17.01.2012 · Mehr als 1000 Arbeitsplätze bedroht//
Von Rüdiger KöhnWenige Monate nach dem abgesagten Börsengang muss die Osram AG auf die verschärften Bedingungen im Beleuchtungsmarkt reagieren und einen Stellenabbau einleiten. Die zum Siemens-Konzern gehörende Lichtsparte hat am Dienstag angekündigt, in den nächsten drei Jahren insgesamt rund 1050 Stellen an deutschen Standorten abbauen zu wollen.
Nominal sind das 10 Prozent der im Inland beschäftigten etwas mehr als 10 000 Mitarbeiter. Eine entsprechende Übereinkunft will Osram mit der Arbeitnehmerseite in den nächsten Wochen vereinbaren.
Am härtesten ist der Standort Berlin betroffen, der seit mehr als einem Jahr mit Überkapazitäten zu kämpfen hat und auf den in diesem Jahr besonderes Augenmerk gerichtet ist. Im Werk sollen rund 400 Arbeitsplätze wegfallen, ein Viertel der Gesamtbelegschaft von 1600 Beschäftigten. Allerdings hat der Mutterkonzern Siemens, der dringend Arbeitskräfte sucht, zugesichert, bis zu 200 Mitarbeitern Transferangebote zu unterbreiten. Damit reduziert sich rechnerisch der gesamte Abbau auf insgesamt 850 Stellen.
Die Ankündigung hängt mit den schwieriger gewordenen Rahmenbedingungen und einem wachsenden Wettbewerb auf dem Lichtmarkt sowie mit den technologischen Veränderungen hin zu stark stromsparenden Leuchtdioden (LED) zusammen. Im Berliner Werk gibt es Auslastungsprobleme in der Fertigung von Hochdruckentladungslampen.
„Regulatorische Veränderungen und zugleich die weltweit gestiegene Nachfrage nach energieeffizienten Lösungen treiben das schrittweise Auslaufen traditioneller Lichttechnologien an“, begründete Osram die Maßnahmen. „LED gehört die Zukunft und wir werden den Strukturwandel aktiv betreiben“, sagte der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Dehen. „Daher ist es wichtig, offen und frühzeitig Klarheit für die Mitarbeiter zu schaffen.“ Osram habe einen „konstruktiven Dialog“ mit den Arbeitnehmervertretern und der IG Metall gestartet.
Osram beschäftigt insgesamt 41000 Mitarbeiter, davon etwa ein Viertel in Deutschland. Neben Berlin gibt es Werke in München, Augsburg, Regensburg, Schwabmünchen und Eichstätt. Rund ein Viertel des Umsatzes von 5 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2010/2011 (30. September) macht das Unternehmen schon mit LED-Technologien.
Gelindert wird der Abbau dadurch, dass in dieser Zahl die bereits im vergangenen Jahr getroffenen 250 freiwilligen Vereinbarungen enthalten sind (Altersteilzeit, vorzeitiger Ruhestand, Abfindungen); darunter allein 150 Mitarbeiter in Berlin. Zugleich investiert Osram dort in diesem Jahr 9 Millionen Euro in den Ausbau der Produktion von Automobilleuchten.
Die nun verkündeten Pläne bestätigen im Nachhinein die Entscheidung von Siemens, den im März 2011 angekündigten Börsengang auf Eis zu legen, und das nicht nur wegen der Turbulenzen am Aktienmarkt. Das widrig gewordene Branchenumfeld mit Kosten- und Preisdruck und deutlichen Nachfragerückgängen für die Energiesparlampe hatte auch Konkurrent Philips im vergangenen Sommer Probleme bereitet. Bei Osram ist indes zu hören, dass es vor allem um die Kosten- und Preisseite ginge, während die Umsätze noch stabil seien. Für das erste Quartal (Oktober bis Dezember) soll das Geschäft gegenüber dem Vorjahr gar leicht gestiegen sein, ist zu hören.
Für Osram scheint sich eine längere Wartezeit bis zum nächsten Börsentermin abzuzeichnen. Eine nachhaltige Aufhellung des Umfeldes lässt auf sich warten. Für immer mehr Analysten und Unternehmensbeobachter gilt mittlerweile ein solcher Schritt in diesem Jahr als eher unwahrscheinlich. Die Lichtsparte des Siemens-Konzerns ist Ende vergangenen Jahres nach Informationen aus Unternehmenskreisen organisatorisch aus dem neuen vierten Konzernsektor Infrastruktur & Städte herausgenommen worden. Stattdessen ist Osram als eigenständige Einheit organisatorisch direkt dem Konzernvorstand Roland Busch, zugleich Sektorchef von Infrastruktur & Städte, zugeordnet worden.
Diese Veränderung könnte zwei Gründe haben. Einerseits signalisiert der Siemens-Konzern eindeutig, dass Osram nicht mehr zum Kerngeschäft und nicht zum neu geschaffenen Sektor mit den Divisionen Verkehrstechnik, Gebäudetechnik und Energieübertragung gehört, der gerade aufgebaut wird. Andererseits erhält Osram durch die direkte Anbindung an den Konzernvorstand mehr Flexibilität, dass Entscheidungen etwa über Investitionen direkt mit dem Konzernvorstand getroffen werden können und nicht über unklare Zuständigkeiten innerhalb des Sektors Infrastruktur & Städte.
Wer zu spät kommt ...
thomas gerlach (ErnstLudwig)
- 18.01.2012, 06:54 Uhr
Warum baut man nicht 10% der Arbeitszeit ab? Teilzeit für Alle!
Wolfgang Wurtz (wolwul)
- 18.01.2012, 01:41 Uhr
"Regulatorische Veränderungen …"
Dietmar Fleischhauer (dfleischhauer)
- 17.01.2012, 20:49 Uhr
Nur gute Nachrichten aus Deutschland:
Michael Arndt (Mikel1962)
- 17.01.2012, 18:49 Uhr
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