03.07.2002 · Ein innovatis Konzept: Bei Gregor Reum müssen Anleger nur für Prognosen bezahlen, die zu 100 Prozent aufgehen.
Wahrlich nicht einfach haben es die Analysten bei vielen Banken und Instituten. Oft müssen sie sich täglich oder wöchentlich zu den Märkten äußern und Anlageempfehlungen aussprechen, egal wie lethargisch oder wenig lukrativ das Marktumfeld aussieht. Gepaart mit dem Dilemma, dass ihre Arbeitgeber bei einer Prognose von „bloß nichts machen“, keine Umsätze generieren. So waren sie in den vergangenen zwei Jahren in einer denkbar unbequemen Lage.
Wohl dem, der nicht unter diesem Druck steht und als freier Analyst sein eigener Herr ist. Bloß, wie soll er Geld verdienen? Die wenigsten Investoren bezahlen für Analysen, die sie von anderer Stelle umsonst bekommen. Den freien Analysten fehlt dagegen die Quersubvention aus dem Handel oder dem Investmentbanking.
Trefferquote von 80 Prozent
Seit Anfang des Jahres versucht Gregor Reum aus Saarbrücken ein neues Geschäftsmodell. Der Diplom- und Bankkaufmann gibt in unregelmäßigen Abständen Prognosen zu Aktien, Zinsen und Währungen ab. Nur, wenn er an den Finanzmärkten attraktive Chancen wittert, meldet er sich zu Wort. Damit entgeht er dem Druck, dass er regelmäßig Stellung bezieht, ohne dass es das Marktgeschehen hergibt.
Das besondere an seinen Prognosen ist, dass die Kunden nur bezahlen müssen, wenn seine Weissagungen aufgehen. Sieht er eine Trading-Chance, so meldet er sich bei seinen bislang 32 Kunden und erklärt, zu welchen Markt er eine Prognose abgibt und wie hoch das Chance- und Risikoverhältnis ist. Dann können sich die Kunden überlegen, ob sie diese Analyse abfragen und entsprechend darauf handeln wollen.
Nur wenn die Prognose zu 100 Prozent aufgeht und die Kunden diese abrufen, bekommen sie die Gebühren belastet. „Ich fühle mich selbst unwohl, wenn ich eine falsche Prognose abgebe“, erklärt Reum. Dies würde er noch schlimmer empfinden, wenn er seinen Kunden dafür auch noch Geld abverlangen würde. Dabei liegt der Analyst mit seinen bisherigen Prognosen gut im Rennen und dürfte noch mit ruhigem Gewissen schlafen. Im vergangenen Jahr lag seine Trefferquote bei über 80 Prozent, was weit über dem Durchschnitt liegt. Zudem gibt er ein genaues Niveau an, von wo seine Prognose als falsch einzustufen ist.
Märkte haben sich verändert
Seine Prognosen beinhalten immer eine bestimmte Kursrange, die der Aktien-, oder Devisenkurs erzielen muss. Dabei konzentriert sich der ehemalige Daytrader auf Wendepunkte an Märkten mit einem anschließenden relativ großem Preisänderungspotenzial. Seine Prognosen basieren in erster Linie auf einer psychologie-basierten technischen Analyse. Von der reinen Charttechnik hält Reum nichts mehr. „Rund 90 Prozent der Trendausbrüche sind Fehlsignale“.
Seiner Meinung nach haben sich die Märkte in den vergangenen zwei Jahren so verändert, dass die klassische technische Analyse nicht mehr zeitgerecht ist. Die Lethargie an den Märkten und die Illiquidität haben auch dazu geführt, dass er sich von seinem Daytrading zurück gezogen hat. „Ich werde jetzt vielleicht noch 30 Mal im Jahr im Handel aktiv. Mehr attraktive Chancen sehe ich derzeit kaum“, so Reum, der übrigens auch auf seine eigenen Prognosen handelt.
Gestaffelte Gebührenspanne
Geeignet sind seine Prognosen eher für Investoren mit einem größeren Anlagevolumen oder für Institutionelle. Denn Privatanleger müssen bei Erfolg 174 Euro bezahlen, Institutionelle 870 Euro. Das heißt, Investoren müssen mit entsprechenden Summen agieren, damit sich die Prognose auch lohnt. „Dies sind aber noch immer günstigere Konditionen als die üblichen Provisionssätze für die Vermögensverwaltung“, so Reum. Zudem gibt es drei Probeprognosen gratis, natürlich auch mit Erfolgsgarantie. Falls die Probeprognosen nicht aufgehen, geht es solange weitere, bis drei Geschäfte mit Gewinn heraus gespungen sind.
„Manchmal ist es auch ärgerlich, wenn meine Prognosen nur knapp das Kursziel verfehlen“, sagt Reum. So hatte er im September 2001 den Wendepunkt im Nasdaq 100 korrekt vorhergesagt und ein Kursziel von 1.750 Punkten für den Index prognostiziert. Bis Anfang Dezember schaffte es der Nasdaq 100 allerdings nur bis 1.720 Punkten. Zwar lagen die Anleger mit seiner Empfehlung richtig, aber bezahlen mussten sie die Prognose nicht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,25 $ | −0,56% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?