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„Sharing Economy“ : Können Sozialisten besser teilen?

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Eine Station für Leihfahrräder in Schanghai Bild: Bloomberg

Die Chinesen verleihen gegen Geld fast alles: Nicht nur Autos und Fahrräder, sondern auch Regenschirme und Basketbälle. Der Boom der „Sharing Economy“ könnte am sozialistischen Erbe des Landes liegen.

          Muss man alles besitzen, was man benutzen will? Natürlich nicht. Deshalb gibt es am Badesee den Bootsverleih und in jeder Stadt eine Autovermietung. An den Universitäten wurden schon vor Jahrzehnten am Schwarzen Brett Mitfahrgelegenheiten vermittelt. Landwirte teilen sich seit jeher Mähdrescher und anderes teures Gerät, das Konzept heißt Maschinenring. Aber das klingt viel zu verstaubt im Zeitalter der Digitalisierung. Da passt „Sharing Economy“ besser, zu Deutsch „Wirtschaft des Teilens“. Das hört sich jedenfalls auf Englisch schwer nach Silicon Valley und außerdem fast schon wohltätig an. Teilen, ist das nicht sogar eine Form von christlicher Nächstenliebe?

          Die deutschen Aushängeschilder der „Sharing Economy“ heißen Flinkster, Drive Now, Car-2-Go. Autos mit diesen Aufschriften sind im Großstadtverkehr in München und Frankfurt, Hamburg und Berlin immer öfter zu sehen. An der roten Ampel werden sie von Radfahrern überholt, die auf Leihrädern der Deutschen Bahn unterwegs sind. „Carsharing“ und „Bikesharing“ sind in den vergangenen Jahren in Deutschland populär geworden. Jeweils mehr als eine halbe Million Kunden haben Car-2-Go, ein Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und dem Mietwagenunternehmen Europcar, sowie Drive Now, der von BMW und Sixt betriebene schärfste Wettbewerber. Tendenz steigend.

          Ähnlich wie in Europa

          Noch schneller allerdings wächst die gefühlte Mutter aller „Sharing“-Plattformen, der Wohnraumvermittler Airbnb. Warum auch sollte man die eigene Wohnung während der Ferien oder einem längeren Auslandsaufenthalt leer stehen lassen? Das wäre doch Verschwendung. Viel besser, jemand anders zieht dort zeitweise ein, der vorübergehend eine Bleibe sucht. Airbnb bringt Angebot und Nachfrage zusammen, ist also im Silicon-Valley-Jargon ein Community-Marktplatz. Und tatsächlich, die Firma hat ihren Sitz in Kalifornien, wo nach allgemeiner Überzeugung die Zukunft und mit ihr die „Sharing Economy“ zu Hause ist.

          Aber gerade diese Überzeugung entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein Irrtum. Nicht Amerika, sondern ausgerechnet China liegt beim „Sharing“ ganz weit vorne. Das hat jetzt die Bank of America Merrill Lynch herausgefunden. In China sind einer Studie der Großbank zufolge 78 Prozent der Internetnutzer nach eigener Auskunft dazu bereit, eigene Güter leihweise und gegen Bezahlung zu teilen, sogar 81 Prozent würden demnach Güter von anderen gegen eine Leihgebühr nutzen. In Nordamerika dagegen sind nur 52 Prozent der Internetnutzer bereit, eigene Güter zu teilen; nur 43 Prozent würden Güter von anderen Privatleuten nutzen. Ähnlich sieht es in Europa aus.

          Dynamischer Kapitalismus in China

          Wie lässt sich dieser große Unterschied erklären? Die Fachleute aus der Bank liefern die Antwort gleich mit, vielleicht inspiriert vom alten chinesischen Sprichwort „Wenn du unaufhörlich gibst, wirst du unaufhörlich haben“. Die Bewohner von sozialistisch geprägten Ländern mit traditionell geringer wirtschaftlicher Freiheit sind demnach der Idee des Teilens besonders zugewandt, deshalb habe die „Sharing Economy“ in China einen eindeutigen Standortvorteil. Besser als in China, wo der Staat seit Maos Zeiten die Wirtschaft zentral steuert und Privatbesitz lange keine große Rolle spielen durfte, so lautet das Argument, können es „Sharing“-Anbieter kaum haben. Umgekehrt sieht es in den Vereinigten Staaten aus, wo der Privatbesitz schon immer im Vordergrund gestanden und jede Form von Kollektivismus einen miesen Ruf gehabt habe. Denkbar schlechte Voraussetzungen fürs Teilen, Tauschen und Leihen.

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