Die Euro-Länder werden voraussichtlich erst am Mittwoch endgültig über das zweite Griechenland-Hilfspaket entscheiden statt wie erwartet an diesem Montag. Wie Diplomaten berichteten, müssten in einzelnen Mitgliedstaaten noch parlamentarische Hürden genommen werden.
Die 17 Euro-Finanzminister hatten am vergangenen Freitag rund 35 Milliarden Euro aus dem zweiten Hilfspaket auf den Weg gebracht, um den Schuldenschnitt für private Gläubiger wie Banken, Versicherungen und Fonds abzusichern. Insgesamt hat das bereits grundsätzlich vereinbarte zweite Hilfspaket für Athen einen Umfang von 130 Milliarden Euro. Eine Entscheidung über die verbleibenden rund 95 Milliarden Euro steht noch aus.
Das neue Paket soll dafür sorgen, dass Griechenlands Schuldenberg von rund 160 Prozent der Wirtschaftsleistung bis Ende des Jahrzehnts auf ein einigermaßen erträgliches Niveau von rund 120 Prozent schrumpft. Erlaubt sind eigentlich nur 60 Prozent.
Die Renditen der griechischen Umschuldungsbonds haben gleich an ihrem ersten Handelstag am Montag die Angst der Anleger vor einem Staatsbankrott widergespiegelt. So lagen die Renditen von Anleihen mit kürzeren Laufzeiten über denen mit langen Laufzeiten. Die 2023 fällig werdenden Anleihen rentierten 19,3 Prozent, die 2042 fälligen Papiere dagegen 14,25 Prozent.
„Task Force“ arbeitet an 180 Projekten
Unterdessen ist die „Task Force“ der EU an diesem Montag wieder in Athen eingetroffen. Die Expertentruppe mit ihrem deutschen Chef Horst Reichenbach will dem Land helfen, seine am Boden liegende Wirtschaft wiederzubeleben. Außerdem soll der marode Staatsapparat mit Reformen auf Vordermann gebracht werden. Insgesamt habe die „Task Force“ 180 Projekte in den Sektoren Verkehr, Tourismus und Energie sowie Landwirtschaft ins Visier genommen. Dorthin könnten Gelder aus EU-Fonds fließen.
Zunächst will die „Task Force“ nach Möglichkeiten suchen, wie für Griechenland bereitstehende Gelder aus EU-Fonds in Höhe von rund 15 Milliarden Euro eingesetzt werden könnten. Investitionen sind dringend nötig. Zugleich wird aber damit gerechnet, dass die „Task Force“ auch weitere Kürzungen und Reformen in allen Bereichen des Staates vorschlagen wird. Mit diesen neuen Maßnahmen sollen bis 2014 weitere zehn Milliarden Euro gespart werden.
Die griechische Wirtschaft schrumpft seit mehr als vier Jahren ununterbrochen. Allein 2011 erreichte die Rezession den Rekordwert von rund minus 7 Prozent. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 21 Prozent.
Die Wirtschaft muss noch lange schrumpfen - oder abrupt um 30-40%
Paul Banaschak (paul.banaschak)
- 12.03.2012, 17:00 Uhr
"einigermaßen erträgliches Niveau von rund 120 %"
Peter Ramsauer (Wutbuerger)
- 12.03.2012, 16:05 Uhr
