Home
http://www.faz.net/-gqe-6y60o
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Schuldenkrise Moody’s stuft Griechenland auf niedrigsten Wert herab

Nach Standard & Poor’s hat nun auch die Ratingagentur Moody’s den Daumen gesenkt und verpasst Griechenland die schlechteste Note. Ob das Land 2015 wieder selbständig Kredite besorgen kann, bleibt fraglich. Der jüngste Troika-Bericht soll dazu ursprünglich eine heikle Passage enthalten haben.

© AFP Vergrößern Im Land der Schirme: Fußgänger auf dem Syntagma-Platz in Athen

Nach Standard & Poor’s und Fitch hat auch die amerikanische Ratingagentur Moody’s die Kreditwürdigkeit Griechenlands weiter herabgestuft und damit auf den ausgehandelten Schuldenschnitt für das pleitebedrohte Euro-Land reagiert. Das Unternehmen senkte die Bonität von „Ca“ auf die niedrigste Stufe „C“, was Zahlungsfall bedeutet.

Moody’s begründete den Schritt mit der Einigung auf einen Schuldenschnitt, nach dem private Gläubiger des hochverschuldeten Euro-Landes nach Berechnungen von Experten auf 70 Prozent ihrer Forderungen verzichten sollen.

Das Rating der wichtigsten Länder Interaktiv: Das Rating der wichtigsten Länder © F.A.Z. Interaktiv 

Die Regierung in Athen reagierte gelassen. Man habe den Schritt erwartet, sagte ein Mitarbeiter des griechischen Finanzministers Evangelos Venizelos am Samstag in Athen. Es sei Sache der Agentur, die Bewertung vorzunehmen. Man ging aber davon aus, dass eine bessere Bewertung erfolgen werde, sobald der Schuldenschnitt unter Dach und Fach sei.

Bereits am Montag hatte die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) mit einer erneuten Abstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands auf den Schuldenschnitt reagiert. Die bereits mangelhafte Note „CC“ wurde auf ein „Selective Default“, also einen teilweisen Zahlungsausfall, gesenkt.

Infografik / Schuldenschnitt Griechenland (doppelt; nicht für Griechenland-Info-Galerie) © F.A.Z. Vergrößern Griechenlands Schulden an private und institutionelle Gläubiger werden teilweise erlassen

Ein Zahlungsausfall ist deshalb problematisch, weil damit Kreditausfallversicherungen fällig werden könnten. Diese sogenannten Credit Default Swaps (CDS) waren einer der Gründe, warum die Finanzkrise des Jahres 2008 so dramatische Ausmaße angenommen hatte. Damals war es nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers zu einer Kettenreaktion im Finanzsystem gekommen.

CDS werden vorerst nicht fällig

Diese Versicherungen werden im Fall Griechenland zunächst aber nicht fällig. Am Donnerstag hatte die mit der Entscheidung beauftragte International Swaps and Derivatives Association (ISDA) auf ihrer Internetseite bekanntgegeben, dass die Sonderstellung der Europäischen Zentralbank (EZB) beim griechischen Schuldenschnitt nicht ausreiche, um die „Credit Default Swaps“ auszulösen.

Die ISDA ist ein Branchenverband, in dem sowohl Investoren als auch Emittenten organisiert sind. Sie stellte fest, dass aus dem Anleihetausch, durch den die EZB von einem möglicherweise erzwungenen Forderungsverzicht verschont bleiben würde, sich kein sogenanntes Kreditereignis ergebe, also damit die CDS nicht fällig werden. Die Situation könnte sich jedoch ändern, falls Griechenland seine Investoren tatsächlich zum Schuldenerlass zwingt.

Mehr zum Thema

Hintergrund: In der vergangenen Woche hatte Athen ein Gesetz verabschiedet, das die Möglichkeit eröffnet, alte Anleihen rückwirkend mit Umschuldungsklauseln auszustatten. Auf diese Weise könnte eine Minderheit von Investoren zum Forderungsverzicht gezwungen werden, sofern mindestens zwei Drittel sich freiwillig daran beteiligen.

An den Märkten hatte es nach der Abstufung durch S&P Anfang der Woche kaum Reaktionen gegeben. Dennoch wirkte sich der Schritt unmittelbar auf die Refinanzierungsmöglichkeiten der Geschäftsbanken bei der EZB aus: Der EZB-Rat beschloss, vorrübergehend griechische Staatsanleihen sowie von Griechenland garantierte Wertpapiere nicht mehr als Sicherheiten für Kredite zu akzeptieren.

Entwurf des jüngsten Troika-Berichts enthielt angeblich Passage über mögliches drittes Rettungspaket

Erst am Montag hatte der Deutsche Bundestag dem 130 Milliarden Euro schweren neuen Hilfspaket für Griechenland zugestimmt. Einer der Kernpunkte ist der freiwillige teilweise Forderungsverzicht privater Gläubiger Athens. Das zweite Rettungspaket sichert die Finanzierung des griechischen Staats bis 2014.

Infografik / Griechenland Kreditpakete

Wie es danach weitergehen soll mit dem hochverschuldeten Land ist unklar. Falls sich Griechenland ab 2015 nicht wie geplant wieder selbstständig über den Kapitalmarkt finanzieren kann, benötigt das Land möglicherweise ein drittes Rettungspaket. Laut dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ hatte der jüngste Troika-Bericht in einer frühen Fassung dazu eine Passage enthalten, in der von einem „externen Finanzbedarf von bis zu 50 Milliarden Euro“ die Rede gewesen war. Die Passage sei jedoch auch auf Druck der Bundesregierung letztlich gestrichen worden, hieß es in dem Bericht weiter.

Doch auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wollte zuletzt „keine Garantie geben“, dass die Rettung Athens für Deutschland später nicht noch teurer wird. Er könne nicht ausschließen, dass bis zum Jahr 2020 „weitere Anforderungen“ kommen, hatte Schäuble Ende Februar gesagt. Es sei aber „zu früh, darüber zu spekulieren“.

Quelle: dpa/Reuters

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Was macht die EZB? Euro-Inflation fällt auf 0,3 Prozent

Die Teuerung in der Europäischen Währungsunion stagniert beinahe, die Arbeitslosigkeit ist in vielen Ländern hoch. Das steigert die Erwartungen an die Europäische Zentralbank - schon wieder. Mehr

29.08.2014, 11:42 Uhr | Wirtschaft
Staatsanleihen Die Anleger entdecken wieder Portugal

Portugals Staatsanleihen stehen bei Anlegern wieder hoch im Kurs. Die von manchen Marktteilnehmern befürchtete Krise an den europäischen Finanzmärkten ist ausgeblieben. Mehr

21.08.2014, 18:30 Uhr | Finanzen
Mayers Weltwirtschaft Italiens Kalkül

Große Eurostaaten werden immer gerettet. Das erspart ihnen Zinsen. Mehr

16.08.2014, 13:01 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 03.03.2012, 15:44 Uhr

Moskauer Protektion

Von Christoph Ruhkamp

Staatschef Putin setzt abermals auf die Abwrackprämie. Geld bekommt, wer ein Auto kauft, das in Russland gebaut worden ist - zum Nachteil deutscher Premium-Hersteller. Mehr 3

Umfrage

Nerven Sie geschäftliche Mails im Feierabend?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Viel Geld für Werbung im Internet

Unternehmen investieren stark in Onlinewerbung – so auch Germanwings. Nur der Autobauer Volkswagen und die Auktionsplattform Ebay geben hierzulande mehr dafür aus. Mehr