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Senioren : Wie arm oder reich sind Deutschlands Rentner?

Wie ein Schatten: Die deutschen Rentner verfolgt der Armutsverdacht. Bild: dpa

Die Durchschnittsrente sagt wenig über den Rentnerwohlstand. Zwar liegt jede zweite Rente unter 700 Euro. Doch die Statistik ist verzerrt durch Selbständige, Hausfrauen und Beamte. Derzeit ist Altersarmut noch nicht verbreitet.

          Die Höhe der gesetzlichen Durchschnittsrente sagt nur wenig über den Wohlstand der Rentner in Deutschland aus. Zu dieser Einordnung der statistischen Zahlen sieht sich die Deutsche Rentenversicherung veranlasst. Die „Bild“-Zeitung hatte berichtet, dass jede zweite gesetzliche Rente niedriger ausfalle als die staatliche Grundsicherung in Alter von rund 700 Euro. „Die Rentenhöhe allein kann keine Auskunft über die Einkommenslage von Rentnerhaushalten geben“, teilte die Rentenversicherung am Dienstag in Berlin mit. „Das häufige Vorkommen von Renten unter 700 Euro beruht zu einem erheblichen Anteil darauf, dass Versicherte nur kurze Zeit in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Hierzu zählen etwa Selbständige, Hausfrauen und Beamte.“ Aus dem Alterssicherungsbericht der Bundesregierung von 2012 ergebe sich, dass geringe Renten in der Regel durch das Einkommen des Ehepartners oder zusätzliche Sozialleistungen aufgestockt würden. „Nach der Studie liegt das durchschnittliche Nettoeinkommen eines Ehepaars im Westen bei über 2500 Euro, im Osten bei rund 2000 Euro“, hebt die Rentenversicherung hervor. Derzeit bekämen nur rund 2 Prozent der Altersrentner über 65 Jahre zusätzlich zur Rente Grundsicherung, weil ihre Rente und weitere Einkommen zusammen unter dem Grundsicherungsniveau von 700 Euro lägen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Nach der Statistik der Rentenversicherung erhielten im vergangenen Jahr 48,21 Prozent der Alters- und Erwerbsunfähigkeitsrentner weniger als den Betrag, der Rentnern im Schnitt als Grundsicherung einschließlich Miete und Heizung zusteht. Besonders hoch sei der Anteil der Renten unter 700 Euro bei Frauen im Westen. Dort liege er bei rund 73 Prozent. Bei Erwerbsunfähigen, die voriges Jahr in Frührente gegangen seien, habe er zwischen 57,25 Prozent (Männer West) und 69,2 Prozent (Männer Ost) gelegen.

          Der Vorsitzende der Senioren-Union, Otto Wulff, warnte vor voreiligen Schlüssen. „Man muss das Haushaltseinkommen insgesamt betrachten“, sagte er. Es gebe Frauen, die nur 100 Euro Rente im Monat bekämen, die aber durch die Einkommen ihrer Ehemänner über eine wesentlich höhere Summe verfügten. Von der heutigen Rentnergeneration seien Frauen überwiegend nicht erwerbstätig gewesen. Der CDU-Rentenpolitiker Peter Weiß warnte vor verfälschenden Darstellungen der sozialen Lage in Deutschland. „Es wird vor Lügen, Halbwahrheiten und der Unterschlagung von Fakten nicht zurückgeschreckt, wenn es darum geht, ein Zerrbild von akuter Altersarmut in Deutschland zu zeichnen“, kritisierte Weiß. In Wirklichkeit bezögen nicht einmal drei Prozent der heutigen Rentner Grundsicherung im Alter. „Das durchschnittliche Alterseinkommen von Ehepaaren liegt dem offiziellen Alterssicherungsbericht zufolge bei 2433 Euro, das von alleinstehenden Männern bei 1560 Euro und von alleinstehenden Frauen bei 1292 Euro.“ Das zeige deutlich, dass ein großer Teil der Rentner nicht nur Einkünfte aus der gesetzlichen Rente beziehe, sondern auch aus Beamtenpensionen und anderen Versorgungssystemen sowie betrieblicher und privater Vorsorge.

          Weiß sagte weiter, es sei unbestritten, dass die demographische Entwicklung eine große Herausforderung darstelle. Richtig sei auch, dass die Gefahr von Altersarmut langfristig steigen werde. „Weitere Schritte sind erforderlich und bereits angedacht“, sagte Weiß. Im Wahlprogramm der Union wird voraussichtlich der Vorschlag von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen nach einer Lebensleistungsrente für Geringverdiener von bis zu 850 Euro sowie höhere Mütterrenten Niederschlag finden, die vor Altersarmut schützen sollen. SPD und Grüne werben mit ihren Modellen der Solidar- und Garantierente von 850 Euro.

          Quelle: F.A.Z.

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