphone Lumia

Trotz eines Milliardenverlustes im vergangenen Jahr blickt der angeschlagene Handyweltmarktführer Nokia gemeinsam mit seinen Anlegern halbwegs optimistisch in die Zukunft. Die Finnen veröffentlichten am Donnerstag neben ihren Geschäftszahlen für 2011 die mit Spannung erwarteten ersten Absatzzahlen für ihre neue Windows-Smartphone-Reihe Lumia. Seit der Einführung im November verkaufte sich der Hoffnungsträger demnach mehr als eine Million Mal. Insgesamt setzte Nokia im letzten Quartal des vergangenen Jahres 19,6 Millionen Smartphones ab; Analysten waren im Schnitt von 18,5 Millionen ausgegangen. Dies und die Tatsache, dass die Geschäftszahlen nicht noch schlechter ausfielen, sorgte für Erleichterung an der Börse und schob den Aktienkurs zeitweise um 7 Prozent nach oben.

Mit den Lumia-Modellen versucht Nokia verlorenen Boden gegenüber der Konkurrenz von Apple und Android gutzumachen. Dass die Finnen dabei noch einen weiten Weg vor sich haben, zeigt ein Vergleich mit den Absatzzahlen, die Apple kurz zuvor präsentiert hatte. Vom iPhone wurden demnach im vergangenen Quartal 37 Millionen Stück verkauft. Nokia-Chef Stephen Elop gab sich dennoch kämpferisch und scheute vor scharfer Rhetorik nicht zurück: „Im Krieg der Ökosysteme gibt es schon ein paar starke Rivalen auf dem Feld. Mit Lumia haben wir demonstriert, dass wir auf dieses Feld gehören.“ Nokias Ziel sei es gewesen, einen „Brückenkopf“ zu errichten. „Das ist es, was wir jetzt in einem Land nach dem anderen schaffen.“ Elop kündigte an, die Lumia-Serie in der ersten Jahreshälfte in China und Lateinamerika einzuführen.

Generell demonstrierte die Bilanz 2011 aber, in welchen Schwierigkeiten das Unternehmen steckt, das seit 1998 zwar Weltmarktführer ist, heute aber nur noch mit billigen Handys die Spitze behaupten kann, während Apple und Samsung im Segment der margenträchtigen Smartphones längst an Nokia vorbeigezogen sind. Der Umsatz der Finnen schrumpfte im vierten Quartal im Jahresvergleich um gut ein Fünftel auf zehn Milliarden Euro. Auf das Gesamtjahr gesehen sanken die Erlöse von 42,4 (2010) auf 38,7 Milliarden Euro. Nach einem operativen Gewinn von 2,1 Milliarden Euro im vorvergangenen Jahr musste der Konzern 2011 einen Verlust von 1,1 Milliarden Euro ausweisen.

Börsianer trösteten sich damit, dass die um Einmaleffekte bereinigten operativen Zahlen trotz eines Rückgangs noch im positiven Bereich lagen. Gartner-Analystin Carolina Milanesi verwies darauf, dass der Handyhersteller seine Zahlen gegenüber dem direkt vorausgegangenen dritten Quartal verbessert habe: „Das zeigt, dass Nokia auf die Schlacht in diesem Jahr besser vorbereitet ist.“ Der Analyst Neil Mawston von der Londoner Firma Strategic Analytics sagte, Nokia sei weder aus dem Gröbsten heraus noch sei es „erledigt“. Die Gewinnmargen seien höher als erwartet und Nokia habe seine Position als drittgrößter Smartphone-Hersteller nicht verloren, obwohl es in Nordamerika und Europa Verluste hinnehmen musste. Analyst Michael Schroeder von der Bank FIM in Helsinki meinte, die schlimmsten Sorgen seien nun weggewischt. Es gebe aber noch eine Menge Unsicherheit hinsichtlich des Unternehmens.

In der Vergangenheit war Nokia vorgeworfen worden, zu spät auf Entwicklungen wie Apples iPhone reagiert und damit die Krise des Konzerns verursacht zu haben. Im September 2010 hatte der einstigen Microsoft-Manager Elop den Chefsessel bei Nokia übernommen und eine umfangreiche Restrukturierung angekündigt. Unter anderem führte er Microsofts Betriebssystem Windows Phone bei Nokia ein. Als Folge der Umstellung und angesichts des starken Wettbewerbs in der Branche schreiben die Finnen Verluste. 2012 ist für Nokia nach Elops Einschätzung ein Jahr des Übergangs. Das Unternehmen rechnet damit, im ersten Quartal wieder kostendeckend zu arbeiten, „in einer Bandbreite von zwei Prozentpunkten über oder unter der Gewinnschwelle“. Das Unternehmen bekräftigte das Ziel, Kosten zu senken.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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