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Sechs Personen festgenommen : Millionenbetrug mit Euro-Schrottmünzen

  • -Aktualisiert am

Ab in den Schrott: Eine Münzentwertungsmaschine bei der Arbeit Bild: Deutsche Bundesbank

Die Bundesbank soll mit der Wiedereinführung bereits verschrotteter Euro-Münzen um rund sechs Millionen Euro betrogen worden sein. Sechs Personen wurden verhaftet. Betrüger haben die verschrotteten Euro-Münzen in China angeblich wieder zusammengesetzt.

          Die Frankfurter Polizei hat einen großen Münzbetrug aufgedeckt und sechs Personen festgenommen. Die Beschuldigten sollen in den vergangenen vier Jahren 29 Tonnen Münzschrott erworben, Münzteile wieder zusammengesetzt und bei der Bundesbank eingeatauscht haben. Die Münzen hatten einen Nennwert von 6 Millionen Euro, heißt es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Frankfurt.

          Jedes Jahr ziehen Bundesbank und die anderen Notenbanken des Euro-Systems einige tausend Tonnen schadhaftes Münzgeld aus dem Verkehr. Große Mengen beschädigter Münzen nimmt die Bundesbank-Filiale in Mainz an. In Deutschland gehen diese Münzen dann an die fünf Prägestellen des Bundes. Dort werden bei den Ein- und Zwei-Euro-Stücken der innere Teil (die Pille) aus dem Rahmen gedrückt und beide Teile anschließend plattgewalzt.

          Mutmaßlich ist dieser Schritt bei dem von den Betrügern genutzten Schrott unterblieben, was den Betrug erleichtert haben könnte. Das Rohmaterial muss jedoch nicht aus Deutschland stammen. Denkbar ist auch, dass der Münzschrott in anderen Euro-Ländern abgegriffen wurde.

          Beim Verschrotten alter Münzen werden Pille und Ring industriell getrennt: Laut Staatsanwaltschaft wurden die Teile in China aber wieder zusammengesetzt

          Die Falschmünzer sollen den Schrott überwiegend nach China transportiert haben, vier von ihnen stammen aus China. Dort wurden die Teile wieder zusammengesetzt und anschließend per Flugzeug - drei der Beschuldigten arbeiten als Flugbegleiter für die Lufthansa - nach Deutschland gebracht. Eine der Stewardessen fiel beim Zoll auf, weil sie wegen der schweren Münzen sichtlich Mühe hatte, ihr Handgepäck von der Stelle zu bewegen. Zu diesem Zeitpunkt sei allerdings schon ermittelt worden, berichtet eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen seien nach einem Hinweis einer Bank wegen Geldwäscheverdacht aufgenommen worden.

          Die Bundesbank tausche kostenfrei beschädigte Münzen ein und erstattet den vollen Wert, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. Das könne aus Sicht der Betrüger den Betrug wirtschaftlich begünstigt haben. Die Münzen müssen in einem Sicherheitsbehälter (Safebag) eingereicht werden, jeweils mit Münzen im Nennwert von 1000 Euro. Die Bundesbank kontrolliere den Wert in erster Linie durch Wiegen und mit Stichproben auch durch die Ansicht.

          Die Ermittlungen richten sich unter anderem gegen Mitarbeiter der Lufthansa, aber nicht gegen Mitarbeiter der Bundesbank oder der deutschen Prägestellen, die im Auftrag des Bundes neue Münzen herstellen und aussortierte Münzen verschrotten.

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