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Sinkende Industrieproduktion erwartet Die Wirtschaftskrise erreicht China

01.12.2011 ·  Der Wachstumsmotor China kommt ins Stottern. Erstmals seit drei Jahren droht für die Industrieproduktion ein Abwärtstrend. Peking befürchtet einen schlimmeren Einbruch als 2008.

Von Christian Geinitz, Peking
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© AFP Pudong: Das Finanzviertel in Schanghai

China stellt sich auf eine Konjunktureintrübung in der Weltwirtschaft ein, die schlimmer ausfallen könnte als der Einbruch vor drei Jahren. Nach offiziellen Zahlen vom Donnerstag könnte die Industrieproduktion in der größten Volkswirtschaft der Welt hinter den Vereinigten Staaten zum ersten Mal seit damals wieder schrumpfen. „Die gegenwärtige Krise ist düsterer und herausfordernder als die globale Finanzkrise, die 2008 durch die Insolvenz von Lehman Brothers ausgelöst wurde“, sagte der stellvertretende Finanzminister Zhu Guangyao am Donnerstag in Peking.

Die neuen Indikatoren sind ein weitere Hinweis darauf, dass sich China dem Abschwung im Westen nicht entziehen kann. Damit schwindet nach Ansicht von Fachleuten die Hoffnung, dass Chinas Nachfrage die globale Abkühlung in ähnlicher Weise wie 2008/2009 zum Teil kompensieren könnte. Damals hatten westliche Branchen wie die Automobil-, Maschinen- und Chemieindustrie einen Teil ihrer Ausfälle im Westen mit dem Chinageschäft ausgeglichen.

Der chinesische Einkaufsmanagerindex, der die Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe misst, ist nach Zahlen des Verbands für Logistik und Einkauf CFLP auf den schwächsten Stand seit 33 Monaten gefallen. Der neueste Wert von 49 Punkten deutet auf einen Rückgang der Industrieproduktion hin. Chinas Wirtschaft entwickle sich „stabil, aber dem Trend nach langsamer“, schrieb der CFLP. Der Auftragseingang sei so schwach wie seit der Krise nicht, besonders aus dem Ausland.

Früheren Angaben zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal um 9,4 Prozent gestiegen. Das war ebenfalls der schwächste Wert seit der Krise. Ähnliches gilt für den Export im Oktober. Auf der Außenhandelsmesse in Kanton vor einem Monat bestellten EU-Einkäufer 19 Prozent weniger als im Vorjahr. Die amerikanische Nachfrage ging sogar um 24 Prozent zurück. 28 Prozent des chinesischen BIP hängen am Export.

Trotz der Abschwächung wächst Chinas Wirtschaft noch immer schneller als in jedem anderen großen Land. In diesem Jahr dürfte die BIP-Zunahme mehr als 9 Prozent betragen, 2012 dann mehr als 8 Prozent. Doch das wäre der schwächste Anstieg seit zehn Jahren. Selbst in der Krise 2008 und 2009 hatte die Zunahme deutlich mehr als 9 Prozent betragen. 2010 erreichte das Wachstum 10,4 Prozent.

Ökonomen erwarten weitere Lockerung der Geldpolitik

Die Welt sehe sich „ernsten Prüfungen“ gegenüber, sagteVizefinanzminister Zhu. Wichtige Volkswirtschaften stünden vor einer Rezession. Die Entwicklungen in der EU und in Amerika hätten großes Gewicht, da sie Chinas wichtigste Handelpartner seien. In der zurückliegenden Krise habe man mit Konjunkturpaketen und einer Lockerung der Geldpolitik gegenhalten können. „Jetzt aber ist der Bewegungsspielraum für geldpolitische Manöver begrenzt.“ Zhus Skepsis bezieht sich auf die Inflation, auf die Gefahr fauler Kredite, auf Spekulationsblasen am Häusermarkt und auf die angespannten öffentlichen Haushalte. In China leiden viele Kommunen wegen der Rekordinvestitionen zur Konjunkturankurbelung unter Überschuldung, die Verbraucherpreise waren zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit drei Jahren geklettert.

Am Mittwoch war die Zentralbank von ihrem vor einem Jahr eingeschlagenen Kurs einer strafferen Geldpolitik etwas abgerückt und hatte den Banken erlaubt, wieder mehr Kredite auszugeben, um das Wachstum zu beschleunigen. Dem CFLP zufolge besteht die größte Schwierigkeit jetzt darin, „von der Inflationsbekämpfung zu stetigem Wachstum umzuschalten“. Ökonomen erwarten eine weitere vorsichtige Lockerung der Geldpolitik, aber vorerst keine Zinssenkung, um die Inflation nicht wieder aus dem Ruder laufen zu lassen. Die Teuerungsrate hatte sich im Oktober auf 5,5 Prozent abgeschwächt, liegt aber noch immer deutlich oberhalb des Regierungsziels von 4 Prozent. Um den Export zu stützen, könnte die Aufwertung des Renminbi verlangsamt werden, hieß es. Dadurch riskiere China aber eine weitere Verschlechterung der Beziehung zu Amerika.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

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