http://www.faz.net/-gqe-8chis
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 18.01.2016, 09:46 Uhr

Sinkender Ölpreis Der niedrige Ölpreis treibt erste Fracker in die Insolvenz

Der Ölpreis ist deutlich unter 30 Dollar gefallen. Die Fracking-Industrie leidet. Jetzt darf auch noch der Iran wieder frei Öl exportieren., Aber droht noch Schlimmeres? Sorgen um die Volkswirtschaft werden laut.

von ,
© dpa Frackinganlage in Pennsylvannia

Nachdem der Preis des Rohöls zum Wochenausklang auf knapp unter 30 Dollar gestürzt ist, wird es bitterernst für Amerikas Fracker. Insolvenzen drohen, nachdem deren Zahl zuletzt schon stark gestiegen ist. Geopolitik könnte den Ölpreis weiter nach unten bringen. Nachdem die Internationale Atomenergiebehörde Iran attestiert hat, seine Auflagen aus dem Nuklear-Abkommen erfüllt zu haben, darf das Land künftig wieder frei Rohöl exportieren. Die Tanker sind schon auf dem Weg, Iran vergrößert das globale Überangebot und verlängert das Leiden der Ölfirmen, die bei diesen Preisen Geld drauflegen, wenn sie Öl aus der Tiefe holen.

Marcus Theurer Folgen: Winand von Petersdorff-Campen Folgen:

„Es wird wirklich hässlich für die Branche“, sagt Ölanalyst Reagan Tuck Rutt vom Beratungshaus Wood Mackenzie in Houston in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Er prophezeit eine brutale Branchenauslese: „Es gibt keine Zweifel, dass die Zahl der Insolvenzen dieses Jahr signifikant steigen wird“, sagt er. Merril Lynch meldet, dass im letzten Halbjahr mindestens 20 Öl- und Gasfirmen die Einleitung von Insolvenzverfahren beantragt haben, deutlich mehr als zum Höhepunkt der Finanzkrise. „Viele Leute in der Branche dachten, 2016 werde besser werden als 2015. Aber tatsächlich wird dieses Jahr noch schwieriger, und darauf sind viele nicht vorbereitet“, sagt Rutt.

Subprime und Totalausfall

Wood Mackenzie schätzt, dass die Fracking-Unternehmen trotz deutlicher Produktivitätssteigerungen im Durchschnitt noch immer Ölpreise von 50 bis 60 Dollar je Fass brauchen, um wirtschaftlich tragfähig zu sein. „Ein Großteil der Branche arbeitet derzeit mit Verlusten, und das kann nicht lange so weitergehen“, sagt Rutt. Bislang haben einige Unternehmen den Ölpreisverfall mit Absicherungsgeschäften am Finanzmarkt (Hedging) abgepuffert. „Aber für 2016 ist offenkundig ein Großteil der nordamerikanischen Ölunternehmen nicht ausreichend abgesichert“, warnten vergangene Woche die Analysten der Bank of America in einer Studie.

Mehr zum Thema

Die Sorge ist nun, dass die Krise auf den Finanzsektor überschwappt und womöglich sogar Schlimmeres auslöst. Am Freitag fiel der Aktienkurs der Großbank Citigroup in New York trotz guter Quartalszahlen zeitweise um mehr als 5 Prozent. Die Anleger fürchten hohe Abschreibungen auf Kredite an die Fracking-Unternehmen, ist die Erklärung. Neben Citigroup haben auch große Konkurrenten wie JP Morgan und Wells Fargo vergangene Woche ihre Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle in der Ölbranche aufgestockt. Mike Loughlin, der oberste Risikomanager von Wells Fargo, spricht von einer „andauernden Verschlechterung im Energiesektor“.

Infografik / Öl- und Gas-Insolvenzen © F.A.Z. Vergrößern

Die Banken müssen sich um ihre eigenen Bilanzen sorgen, spätestens seit die amerikanische Notenbank Federal Reserve im November Alarm geschlagen hat. Sie hat nach Durchleuchtung der Kreditportfolios der führenden Finanzinstitute ein wachsendes Problem in Krediten an den Energiesektor ausgemacht. Von den gesamten Ausleihungen an Explorations-, Produktions und Serviceunternehmen der Branche in Höhe von 276 Milliarden Dollar sind 15 Prozent oder 34 Milliarden Dollar im Risiko zwischen Subprime und Totalausfall. Im Jahr davor waren es gerade 3,6 Prozent oder 7 Milliarden. Das ist eine Verfünffachung der schlechten Risiken.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Zukunftsbranchen Europa, aufgekauft

Chinesen und Japaner schnappen sich den deutschen Roboterhersteller Kuka und den britischen Technologiekonzern Arm. Europa hinkt in den Zukunftsbranchen hinterher – und muss schleunigst reagieren. Mehr Von Stephan Finsterbusch und Carsten Knop

23.07.2016, 16:31 Uhr | Wirtschaft
Kammerphilharmonie Bremen Rebellen im Kulturbetrieb

In Bremen spielt eines der besten Orchester der Welt. Dahinter steckt ein besonderes Gesellschaftermodell mit Musikern in Doppelfunktion. Mehr

25.07.2016, 15:50 Uhr | Wirtschaft
Überfischung Lichtblitze von ganz unten

Überfischung ist nach wie vor ein ernstes Problem, in manchen Gebieten ist die Lage fast aussichtslos. Doch es gibt auch Lichtblicke. Mehr Von Thorsten Schäfer

24.07.2016, 08:58 Uhr | Wissen
Entlegene Regionen Facebook testet Drohnen für bessere Internet-Verbindung

Mit Hilfe von unbemannten Drohnen will Facebook die Internet-Qualität besonders in entlegenen Regionen verbessern. Der Name dieses Prototyps lautet Aquila. Wie die Firma verkündete, sei nun in Yuma im amerikanischen Bundesstaat Arizona ein 96-minütiger Testflug gelungen. Mehr

22.07.2016, 15:16 Uhr | Wirtschaft
Umstrittenes Großprojekt Eine Bauausstellung würde Stuttgart 21 guttun

Eine Internationale Bauausstellung könnte das umstrittene Großprojekt Stuttgart 21 beflügeln. Es geht um ein neues Viertel auf dem ehemaligen Gleisfeld, das unter die Erde verlegt wird. Noch wird nur diskutiert. Mehr Von Oliver Schmale, Stuttgart

23.07.2016, 13:00 Uhr | Wirtschaft

Das dunkle Netz

Von Carsten Knop

Im sogenannten Darknet kann man sich Drogen und Waffen illegal und anonym beschaffen. Verschlüsselte Kommunikation im Internet ist aber nicht per se verwerflich. Mehr 2 13

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“