10.07.2011 · Angesichts der Debatte zur Schuldenkrise mag sich mancher Grieche fragen, was eigentlich schlimmer ist: die Krise selbst, die Hilfen aus reichen Euroländern oder die Herablassung der Regierenden dieser Länder. Doch mögen die Griechen bedenken, dass Finanzminister Schäuble es ja nur gut meint mit seinen Ratschlägen, wie die Griechen den Weg aus der Misere meistern.
Von Winand von PetersdorffDer deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat in seiner großen Güte der griechischen Regierung und der Allgemeinheit seine Beobachtung zur Kenntnis gebracht, dass in Griechenland die Sonne mit einer Beständigkeit zu scheinen pflegt, die jene in der Sonnenrepublik Deutschland übertrifft.
Doch damit nicht genug. Der Minister hat es sich nicht nehmen lassen, den von schwierigen Zeitläuften arg zerzauselten und verwirrten Griechen den Hinweis zu geben, dass sich aus Sonnenlicht Strom gewinnen lasse mit Hilfe von Solarzellen. Diesen innovativen Ratschlag verband der Minister mit der warmherzigen Einladung: Wir nehmen die Griechen mit bei der Wende hin zu erneuerbaren Energien. Denn, weiß der große Vordenker, mit Sonnenstrom hätte die griechische Wirtschaft ein wettbewerbsfähiges Exportgut, das sie nach Deutschland liefern könnte.
Wirtschaftlicher Erfolg kann so einfach sein. Man möchte niederknien vor so viel Weisheit.
Nun mag sich mancher Grieche fragen, was eigentlich schlimmer ist: die Krise selbst, die Hilfen aus reichen Euroländern oder die Herablassung der Regierenden dieser Länder.
Aus Kopfgeburten werden ganze Wirtschaftszweige
Doch mögen die Griechen bitte bedenken, dass Wolfgang Schäuble es ja nur gut meint. Zudem hat sich ja in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass gerade Politiker es verstehen, aus ihren Kopfgeburten ganze blühende Wirtschaftszweige entstehen zu lassen, jetzt mal abgesehen vom Transrapid. Diese klassischen neoliberalen Rezepte, Märkten und Unternehmern die Aufgabe zu überlassen, wettbewerbsfähige Branchen aufzubauen, sind ja höchstens richtig für jene Länder, die nicht auf Schäubles Ratschluss bauen können.
Und natürlich ist die Bundesregierung noch völlig trunken vom Erfolg der eigenen Solarindustrie, die es längst verdiente, Vorbild für die ganze Welt zu sein, wie so vieles andere auch. Der langjährigen Tatkraft und Wirkungsmacht der deutschen Solarindustrie ist es schließlich zu verdanken, dass nun schon stolze 1,9 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs in Deutschland vorher von der Sonne produziert werden.
Das Großartigste daran ist, dass die Sonne keine Rechnung schickt. Wie kleinlich ist der Einwand, dass das auch für Uran, Braunkohle und Erdgas zutrifft.
Wie beckmesserisch geradezu der Hinweis, dass die Solarindustrie mit aberwitzigen Milliardenbeträgen gefördert wurde über die sogenannte Einspeisevergütung und über Investitionsförderprogramme. Deswegen stehen jetzt Solarzellen-Fabriken in Ostdeutschland, von denen gar nicht alle von der Schließung bedroht sind. Die Guten halten sogar die Konkurrenz durch die Chinesen aus, die ihrerseits einen Teil ihres Erfolges indirekt der deutschen Solarförderung verdanken. Deshalb kann man mit Fug und Recht sagen: Hier handelt es sich um eine globale Erfolgsgeschichte.
Und ja, liebe Griechen, Photovoltaik kostet Geld, so ist das eben mit den guten Dingen des Lebens. Sie könnte den Strom in Griechenland verteuern, die Kosten der Industrie erhöhen, den griechischen Konsumenten Kaufkraft wegnehmen. Aber das Land hätte auf der anderen Seite eine Sonnenenergieexportwirtschaft, die allerbeste Imagewerte hätte, weshalb deren Förderung auch kaum ins Gewicht fiele. Dafür sollte doch Geld da sein, bitte schön.
Und wenn nicht, so fiele uns noch etwas ein. Wie wäre es, wenn das Land seine Waldbrände besser nutzte zum Wohle der globalen Wirtschaft. Gerade Holzkohle wird in Deutschland zur Grillsaison gerne genommen.
Ist das denn so schwer? Es genügte ein: Danke, ihr lieben Deutschen.
Keine Bälle?
Sabeth Piper (o-pin-o-loge)
- 12.07.2011, 00:15 Uhr
Winand von Petersdorff-Campen Jahrgang 1963, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft.
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