28.07.2008 · Das Urteil gegen den früheren Siemens-Direktor Reinhard Siekazcek wegen „schwarzer Kassen“ ist nur ein Startschuss. Immerhin hat der Vorsitzende Richter gewichtige Indizien dafür erkannt, dass die höchste Führungsebene von der Schmiergeldpraxis gewusst hat. Das rückt auch die Verfahren gegen Pierer & Co. in ein neues Licht.
Von Joachim JahnDas Urteil gegen den früheren Siemens-Direktor Reinhard Siekazcek wegen „schwarzer Kassen“ ist nur ein Startschuss. Schon an diesem Dienstag dürfte der Aufsichtsrat beschließen, seine früheren Vorstände und Vorstandschefs in Regress zu nehmen. Und die Staatsanwaltschaft will weitere Anklagen wegen Korruption erheben. Vor allem ermittelt sie gegen ehemalige Top-Manager wegen mutmaßlicher Verletzung ihrer Kontrollpflichten.
Was wusste die Führungsebene?
Aufsichtsräte wie Strafverfolger können sich dabei nun auch auf das Siekazcek-Urteil stützen. Immerhin hat der Vorsitzende Richter gewichtige Indizien dafür erkannt, dass die höchste Führungsebene Bescheid über das ausgeklügelte Bakschisch-System wusste. Er hat deshalb auf einen „Deal“ über das Strafmaß verzichtet.
Vielleicht überlegen sich die Münchner Staatsanwälte jetzt doch noch einmal, ob sich ihr Verdacht gegen von Pierer & Co. wirklich nur auf eine Ordnungswidrigkeit richtet. Aber auch die Aufsichtsräte dürfen sich noch auf einiges gefasst machen. Denn die Ex-Vorstände werden bei einer Zivilklage gegen sie nichts unversucht lassen, eine angebliche Mitschuld etwa von Gerhard Cromme geltend zu machen.
Joachim Jahn Jahrgang 1959, Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.
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