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Veröffentlicht: 18.01.2016, 09:46 Uhr

Sinkender Ölpreis Der niedrige Ölpreis treibt erste Fracker in die Insolvenz

Der Ölpreis ist deutlich unter 30 Dollar gefallen. Die Fracking-Industrie leidet. Jetzt darf auch noch der Iran wieder frei Öl exportieren., Aber droht noch Schlimmeres? Sorgen um die Volkswirtschaft werden laut.

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© dpa Frackinganlage in Pennsylvannia

Nachdem der Preis des Rohöls zum Wochenausklang auf knapp unter 30 Dollar gestürzt ist, wird es bitterernst für Amerikas Fracker. Insolvenzen drohen, nachdem deren Zahl zuletzt schon stark gestiegen ist. Geopolitik könnte den Ölpreis weiter nach unten bringen. Nachdem die Internationale Atomenergiebehörde Iran attestiert hat, seine Auflagen aus dem Nuklear-Abkommen erfüllt zu haben, darf das Land künftig wieder frei Rohöl exportieren. Die Tanker sind schon auf dem Weg, Iran vergrößert das globale Überangebot und verlängert das Leiden der Ölfirmen, die bei diesen Preisen Geld drauflegen, wenn sie Öl aus der Tiefe holen.

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„Es wird wirklich hässlich für die Branche“, sagt Ölanalyst Reagan Tuck Rutt vom Beratungshaus Wood Mackenzie in Houston in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Er prophezeit eine brutale Branchenauslese: „Es gibt keine Zweifel, dass die Zahl der Insolvenzen dieses Jahr signifikant steigen wird“, sagt er. Merril Lynch meldet, dass im letzten Halbjahr mindestens 20 Öl- und Gasfirmen die Einleitung von Insolvenzverfahren beantragt haben, deutlich mehr als zum Höhepunkt der Finanzkrise. „Viele Leute in der Branche dachten, 2016 werde besser werden als 2015. Aber tatsächlich wird dieses Jahr noch schwieriger, und darauf sind viele nicht vorbereitet“, sagt Rutt.

Subprime und Totalausfall

Wood Mackenzie schätzt, dass die Fracking-Unternehmen trotz deutlicher Produktivitätssteigerungen im Durchschnitt noch immer Ölpreise von 50 bis 60 Dollar je Fass brauchen, um wirtschaftlich tragfähig zu sein. „Ein Großteil der Branche arbeitet derzeit mit Verlusten, und das kann nicht lange so weitergehen“, sagt Rutt. Bislang haben einige Unternehmen den Ölpreisverfall mit Absicherungsgeschäften am Finanzmarkt (Hedging) abgepuffert. „Aber für 2016 ist offenkundig ein Großteil der nordamerikanischen Ölunternehmen nicht ausreichend abgesichert“, warnten vergangene Woche die Analysten der Bank of America in einer Studie.

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Die Sorge ist nun, dass die Krise auf den Finanzsektor überschwappt und womöglich sogar Schlimmeres auslöst. Am Freitag fiel der Aktienkurs der Großbank Citigroup in New York trotz guter Quartalszahlen zeitweise um mehr als 5 Prozent. Die Anleger fürchten hohe Abschreibungen auf Kredite an die Fracking-Unternehmen, ist die Erklärung. Neben Citigroup haben auch große Konkurrenten wie JP Morgan und Wells Fargo vergangene Woche ihre Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle in der Ölbranche aufgestockt. Mike Loughlin, der oberste Risikomanager von Wells Fargo, spricht von einer „andauernden Verschlechterung im Energiesektor“.

Infografik / Öl- und Gas-Insolvenzen © F.A.Z. Vergrößern

Die Banken müssen sich um ihre eigenen Bilanzen sorgen, spätestens seit die amerikanische Notenbank Federal Reserve im November Alarm geschlagen hat. Sie hat nach Durchleuchtung der Kreditportfolios der führenden Finanzinstitute ein wachsendes Problem in Krediten an den Energiesektor ausgemacht. Von den gesamten Ausleihungen an Explorations-, Produktions und Serviceunternehmen der Branche in Höhe von 276 Milliarden Dollar sind 15 Prozent oder 34 Milliarden Dollar im Risiko zwischen Subprime und Totalausfall. Im Jahr davor waren es gerade 3,6 Prozent oder 7 Milliarden. Das ist eine Verfünffachung der schlechten Risiken.

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