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Sicherheitsbranche Untreueverdacht bei Geldtransportfirma

30.08.2006 ·  Die Geschäftsführung der Sicherheitsfirma Arnolds wird verdächtigt, rund 16,5 Millionen Euro veruntreut zu haben. Nach dem Skandal bei Heros Anfang des Jahres wäre dies das zweite Debakel in der Sicherheitsbranche. Verdi fürchtet, daß Arbeitsplätze wackeln.

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Ein halbes Jahr nach dem Untreueskandal bei Deutschlands größtem Geldtransportunternehmen Heros droht der Branche ein neues Debakel. Die Geschäftsführung der Essener Sicherheitsfirma Arnolds steht nach Polizeiangaben im Verdacht, rund 16,5 Millionen Euro veruntreut zu haben.

Gegen die drei Geschäftsführer des Unternehmens erging am Mittwoch Haftbefehl, wie die Polizei mitteilte. Zwei geschäftsführende Gesellschafter waren am Dienstag freiwillig bei der Essener Staatsanwaltschaft erschienen und hatten in ihrer Vernehmung eingeräumt, daß seit dem Jahr 2001 ein Fehlbetrag von rund 16,5 Millionen Euro entstanden sei. Sie waren damit einer unmittelbar bevorstehenden Durchsuchung der Geschäftsräume zuvorgekommen.

Ermittlungen seit Anfang Juni

Die Staatsanwaltschaft hatte seit Anfang Juni wegen Untreueverdachts gegen die Manager ermittelt. Auch der dritte Geschäftsführer wurde kurz darauf festgenommen. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wilhelm Kassenböhmer sagte, es gebe noch keine Hinweise, daß sich die Tatverdächtigen persönlich bereichert hätten. Es stehe auch noch nicht fest, ob Kunden geschädigt worden seien.

„Das ist für die Branche ein großer Vertrauensverlust“, betonte dennoch der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW), Harald Olschok. Der Preisverfall in der Branche habe in den vergangenen Jahren bei vielen Unternehmen zu roten Zahlen geführt. Daher sei denkbar, daß entstandene Lücken mit den Geldern gestopft worden seien, spekulierte der Branchenkenner.

Aldi, Lidl und Rewe haben Zusammenarbeit eingestellt

Die Gewerkschaft Verdi fürchtet unterdessen um die Zukunft der Arbeitsplätze bei dem Unternehmen. Das Unternehmen Arnolds Sicherheit beschäftigt rund 2.100 Mitarbeiter unter anderem an den Standorten Essen, Dortmund, Düsseldorf, Hamm und Köln. Die Firma ist in den Bereichen Bewachung, Geld- und Wertdienste, Revier- und Kurierdienste sowie Gleisbausicherung tätig. Am Standort Essen betreibt das Unternehmen zusätzlich eine Sportmarketing-Agentur.

Die Arnolds-Kunden Aldi, Lidl und Rewe hätten die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen bereits eingestellt, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Ralf Hübsch. Man bemühe sich deshalb, Arnolds-Mitarbeiter an andere Firmen der Branche zu vermitteln.

Immer wieder Ärger wegen später Lohnzahlungen

Schon seit drei Jahren habe es mit Arnolds immer wieder Ärger wegen verspäteter Lohnzahlungen gegeben, berichtete er. „Wir hatten schon den Verdacht, daß die Firma eigentlich nicht mehr die Gelder hat, um die laufenden Kosten zu bezahlen.“ Rewe-Sprecher Wolfram Schmuck betonte, es sei noch nicht absehbar, ob das Unternehmen Schäden erlitten habe. Ein großer Verlust sei auf keinen Fall zu erwarten.

Auch Deutschlands größte Elektronikmarktkette Media-Saturn, die ebenfalls zu den Arnolds-Kunden gehörte, erklärte: „Wir gehen nach dem heutigen Stand davon aus, daß wir nicht geschädigt wurden.“ Bei Arnolds selbst war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. „Wir sind im Moment ziemlich kopf- und führungslos“, hieß es dort lediglich.

Zweiter Skandal nach Heros

Erst Anfang des Jahres hatte der Betrugsskandal beim Geldtransportunternehmen Heros die Branche erschüttert. Die Staatsanwaltschaft Hannover wirft dem Heros-Eigentümer und mehreren weiteren Tatverdächtigen vor, die Kunden des Unternehmens um rund 350 Millionen Euro geschädigt zuhaben. Den Ermittlungen zufolge sollen die Verdächtigen das Geld in einer Art Schneeballsystem innerhalb mehrerer Jahre aus den von Heros transportierten Kundengeldern abgezweigt haben.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP und dpa
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