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Shopping vor dem Jahreswechsel Eingelöst statt umgetauscht

 ·  In den Tagen vor Neujahr sieht Deutschland rot: Schnäppchenjäger freuen sich über günstige Textilien und übrig gebliebenen Weihnachtsschmuck, der Handelsverband Deutschland über einen Rekordumsatz.

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Auf die Christbaumkugeln hatte es Marisa Schneider schon vor dem Fest abgesehen. Nun steht sie unschlüssig vor dem Regal mit Weihnachtsschmuck und inspiziert die Rabatt-Aufkleber. Grün und glänzend oder doch lieber blau und matt? Letztlich sei es ja egal, sagt die Dreiundsechzigjährige, beides sei reduziert und mache was her. Weihnachten komme ja doch jedes Jahr wieder. Ihre Weihnachtsdekoration kaufe sie darum immer erst nach den Feiertagen.

Während Marisa Schneider Weihnachten 2013 schon einmal vorbereitet, hat Steffen Siewert längst umgeschaltet: Für den Pressesprecher der Galeria Kaufhof in Frankfurt endet Weihnachten am 27. Dezember Punkt zehn Uhr. Dann, wenn das Sales-Geschäft zwischen den Jahren beginnt. Besonders logistisch sei die Umstellung von Vorweihnachtszeit auf Ausverkauf eine Herausforderung, sagt Siewert. In diesem Jahr könnte es für ihn und sein Team besonders hektisch werden, denn der deutsche Einzelhandel rechnet mit einem neuen Rekord im Weihnachtsgeschäft.

Nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) wird der Umsatz um 1,5 Prozent auf das Rekordniveau von 80,4 Milliarden Euro steigen. „Wir rechnen zwischen den Feiertagen mit vollen Innenstädten. Das sind sehr umsatzträchtige Tage“, sagte der Sprecher des Branchenverbandes HDE, Stefan Hertel, am Donnerstag in Berlin.

Nicht nur beim Christbaumschmuck gibt es großzügige Preissenkungen. Vor allem bei Textilien dürfen sich die Verbraucher über Nachlässe freuen. Genau sagen, welche Artikel die Kunden in der Zweit zwischen den Jahren favorisieren ließe sich aber noch nicht, da es momentan keine aktuellen Umfragen vorliegen, heißt es beim HDE. Auch die genauen Umsatzzahlen werden erst im Januar bekanntgegeben. Dennoch seien die Tage vor dem Jahreswechsel „eine heiße Phase für das Weihnachtsgeschäft“, sagte Branchensprecher Kai Falk. Das liege besonders daran, dass viele Verbraucher Urlaub haben und die Zeit nutzen werden, um Gutscheine und Geldgeschenke einzulösen. So steht der Ausverkauf 2012 unter dem Motto einlösen statt umtauschen. In den letzten Jahren geht die Zahl derer, die nach den Feiertagen ungeliebte Präsente loswerden möchten, zurück. Eine Entwicklung, die man auch bei Kaufhof beobachten kann. Es gäbe weniger Kunden, die gekommen sind, um Geschenke umzutauschen. „Die Leute schenken bewusster“, sagt Siewert.

In diesem Jahr lag abgesehen von Gutscheinen und Geldgeschenken vor allem Digitales unter dem Weihnachtsbaum. Neben Kameras, Smartphones und Computerspielen waren besonders elektronische Bücher (E-Books) ein Erfolg. So auch beim Buch- und Medienhändler Weltbild. Der neue „eBook Reader 4“ sei im Weihnachtsgeschäft ein Verkaufsschlager gewesen. Zum Fest wurde eine sechsstellige Zahl der digitalen Lesegeräte ausgeliefert und in den Weltbild-Läden verkauft. „Wir haben unseren eBook-Marktanteil im Verbund unserer Marken auf rund 20 Prozent ausbauen können.“, sagte Carel Halff, Vorsitzender der Weltbild-Geschäftsführung.

Aber auch „klassische“ Geschenke wie Schmuck und Kleidung haben 2012 wieder an Beliebtheit gewonnen. Das bescherte auch der Kosmetikindustrie ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft. Die steigenden Umsätze aus den ersten drei Quartalen seien in der Vorweihnachtszeit bestätigt worden, sagt Martin Ruppmann, Geschäftsführer des Kosmetikverbandes. Die Branche profitiere von der anhaltenden Konsumneigung der Deutschen. Für das bevorstehende Geschäftsjahr 2013 zeigen die Vertreter der Kosmetikbranche dennoch eher verhaltenen Optimismus. Etwa zwei Prozent Umsatzwachstum seien zu erwarten, so Ruppmann. Grund für die vorsichtige Prognose seien die europäische Schuldenkrise und ein insgesamt raues weltwirtschaftliches Klima.

Mützen verkaufen sich nur gut, wenn Schnee fällt

Kräftig reduziert wird nach Angaben des HDE auch im Bereich Sportartikel. „Besonders gut lief es im Sporthandel wegen des Wintereinbruchs“, sagte Hertel. Marco Heil kann das nur bedingt bestätigen. In der Filiale des Sportartikel Vertreibers Mammut auf der Frankfurter Zeil gebe es beim Weihnachtsumsatz kaum einen Unterschied im Vergleich zu den Vorjahren. „Winterschuhe und Mützen verkaufen wir nur, wenn auch wirklich Schnee fällt. In unseren Breiten ist das eher schwierig. Wir müssen sehen, dass wir über das Jahr verteilt, die Artikel verkaufen.“ Für Sales-Aktionen sei es auch noch zu früh. „Wenn wir jetzt schon anfangen uns an den großen Ketten zu orientieren und Rabatte zu geben, bringt uns das wenig“, sagt Heil. Rabatt könne schließlich auch schnell als Ramsch aufgefasst werden.

Auch im neuen Jahr werden die Sales-Aktionen fortgesetzt. Laut HDE soll der freiwillige Winterschlussverkauf Ende Januar noch einmal für eine Umsatzsteigerung sorgen. Marisa Schneider hat sich derweil für beide Sorten Christbaumkugeln entschieden. Die werden schließlich nicht schlecht und sind auch nicht wetterabhängig.

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