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Veröffentlicht: 01.01.2017, 13:12 Uhr

Donalds Nachbarn Der Wohnalbtraum im Trump Tower

Den künftigen Präsidenten von Amerika zum Nachbarn zu haben, kann zur Tortur werden. Das Leben der Bewohner im New Yorker Trump Tower ist wegen der massiven Sicherheitsvorkehrungen komplizierter denn je. Makler tun sich schwer, Käufer zu finden.

von , New York
© Reuters Ärger um Trump Tower: Immobilien verlieren massiv an Wert.

Donald Trump hat viele Nachbarn. Der künftige amerikanische Präsident bewohnt ein dreistöckiges Penthaus im nach ihm benannten Trump Tower an der New Yorker Fifth Avenue. Daneben gibt es in dem Gebäude aber noch mehr als 250 andere Wohnungen. Und ebenso wie sich seit Trumps Wahl die Sicherheitsvorkehrungen vor dem Trump Tower verschärft haben, hat sich auch das Leben für die Menschen in dem Wolkenkratzer erheblich verändert.

Roland Lindner Folgen:

Eine Maklerin erzählte der Online-Publikation „DNA Info“ kürzlich, Bewohner müssten jetzt jedes Mal der Rezeption mitteilen, wenn sie das Gebäude verlassen wollen, und zwar eine Stunde vorher. Das Leben im Trump Tower sei zu einem „Albtraum“ geworden, habe ein Bewohner geklagt. Die Maklerin sagte, sie rechne damit, dass weitere Eigentümer versuchen werden, ihre Wohnung zu verkaufen.

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Schon jetzt sind mehr als Dutzend Appartements im Trump Tower auf dem Markt, und in einigen Fällen wurden die Preise erheblich reduziert. Zum Beispiel für eine rund zweihundert Quadratmeter große Wohnung, die sich auf zwei Stockwerke erstreckt. Nach Angaben des Immobilienportals „Street Easy“ kam das Objekt schon im August 2015 auf den Markt, zunächst für 6,9 Millionen Dollar. Seither wurde der Preis drei Mal reduziert. Im Moment kostet die Wohnung etwas weniger als sechs Millionen Dollar. Ein knapp hundert Quadratmeter großes Objekt hat gerade für knapp 2,2 Millionen Dollar einen Käufer gefunden. Ursprünglich wurden fast drei Millionen Dollar verlangt.

Enorme Rabatte auf Luxuswohnungen

Nachlässe gibt es auch bei Wohnungen, die vermietet werden. Für ein einhundert Quadratmeter großes Appartement im Trump Tower wurde die Monatsmiete kurz nach der Wahl von 8500 auf 7500 Dollar reduziert. Eine größere Wohnung, die zu Jahresbeginn einmal für monatlich 40.000 Dollar ausgeschrieben war, kann jetzt für 28.000 Dollar gemietet werden.

Ein Schnäppchen sind die Domizile im Trump Tower damit freilich noch immer nicht. Zumal die Eigentümer auch erhebliche Nebenkosten für ihre Immobilien zu tragen haben. Im Falle der gerade für knapp sechs Millionen Dollar angebotenen Wohnung sind es zum Beispiel 3620 Dollar im Monat. Aber schließlich wird das Gebäude auch als Luxusadresse vermarktet. Die Makler schwärmen, es verkörpere einen „kühnen, erfolgreichen Lebensstil“. Andererseits ist es schon etwas in die Jahre gekommen und sieht sich der Konkurrenz einer Reihe neuer Luxustürme gegenüber, die in jüngster Zeit ganz in seiner Nähe gebaut wurden.

Der Trump Tower wurde 1983 eröffnet. Er war damals der erste Wolkenkratzer, der den Namen von Donald Trump trug. Außerdem war er in New York das höchste Gebäude mit einer reinen Glasfassade. Mit ihm begann Trump, sich selbst zu einer Marke und zu einer New Yorker Berühmtheit zu machen. Der Turm ist auch ein Beispiel für Trumps Neigung, dick aufzutragen. Das Gebäude wird als 68 Stockwerke hoher Wolkenkratzer vermarktet, in Wahrheit hat es aber lediglich 58 Stockwerke.

Medienrummel schreckt Kundschaft ab

Wenn die Bewohner des Trump Tower in diesen Tagen das Gebäude verlassen, treffen sie auf Polizisten, Barrikaden und Fernsehteams. Der Turm wird nun rund um die Uhr bewacht, die New Yorker Polizei stellt an jedem Tag 200 Polizisten für ihn bereit, die in zwei zwölfstündigen Schichten arbeiten. Die Inhaber von Geschäften rund um den Trump Tower haben geklagt, dass der Rummel die Kundschaft abschreckt. Auch nach Trumps Vereidigung am 20. Januar wird es wohl keine vollständige Rückkehr zur Normalität geben. Trump hat gesagt, er wolle auch künftig öfter mal nach Hause kommen, und seine Frau Melania und der gemeinsame Sohn Barron wollen ohnehin zunächst einmal in New York bleiben.

© AP, afp Der Trump-Tower wird Touristenmagnet

Jenseits der gegenwärtigen Unannehmlichkeiten stellt sich auch die grundsätzliche Frage, wie zugkräftig Trumps Marke im Immobilienmarkt noch ist, gerade in seiner Heimatstadt New York, die im November mit überwältigender Mehrheit gegen ihn gestimmt hat.

Bewohner eines New Yorker Mietkomplexes mit dem Namen „Trump Place“ haben kürzlich durchgesetzt, dass ihr Gebäude umbenannt wird, weil sie Trumps Auftreten im Wahlkampf für inakzeptabel hielten. Gerade was den Trump Tower betrifft, könnten es manche Menschen vielleicht auch schick finden, im gleichen Gebäude zu wohnen, in dem auch der amerikanische Präsident ein Penthaus hat. Aber so zäh, wie das Geschäft mit den Wohnungen im Trump Tower im Moment läuft, ist wohl kein Ansturm von Interessenten zu erwarten.

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