Home
http://www.faz.net/-gqe-70j0h
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Schuldenkrise Italien stellt Forderungen

 ·  In Italiens Politik und Medien wird trotz der schwierigen Lage nicht über Reformen diskutiert. Das Land beschäftigt sich vielmehr mit der Frage, wann Deutschland endlich mit Eurobonds die italienische Konjunktur retten könne.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (69)

Nach dem Rettungspaket für Spaniens Banken haben nun angelsächsische Analysten und Nachrichtenagenturen Italien ins Visier genommen. Für negative Schlagzeilen zur Konjunktur liefert Italien seit Monaten genügend Munition. Ende Mai hatte zum Beispiel der Notenbankgouverneur Ignazio Visco gesagt, dass „in den nicht allzu negativen Szenarien die Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts 2012 auf 1,5 Prozent begrenzt werden kann“. Die Erholung zum Ende des Jahres sei umso lebhafter, je effizienter die Interventionen für eine bessere Nutzung öffentlicher und privater Ressourcen seien und je mehr Klarheit über den Zusammenhalt Europas bestehe.

Industrieproduktion hat enorm nachgelassen

Die einzelnen Wirtschaftsdaten entwickeln sich nun entsprechend dieser Konjunkturtendenz, mit einer Arbeitslosenquote, die von 8 auf fast 10 Prozent gestiegen ist und einer Jugendarbeitslosigkeit (bis 25 Jahre), die in Italien schon immer hoch lag, und innerhalb der letzten zwölf Monate von 28 auf 36 Prozent gestiegen ist. Das italienische Statistikamt und der Unternehmerverband berichten über schrumpfende Industrieproduktion. Laut Statistikamt ist die Produktion im April im Vergleich zum März um 1,9 Prozent geschrumpft. Der Unternehmerverband prognostiziert für Mai einen weiteren Rückgang um 0,6 Prozent. Gegenüber dem Höchststand Anfang 2008 ergebe sich damit für Italiens Produktion ein Verlust von 23,5 Prozent.

Diese Daten beinhalteten noch nicht die Effekte des Erdbebens in der Emilia, das weitere Produktionsausfälle bedeutet. Für die Perspektive von Spekulanten, dass sich Italiens Lage in diesen Tagen besonders verschlechtert habe, gibt es aber wenig Anhaltspunkte.

Monti: Europa kann nicht länger warten

In Italiens Politik und Medien dreht sich die Diskussion trotz der schwierigen Lage nicht um Reformen zur Belebung der Wirtschaft, sondern darum, wann Deutschland endlich mit Investitionsbonds und Eurobonds die italienische Konjunktur retten könne. Deutschland wird von Ministerpräsident Mario Monti hart kritisiert. Die Zeitung „Repubblica“ zitiert Monti mit den Worten, Kanzlerin Angela Merkel sei so hart wegen ihrer Wahlen 2013, doch Europa könne nicht darauf warten.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1962, Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

Jüngste Beiträge

Irrweg der Mieterlobby

Von Joachim Jahn, Berlin

Die Politik verteuert Wohnen und Wohnungsbau. Mieterbund, Studentenwerk und ihnen nahestehende Parteien gehen genau den falschen Weg, wenn sie nun noch mehr Restriktionen fordern. Mehr 2 6

Umfrage

Gentests machen Aussagen über das Risiko künftiger Krankheiten. Wollen Sie Ihr Risiko kennen?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Umfrage

Sollen Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Wichtigste Werte
Name Wert Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  F.A.Z.-Anleih… --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
  Bund Future --  --
Umfrage

Soll die Selbstanzeige für Steuerhinterzieher abgeschafft werden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.