15.02.2005 · Während sich seine Kollegen über die Zukunft der Handysparte und neue Investitionen in Indien äußern, bleibt der neue Siemens-Chef Kleinfeld unsichtbar. Genau wie seine Uhr.
Wo ist Klaus Kleinfeld? Seit knapp drei Wochen ist der 47 Jahre alte Manager Vorstandsvorsitzender von Siemens, doch seine öffentlichen Auftritte bleiben so rar wie vor seiner Berufung an die Konzernspitze. Zum aktuell wichtigsten Thema des größten europäischen Elektro- und Elektronikkonzerns, der Zukunft des Mobiltelefongeschäfts, mußte Kleinfeld erste konkrete Aussagen sogar einem anderen Vorstand überlassen.
Rudi Lamprecht, der bis Ende September Vorstandschef der Mobilfunksparte ICM gewesen ist, diktierte einem Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters am vergangenen Freitag auf einem Kongreß in München: „Es ist doch klar: Ein Geschäft, das Verlust macht, das muß doch erst mal gefixt werden - so oder so.“
Was Lamprecht in Managerdeutsch ausdrückt, bedeutet, daß das Handy-Geschäft zunächst saniert wird. Außerdem deutete er an, daß die anderen Optionen wie eine Partnerschaft oder ein Verkauf der Sparte erst nach einem gründlichen Aufräumen verfolgt werden könnten. Kleinfeld und sein Vorgänger Heinrich von Pierer haben ihre Pläne bisher hinter der Aussage versteckt, es gebe vier Möglichkeiten: sanieren, kooperieren, verkaufen oder schließen.
Ausgerechnet Lamprecht
Ein Sprecher von Siemens bemühte sich am Montag, Lamprechts Aussagen herunterzuspielen. Es sei selbstverständlich, daß das Handy-Geschäft wegen der hohen Verluste rasch in Ordnung gebracht werden müsse. „Da sind wir mit Hochdruck auch schon seit einiger Zeit dran“, sagte er. Dennoch dürften Kleinfeld und Pierer in seiner neuen Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender nicht erfreut sein, daß sich ausgerechnet Lamprecht als erster klarer zur Zukunft der Mobiltelefone geäußert hat.
Seit seiner Berufung in den Zentralvorstand im Oktober 2004 ist er im Konzern für ganz andere Aufgaben zuständig: für die Gemeinschaftsunternehmen Fujitsu Siemens Computers und Bosch Siemens Hausgeräte sowie für die Lichttochtergesellschaft Osram, die Märkte in Rußland, im Nahen Osten und in Afrika.
Als ICM-Chef hatte der 56 Jahre alte Lamprecht lange Zeit das Mobiltelefongeschäft zu sanieren, doch im vergangenen Halbjahr unter seiner Führung war von April bis September 2004 ein Verlust von 240 Millionen Euro entstanden. Nur dank der Gewinne mit Mobilfunknetzen blieb in dieser Zeit unter dem Strich ein positives Bereichsergebnis für ICM von 115 Millionen Euro.
„Wer will sich das schon ans Bein binden?“
Gefallen an Lamprechts Aussagen über die Handy-Sparte findet im Gegensatz zum Management von Siemens die IG Metall. „Unsere Auffassung wird damit bestätigt“, sagt Wolfgang Müller, Leiter des Siemens-Teams der Gewerkschaft und Mitglied im Aufsichtsrat des Konzerns. „Das Unternehmen kann die Probleme mit den Handys in den Griff bekommen, wenn Schwächen wie in der Produktentwicklung und im Marketing beseitigt werden.“ Einen Verkauf der Sparte hält Müller ohnehin für unmöglich: „Wer will sich schon dieses Ding an das Bein binden?“
Selbst im Unternehmen wird vermutet, daß Pierer und Kleinfeld die Optionen Verkauf und Schließung nur erwähnen, um den Druck auf die Beschäftigten zu erhalten und eventuell harte Sanierungseinschnitte besser durchzusetzen. Mit dem Hinweis auf den Markenwert von Siemens haben aber auch die beiden schon die Möglichkeit relativiert, das Geschäft aufzugeben.
Gewerkschafter Müller wundert sich dennoch über Lamprechts Stellungnahme: „Ich hätte eher von Herrn Kleinfeld eine Klarstellung zu den Handys erwartet.“ Die Taktik und Spielregeln im Vorstand kenne er aber nicht. „Ich bin gespannt, wie Herr Kleinfeld künftig auftreten wird.“
Arbeiten am Bild Kleinfelds
Während Pierer in der vergangenen Woche auf einem Kongreß in Bombay neue Millionen-Investitionen von Siemens in Indien angekündigt hat, hält sich Kleinfeld seit seinem Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum Ende Januar in Davos von der Öffentlichkeit fern. „Er konzentriert sich auf das Geschäft, die Kunden und die Mitarbeiter“, berichtete ein Sprecher von Siemens. An einer Strategie für Kleinfelds Presse- und Öffentlichkeitsarbeit werde noch gearbeitet, heißt es im Unternehmen.
Der Auftakt war wenig überzeugend. Zur Ernennung Kleinfelds als Vorstandsvorsitzender hatte Siemens ein offizielles Foto verbreitet, das den vielgelobten Manager mit einem Lächeln zeigte, lässig an ein Geländer gelehnt. Schon im Sommer 2004 war dieses Bild von Pierers Nachfolger verteilt worden. Damals trug Kleinfeld am linken Handgelenk noch eine Rolex für mehr als 3000 Euro. Der Presseabteilung des Konzerns erschien dieses Statussymbol jedoch zu dominant, und sie ließ die Uhr in der digitalen Nachbearbeitung verschwinden. Aufmerksamen Beobachtern blieb die Kosmetik an Kleinfelds Image aber nicht verborgen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.788,80 | +0,59% |
| FAZ-INDEX | 1.515,08 | +0,60% |
| TecDAX | 773,23 | −0,05% |
| MDAX | 10.356,30 | +0,39% |
| SDAX | 5.020,58 | +1,11% |
| REX | 421,13 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.522,34 | +0,37% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,31 | +0,42% |
| Dow Jones | 12.890,50 | +0,05% |
| Nasdaq 100 | 2.563,93 | +0,72% |
| S&P500 | 1.351,95 | +0,15% |
| Nikkei225 | 9.002,24 | −0,15% |
| EUR/USD | 1,3277 | −0,05% |
| Rohöl Brent Crude | 118,69 $ | +0,71% |
| Gold | 1.748,00 $ | +0,11% |
| Bund Future | 137,23 € | −0,37% |