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Skandale bei Telekom & Co. Manager ohne Moral

08.06.2008 ·  Die Siemens-Spitze zahlt Schmiergelder, der Ex-Post-Chef ist ein Steuerhinterzieher, und der Telekom-Vorstand besteht aus einer Bande von Schnüfflern. Kann der Markt das alles ertragen? Er kann. Eine Gesellschaft muss nicht moralisch gebessert werden, um wirtschaftlich zu funktionieren.

Von Rainer Hank
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Die Siemens-Spitze zahlt Schmiergelder, der Ex-Post-Chef ist ein Steuerhinterzieher, und der Telekom-Vorstand besteht aus einer Bande von Schnüfflern. Das sind die Vorwürfe, die derzeit Scharen von Staats- und noch mehr Rechtsanwälten beschäftigen. Elitenversagen heißt das Schlagwort der Woche. Führende Unionspolitiker schlagen Alarm: Das Verhalten der Eliten stelle das „marktwirtschaftliche System“ in Frage und gefährde die „Grundlagen der Gesellschaft“, singen sie unisono, voller Abscheu und mit durchschaubarer Absicht.

Doch dass sich an der Bespitzelungsaffäre der Telekom (und allen Vorgängeraffären) die Systemfrage stellt, müsste erst noch nachgewiesen werden. Zunächst geht es nämlich um Fragen von Recht und Moral. Und darum, dass Manager als Vorbilder von Tugendhaftigkeit und Moralität offenbar schlecht taugen. Das hat aber - außer ein paar Verfassern von Broschüren über Corporate Social Responsibility - auch niemand behauptet.

Unappetitliche Geschichten

Es mag sein, dass viel Macht und viel Geld die Menschen korrumpieren und ein nicht ganz angenehmer menschlicher Trieb so sehr auf den Erhalt dieser Macht dringt, dass der ein oder andere um dieses Zieles willen sogar den Gesetzesbruch in Kauf nimmt. Deshalb ist es nicht völlig überraschend, dass solch unappetitliche Geschichten besonders häufig in Unternehmen vorfallen. Denn auf den Topetagen geht es immer um viel Geld und um viel Macht.

Es ist auch durchaus vorstellbar, dass die Manager als Mittel zur Machtstabilisierung nicht nur Autorität oder Intrige einsetzen, sondern auch die Strukturen der Betriebsverfassung nutzen. Entgegenkommende Deals mit Betriebsräten (sie müssen nicht gleich so weit gehen wie bei Volkswagen) sind üblich und vernünftig, solange die Vertragsverlängerung der Vorstände von der Zustimmung der Gewerkschafter im Aufsichtsrat abhängt.

Warum die Systemfrage stellen?

Mit Erfolg und Misserfolg der Marktwirtschaft hat das alles nichts zu tun. Auch nicht mit den Zwängen der Globalisierung, wie sie gern in den Talkshows faseln. Die Marktwirtschaft schafft Wohlstand und erweitert durch Innovation und Wachstum die menschlichen Freiheitsoptionen unabhängig von der Frage, ob die handelnden Akteure einen guten oder schlechten Charakter haben. Eine Gesellschaft muss nicht erst moralisch gebessert werden, um wirtschaftlich zu funktionieren. Der Wettbewerb, ein von Kunden diktiertes und über Preise funktionierendes Entmachtungsverfahren, führt dazu, dass auch die Gierigen und Machtwütigen die Marktwirtschaft nicht zerstören können, solange der Rechtsstaat funktioniert. Dass der Rechtsstaat aber funktioniert, dafür bürgen, wie man sehen kann, aktive Staatsanwälte und eine wache Öffentlichkeit.

Es bleibt die Frage, warum jetzt so viele, vor allem viele Politiker, sagen, es stelle sich die Systemfrage. Ist der Verdacht gänzlich aus der Luft gegriffen, dass ihnen unmoralische oder gesetzesbrecherische Manager ganz gelegen kommen, um ihr eigenes antikapitalistisches Ressentiment zu bedienen? Wenn das stimmt, dürfte man den Systemvorwurf linken und sozialdemokratischen Politikern eher durchgehen lassen als den Liberalen und Konservativen.

Die Bürger selbst lassen sich davon übrigens wenig beeindrucken. Das Vertrauen in das Wirtschaftssystem war (zumindest in Westdeutschland) vor drei Jahren schon einmal deutlich geringer als heute. Offenbar haben die Menschen verstanden, dass die Überzeugungskraft der Marktwirtschaft eher an der Zahl der Arbeitsplätze und am allgemeinen Wohlstand abzulesen ist als an der Moral ihrer Führungskräfte.

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Jahrgang 1953, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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