Einmal angenommen, Griechenland wäre als Land außerhalb der Währungsunion in Schwierigkeiten geraten, etwa so wie Argentinien im Jahr 2001. Längst wäre das Land nach den Regeln des für Staatspleiten zuständigen Pariser Clubs umgeschuldet worden. Dazu gehören die Abwertung der Währung, ein generelles Verschuldungsverbot oder wahlweise deutlich verschärfte Kreditbedingungen für Neuschulden und ein von den Gläubigern überwachtes strenges Effizienzprogramm. Bei Argentinien hat die Rosskur funktioniert. Das Land ist heute in leidlich guter Verfassung. Gipfeltage und -nächte internationaler Regierungskonferenzen samt üppiger Rettungspakete und Solidaritätsbekundungen bedurfte es dazu nicht.
Üppige Rettungspakete zu günstigeren Konditionen
„Unzumutbar“ schallt es heute aus dem Euroraum, wenn man den Griechen Argentinien als Vorbild präsentiert. Einen Schuldenschnitt gibt es für die Griechen jetzt zwar auch, freilich diktiert von den Schuldnern. Die Freiwilligkeit der Gläubiger entspricht – nach einem Bonmot von Commerzbank-Chef Blessing – in ungefähr der Freiwilligkeit eines Geständnisses vor der Inquisition. Weder Pfand noch anderes erhalten sie im Gegenzug für ihren Verzicht. Und anstatt die Zinsen zu erhöhen, offerieren die Euroländer dem Pleitestaat üppige Rettungspakete zu günstigeren Konditionen, als der Markt sie bietet.
Wenn es wenigstens hülfe! Schon jetzt addieren sich Griechenhilfe I und II auf 240 Milliarden Euro. Und noch bevor der Bundestag an diesem Montag darüber berät, stimmt der deutsche Finanzminister die Bürger schon auf das nächste Paket ein. Wenn Schäuble das sagt, wird wohl was dran sein. Er sollte freilich gelegentlich auch sagen, warum unablässig gutes Geld schlechtem Geld hinterhergeworfen wird. Gelbe Karte ohne Rote Karte verdirbt die Spielkultur, sagt der Marburger Ökonom Alfred Schüller. Der Mann hat Recht.
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